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Neu-Ulm

24.03.2019

Carolin Kebekus in Neu-Ulm: Über der Gürtellinie ist noch Luft

Wörter wie „Scheiße“ oder „Fotze“ gehen ihr leicht über die Lippen: Carolin Kebekus bei ihrem Auftritt in der ausverkauften Ratiopharm-Arena. Ihre aktuelle Show heißt „Pussy Nation“.
Bild: Stefan Kümmritz

Carolin Kebekus spart in der ausverkauften Ratiopharm-Arena nicht mit Zoten und unappetitlichen Details. Und hängt statt Jesus Jenny ans Kreuz.

„Carolin Kebekus lotet die Grenzen unter und über der Gürtellinie aus.“ So hatte es der Veranstalter vor dem Auftritt der Komikerin angekündigt. Ganz ehrlich war er dabei nicht. Denn „über“ ist Kebekus, bekannt auch aus Fernsehsendungen wie der „Heute-Show“ im ZDF, ganz selten. Laut und derb ist die 38-Jährige, und das kommt an: Die Halle ist ausverkauft. Carolin Kebekus gehört längst zu den erfolgreichsten deutschen Comedians, erst recht zu den erfolgreichsten weiblichen. Käme die 38-Jährige auf der großen Bühne, über der auch noch ein überdimensionales Live-Video mit ihrem Konterfei abläuft, mit einem niveauvollen, witzigen und vielleicht auch etwas nachdenklich machenden Programm daher – dann liefe die Show in einem viel kleineren Saal.

Das Programm, mit der die in Bergisch-Gladbach geborene Kebekus, die wegen ihrer Komik schon viel Anfeindungen erlebt und einige Anzeigen – unter anderem aus konservativen Kirchenkreisen – bekommen hat, auf Tournee ist, heißt „Pussy Nation“. Eines muss man Kebekus lassen: Sie ist wortgewandt, weiß ihre Mimik und Gestik gut einzusetzen, kann stundenlang reden, ohne ins Stocken zu geraten. Im Programm greift sie so viele Themen unserer Zeit auf, dass man sie letztlich gar nicht behalten kann.

Carolin Kebekus hat "einen geilen Arsch in der Hose"

Von ihrem Programm soll hier nur ganz wenig herausgepickt werden. Zu Beginn redet sie von „Pseudoscheiße“ und „Scheißsituationen“ und erzählt: „Ich habe einen geilen Arsch in der Hose. Ein paar Jungs schauen auch so, als ich da so laufe. Und als ich bei ihnen bin, fällt meine gebrauchte Unterhose raus. Scheiße.“ Sie fährt fort: „Es gibt Situationen, da will man nicht erkannt werden, zum Beispiel, wenn man rotzevoll ist. Das ist mir mal wieder bei der Weiberfasnacht passiert. Am nächsten Tag um zwölf Uhr ging es mir noch ganz mies und irgendwann musste ich pissen wie ein Stier.“

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Dann erzählt Kebekus von einer Freundin, die ihr zum „Sugaring“ riet. „Sugaring“? So wird eine Haarentfernung genannt, bei der eine zuckerige Paste verwendet wird, die die Haare perfekt und tief entfernt. Die Freundin der Komikerin habe berichtet, am Anfang sei das etwas unangenehm, dann aber habe man vier Wochen lang Ruhe. Kebekus dann von ihrer Erfahrung nach dem ersten Mal: „Meine Freundin ist eine miese Fotze. Das waren die schlimmsten Schmerzen, die ich je hatte“, sagt sie. „Ich dachte, es kann doch nicht sein, dass die Frau mir ohne Narkose die Fut aus dem Körper reißt. Aber ich habe es gemacht, weil ich es liebe, im Schritt wieder auszusehen wie mit zehn.“

Carolin Kebekus referiert und referiert, auch darüber, dass man alles, selbst „jeden Fuck im Internet bewerten“ kann, dass „alle Influencerinnen gleich aussehen“, von einer Frau, „deren Nippel nach einer Brustoperation abgefault sind und die der Arzt aus ihren Schamlippen nachbauen will“, von ihrer Mutter, die sich manchmal „wie eine Axt im Wald benimmt“ oder warum sie Probleme mit Typen hat. So vieles, was man eigentlich nicht wissen will. Gesundheitsminister Jens Spahn bekommt sein Fett ab: „Der sagt, es geht nicht, dass man die Pille danach rezeptfrei in der Apotheke bekommt, das wären doch keine Smarties. Er ist schwul und will mir sagen, wie ich das mache?“

Naja, und Jesus? Kebekus: „Wenn der eine Frau gewesen wäre, hätte man vieles umschreiben müssen, vor allem die Leidensgeschichte. Wenn also Jenny am Kreuz hängen würde, würde sie sagen: ,Nächstes Mal werde ich mir meine Nägel woanders machen lassen’.“ Fröhliches Gebrüll im Saal.

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