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Verkehr

07.06.2011

Blinkmuffel als Gefahr auf der Straße

Dieses Schild im Kreisverkehr in Vöhringen soll Autofahrer ans Blinken beim Ausfahren erinnern. Dass die Meisten dennoch nicht daran denken, bedauern Erich Sailer, Wolfgang Jehle und Hanspeter Albrecht (von links).
Bild: Fotos: Schröders

Experten zeigen gefährliche Punkte im Landkreis auf und warnen vor Nachlässigkeit

Landkreis Verkehrsexperten aus dem Landkreis Neu-Ulm schlagen Alarm. Immer mehr Autofahrer blinken nicht oder setzen das Lichtsignal falsch ein. Die Folgen: Unfälle, Staus, Behinderungen. Erich Sailer, Leiter der Fachbehörde Verkehr im Landratsamt Neu-Ulm, sagt, dass viele Autofahrer die Verkehrsregeln missachten, manche allerdings „unbewußt“. Auch Hanspeter Albrecht, Fahrschullehrer und Vorsitzender der Verkehrswacht Neu-Ulm, beobachtet diese Entwicklung. „Ich habe das Gefühl, dass viele Leute etwas blinkfaul geworden sind.“ Zusammen mit Wolfgang Jehle von der Polizeiinspektion Neu-Ulm haben sie daher im Landkreis vier Gefahrenpunkte herausgepickt, um auf das Problem hinzuweisen.

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Oft kracht es beim Wechseln des Fahrstreifens

Insgesamt gab es 2010 im Dienstbereich der Polizeiinspektion Neu-Ulm 2347 Unfälle. In 137 Fällen krachte es, als ein Fahrer den Fahrstreifen wechseln wollte. Daher haben die Verkehrsexperten auch die Kemptenerstraße in Richtung Vöhringen durch das Gewerbegebiet Senden im Blick. „Früher gab es hier bei Spurwechseln viele Unfälle“, erklärt Sailer. Vor der Kreuzung an der Kirchensteige wird die zweispurige Straße einspurig. Autofahrer, die links in die Haydnstraße abbiegen wollen, müssen sich frühzeitig einfädeln. Ein Schild weist seit ein paar Jahren extra auf diese Regelung hin. Dennoch wünschen sich die drei Verkehrsexperten, dass die Autofahrer an dieser Stelle mehr Vorsicht walten lassen.

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Grundsätzlich gilt: Den Spurwechsel rechtzeitig durch Blinken ankündigen. Vor dem Einscheren muss der Autofahrer per Schulterblick überprüfen, ob sich kein Verkehrsteilnehmer im „toten Winkel“ befindet – das gilt ebenfalls für Fahrer, die von der linken auf die rechte Spur wechseln. Unstimmigkeiten entstehen auch im Bereich von Kreisverkehren.

Als Beispiel nennen die Verkehrsexperten den ersten Kreisel in Vöhringen, von Weißenhorn aus gesehen, mit Anschluss an die Autobahn 7. Laut Sailer habe sich der Verkehr hier oft auf der Illerbergerstraße in Richtung Fuggerstadt gestaut. Die Situation sei zwar durch einen Autobahnzubringer entschärft worden. Dennoch gebe es immer wieder „Verständigungsprobleme“ zwischen den Autofahrern. „Viele blinken beim Einfahren in den Kreisverkehr, was nicht nur unsinnig, sondern auch verboten ist“, sagt Polizist Jehle. Stattdessen müssen die Fahrer beim Verlassen des Kreisels den Signalhebel betätigen.

Wer einem Linien- oder Schulbus folgt, muss besonders vorsichtig fahren. „An Haltestellen steigen oft Kinder aus, die leicht übersehen werden können, oder ältere Leute, die sich im Straßenverkehr unsicher bewegen“, sagt Jehle. Zudem gab es hier Gesetzesänderungen (siehe Info). Das Landratsamt hat die Möglichkeit, die Busfahrer an Haltestellen zu verpflichten, die Warnblinkanlage einzuschalten. Sobald der Bus steht, dürfen die Autos ihn nur noch mit Schrittgeschwindigkeit überholen. Was viele nicht wissen: Auch im Gegenverkehr muss die Geschwindigkeit gedrosselt werden.

An der neuen Bushaltstelle in Witzighausen in der Nähe des Steigfeldwegs macht Fahrlehrer Albrecht den Selbstversuch und überquert die Straße, während der Linienbus hält. „Eine Dame war so schnell unterwegs, dass sie mir fast über den Fuß gefahren ist.“ Ein weiteres Problem: Die abknickende Vorfahrt. Dazu haben die Verkehrsexperten eine Ecke in Weißenhorn im Visier. Manche Autofahrer blinken nicht, wenn sie von der Ulmerstraße aus in die Kaiser-Karl-Straße abbiegen. Sailer erklärt: „Man bleibt zwar auf der Vorfahrtsstraße, muss aber den anderen Verkehrsteilnehmern zeigen, dass man dem Verlauf folgt.“

Unfälle durch vorausschauendes Verhalten vermeiden

Alle Gefahrenstellen können auch mit den besten Verordnungen nicht ausgeschaltet werden, da sind sich die Verkehrsexperten einig. „Gerade tödliche Unfälle werden oft durch schreckliche Zufälle verursacht, die nicht vorhersehbar sind“, sagt Jehle.

Durch vorausschauendes Fahren und Rücksichtnahme könnten diese Gefahren aber deutlich verringert werden.

Gerade deshalb appellieren die Experten an alle Verkehrsteilnehmer, beim Autofahren immer an den kleinen Schalthebel neben dem Lenkrad zu denken und diesen regelmäßig einzusetzen.

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