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Neu-Ulm

16.05.2019

CSU nach Gerold Noerenbergs Verzicht in "Schockstarre"

Gerold Noerenberg tritt nicht mehr als OB-Kandidat in Neu-Ulm an. Er will sich komplett aus der Politik zurückziehen.
Bild: Alexander Kaya

Plus Der Oberbürgermeister will nach der Kommunalwahl der Politik komplett den Rücken kehren. Seine Partei erwischt er damit auf dem falschen Fuß und befeuert Spekulationen

Lange war spekuliert worden, lange hatte sich Neu-Ulms Oberbürgermeister Gerold Noerenberg (CSU) in Schweigen gehüllt: Tritt er noch mal an? Wartet er die Nuxit-Entscheidung ab? Am späten Donnerstagnachmittag hat er dem Rätselraten ein Ende gemacht und eine Presseerklärung verschicken lassen: Er kandidiert nicht mehr und kehrt nächstes Jahr dem Rathaus den Rücken. Seine Partei hat er damit offenbar kalt erwischt.

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Noerenberg will auch nicht in den Stadtrat

Noerenbergs Erklärung ist relativ knapp gehalten, aber wie immer wohlformuliert. Er bekennt, dass er sich vor 40 Jahren, als er begann, sich politisch zu engagieren, nicht daran gedacht habe, das einmal hauptberuflich zu tun. Es sei dann anders gekommen. Wenn 2020 die Wahlperiode endet, war er nicht nur rund 16 Jahre lang OB gewesen, sondern auch sechs Jahre Stadtrat, davon arbeitete er drei als Fraktionsvorsitzender und knapp zwei als Zweiter hauptamtlicher Bürgermeister. „Bereits seit längerer Zeit ist deshalb bei mir die Erkenntnis gereift, dass es für mich und meine Frau eine gute Entscheidung wäre, im Buch der politischen Leitung unserer Stadt, aber auch persönlich ein neues Kapitel aufzuschlagen“, schreibt er wörtlich. Noerenberg kündigt an, sich komplett aus der Politik zurückzuziehen, also nicht nur auf die OB-Kandidatur zu verzichten: Weder für den Stadtrat noch für den Kreistag will er sich aufstellen lassen. Nach seiner Überzeugung könne ein neuer Lebensabschnitt nur mit konsequenter Neuorientierung begonnen werden.

Noerenberg will keine Leserbriefe schreiben

Noerenberg bedankt sich bei allen, „die mich so eine lange Zeit mit großem Wohlwollen getragen haben“, und verleiht der Hoffnung Ausdruck, „dass meine Entscheidung niemanden enttäuscht“. Er sei dankbar, dass er seiner Heimatstadt so lange habe dienen dürfen. Seine Mail, die er um 17.24 Uhr von Rathaus-Sprecherin Sandra Lützel verschicken ließ, endet mit einem Versprechen: Er werde in seinem politischen Ruhestand sicherlich keine Leserbriefe schreiben.

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In der CSU wusste niemand etwas von Noerenbergs Entscheidung

Auch, wenn es schon länger Spekulationen über seine Kandidatur gab – es wäre für den knapp 62 Jahre alten Noerenberg ohnehin die letzte gewesen – so hat er seine Partei dem Vernehmen nach auf dem falschen Fuß erwischt. Dem CSU-Fraktionsvorsitzenden Johannes Stingl soll er am Donnerstag an dessen Urlaubsort die Entscheidung telefonisch mitgeteilt haben. Wie aus der Rathausfraktion verlautet, befanden sich viele „in Schockstarre“, als sie vom Verzicht ihres Oberbürgermeisters hörten. Offenbar wusste niemand etwas. Auch in der CSU-Kreistagsfraktion, die am Dienstag zusammengekommen war, hatte niemand eine Ahnung von der einsamen Entscheidung.

Gibt es schon eine Kronprinzessin?

Nun stellt sich die Frage, wer für die CSU in den Wahlkampf um das Amt des Oberbürgermeisters zieht. Immer wieder wird der Name der einstigen Bundestagsabgeordneten und christsozialen Stadträtin Katrin Albsteiger ins Spiel gebracht. Ob sie antreten wird, weiß ebenfalls niemand. Eine entsprechende Anfrage unserer Redaktion blieb am Donnerstagabend unbeantwortet.

Auch die anderen Fraktionen haben sich noch nicht sortiert. Klar ist jedenfalls für den SPD-Stadtverbandsvorsitzenden Patrick Steiner-Hirth, dass die Sozialdemokraten versuchen werden, zusammen mit anderen Parteien und Gruppierungen einen gemeinsamen Kandidaten zu finden. Wer das sein könnte, scheint noch offen. Demnächst wolle er entsprechende Treffen organisieren: „Wir arbeiten daran.“ Was Noerenbergs Kandidaturverzicht betrifft, so sagt der SPD-Mann: „Dies ist eine gute Nachricht für die Stadt Neu-Ulm. Zunächst gilt Herrn Noerenberg großen Respekt für seine Lebensleistung in der Kommunalpolitik. Diese wäre aber besser ausgefallen, wenn er nicht ohne Not durch seine brachiale Vorgehensweise beim Thema Kreisaustritt die Stadt gespalten hätte.“ Nun sei es Zeit für einen Neubeginn und einen Stilwechsel.

Lesen Sie dazu: Ministerpräsident Söder lehnt den Nuxit ab

Auch für die Grünen kommt die Entscheidung überraschend, räumt Stadtrat Rainer Juchheim ein. Möglicherweise habe der Zeitpunkt mit dem Nuxit zu tun: Es verdichten sich die Anzeichen, dass die Staatsregierung eine Kreisfreiheit von Neu-Ulm nicht zulassen will. Was eine/n grüne/n OB-Bewerber/in betrifft, da müsse sich die Partei noch sortieren: „Aber das ist schon denkbar.“

Auch Christina Richtmann (FWG) glaubt, der Zeitpunkt von Noerenbergs Entscheidung hänge mit den Anti-Nuxit-Signalen aus München zusammen. Noerenberg kenne wohl den Ausgang des Verfahrens schon und verzichte deshalb auf eine weitere Kandidatur.


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