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29.11.2010

Chapeau, sexy Silvio!

Amel Rizvanovic alias Berlusconi Superstar rekelt sich mit drei Schönheiten auf weißen Laken auf der Bühne. Foto: Bluhm
Bild: Bluhm

Ulm Berlusconi ist derzeit nicht zu beneiden, Amel Rizvanovic schon. Der durfte den italienischen Ministerpräsidenten spielen, der sich zum weltweiten Gespött mit seinen altersgeilen Eskapaden gemacht hat. "Viva Berlusconi! Koks, Kokotten, Cosa Nostra" - heißt die Groteske, die derzeit im Theater in der Bastion von einem Zuschauererfolg zum anderen eilt und das Zeug hat, eine Exportware zu werden. Wohin? Nach Italien natürlich.

So manches Männerherz pochte nämlich schneller, als sich Rizvanovic alias Berlusconi Superstar auf weißen Laken auf der Bühne zum Auftakt mit drei Schönheiten räkelte, Champagner süffelte und aus XXL-Papiertüten Kokain in die Nase zog. Ein Küsschen auf der Stirn zeugte davon, wie sehr das weibliche Geschlecht den Schauspieler anhimmelt, der in der Rolle Berlusconis den Nagel auf den Kopf traf: Der größenwahnsinnige Milliardär, Potenzprotz, Besitzer, Besatzer und Geschäftsführer wird in diesem Stück nach Strich und Faden verulkt.

Mit diesem hochaktuellen Thema, eine Weltpremiere übrigens, hat sich das Theater in der Bastion ein Denkmal in der regionalen Kulturszene gesetzt. Die nicht immer jugendfreie Groteske stammt aus der Feder von Amel Rizvanovic selbst, der auch für die Inszenierung verantwortlich ist, die Musik dazu schrieb Leo Radermacher, dessen Bruder Martin Rademacher als talentierter Schauspieler auf der Bühne mitwirkte und einen umwerfenden Trappatoni hinlegte ("Flasche leer - ich habe fertig").

Was unterscheidet Gott von Berlusconi? Gott glaubt nicht, er sei Berlusconi. Mit diesem Spruch wird das Publikum auf ein zweistündiges Feuerwerk an Ideen und Gags eingestimmt, in dem auch Niklas Mühlich als Schauspielerchamäleon zur Hochform aufläuft. Als laszive Tunte glänzt er mit flotten Sprüchen unterhalb der Gürtellinie, als Fußballreporter quasselt er sich in das Guinnessbuch der Rekorde und als zerstreuter Psychiater lässt er einen verzweifelten Berlusconi mit seinen Sorgen allein. Dieser italienische Übermensch verzweifelt - kann das sein?

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In der Ulmer Groteske schon, die bei all dem Klamauk auch einer Realität nachspürt, die das Geheimnis dieses italienischen Klatschspaltenfüllers sein könnte: seine innere Unsicherheit. Als Berlusconi seine Immunität für eine kurze Zeit verliert, fällt er in sich zusammen wie ein Kartenhaus, drohen ihm doch rund 300 Gerichtsverfahren, die auch sein Wirtschaftsimperium gefährden. Feinfühlig überspitzt spielt Amel Rizvanovic diese Verwandlung vom sexy Superstar zum armen Würstchen, das sich dann aber wieder aufrafft zu noch größerer Egomanie.

Da wird es wieder Zeit für Sexorgien, da passt man sich die römische Kaiser-Toga an und entwickelt Ziele, die der wahre Berlusconi sicher auch schon mal bedacht haben könnte: Die katholische Kirche in eine Aktiengesellschaft zu verwandeln, hübsche Hostessen fürs Priesteramt einzustellen und von Liechtenstein aus einen weltweiten Ablasshandel zu organisieren. Das Wichtigste aber, was Papst Silvio verfügt, bringt ihm weltweiten Applaus ein: die Abschaffung des Zölibats.

Die Pointen kommen in dieser Satire Schlag auf Schlag. Das Team um Theaterleiter Gérard Elineau hat ganze Arbeit geleistet und mit bester Schauspielkunst, Gesang und Tanz das Publikum höchst amüsiert. Chapeau Silvio, Chapeau "Theater in der Bastion".

Aufführungstermine "Viva Berlusconi! Koks, Kokotten, Cosa Nostra" wird im Theater in der Bastion Unterer Kuhberg am 3. und 4. Dezember jeweils um 20 Uhr nochmals aufgeführt.

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