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Landkreis Neu-Ulm

12.03.2020

Coronakrise: Behörden verbieten Besuch in Krankenhäusern und Altenheimen

Das Landratsamt hat jetzt verfügt, dass Besucher keine Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen mehr betreten dürfen. Mittlerweile hat sich die Zahl der Infizierten im Landkreis erhöht.

Plus Im Landkreis Neu-Ulm werden die Schutzmaßnahmen verschärft. Nun steht auch ein Polit-Promi unter Quarantäne. Ein Überblick über die aktuelle Lage.

Eigentlich hätte der Illertisser Abgeordnete Karl-Heinz Brunner ( SPD) gestern im Bundestag eine Rede halten müssen, doch das durfte er nicht, denn er sitzt in seiner Berliner Wohnung in freiwilliger häuslicher Quarantäne. Sein Problem: Er hatte am Sonntag vor einer Woche an einer Tagung teilgenommen. Erst geraume Zeit später stellte sich heraus, dass einer der Teilnehmer positiv auf das Coronavirus getestet wurde.

Am Mittwoch sei er dann aus der Sitzung des Auswärtigen Ausschusses „gezogen worden“, erzählt Brunner. Seither ruht für ihn sicherheitshalber die politische Arbeit. Allerdings nur bis zum kommenden Sonntag, denn dann endet für ihn die 14-Tages-Frist, in der bei einer möglichen Infektion, die bei der Tagung erfolgt sein könnte, die Krankheit ausbricht. „Ich muss jetzt drei Tage das öffentliche Leben meiden“, sagte er am Donnerstag, „der Schmerz darüber hält sich in Grenzen. Aber mir geht es gut.“ Er leide weder unter Husten noch Heiserkeit.

Neue Infektionen: Während sich Karl-Heinz Brunner bald wieder unter Menschen mischen kann, gilt das für zwei weitere Personen aus dem Landkreis nicht: Bei ihnen wurde eine Infektion mit dem Virus Covid-19 festgestellt. Beide waren in Südtirol gewesen und hatten sich dort offenbar angesteckt. Damit sind aktuell fünf Menschen im Landkreis mit dem Coronavirus infiziert. Das teilte am Donnerstag das Landratsamt mit.

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Einschränkungen: Um eine weitere Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, untersagt das Landratsamt Veranstaltungen ab 500 Personen. Bereits seit Mittwoch sind Veranstaltungen mit über 1000 Teilnehmern in Bayern nicht mehr erlaubt. Bei Ereignissen, zu denen weniger als 500 Menschen kommen werden, liege es weiter an jedem Einzelnen, ob er sie durchzieht. Im Zweifel werde empfohlen, sie eher abzusagen. Außerdem hat das Landratsamt ein Besuchsverbot erlassen. Es gilt für Alten- und Pflegeheime, Reha-Einrichtungen, ambulant betreute Wohngemeinschaften, Krankenanstalten, Hospize, Wohneinrichtungen für Menschen mit Behinderungen sowie die drei Kliniken der Kreisspitalstiftung. Es gilt bis auf Weiteres unbeschränkt. Es gibt auch Ausnahmen: für „therapeutisch oder medizinisch notwendige Besuche, Handwerker für nicht aufschiebbare bauliche Maßnahmen sowie betriebsnotwendige An- und Ablieferungen“. Eine weitere Ausnahme gibt es für Angehörige von Not- und Härtefällen, wenn eine lebensbedrohliche Situation vorliege oder wenn der Patient wegen seines Gesundheitszustandes nicht selbst Kontakt zu den Angehörigen über das Telefon aufnehmen könne.

Das Landratsamt sei sich bewusst, heißt es in einer Mitteilung, dass es sich um einschneidende Maßnahmen handle. Diese seien getroffen worden, um besonders gefährdete Personen zu schützen. Dazu gehörten ältere und kranke Menschen.

Schulen: Nicht bestätigt haben sich die Verdachtsfälle in den Schulklassen am Kolleg der Schulbrüder in Illertissen sowie am Bertha-von-Suttner-Gymnasium in Pfuhl. Sie können jetzt wieder den Unterricht besuchen. Weiter zu Hause bleiben müssen jeweils eine Klasse der Realschule und des Gymnasiums in Weißenhorn sowie fünf Schulklassen der FOS/BOS in Neu-Ulm. Ebenfalls weiterhin in Zwangsferien befindet sich eine Klasse der Grundschule Wullenstetten.

Allerdings sind neue, wie es heißt begründete Verdachtsfälle hinzugekommen. Auf den Unterricht verzichten müssen mittlerweile zwei Klassen der Grundschule Nersingen, eine der Ulrich-Wieland-Mittelschule in Vöhringen, eine der Grundschule Illerberg, zwei der Lindenhofschule Senden in der Außenstelle Tiefenbach und eine Grundschule in Tiefenbach. Sobald die Testergebnisse vorliegen, will das Landratsamt über das weitere Vorgehen entscheiden. Ebenfalls vorläufig geschlossen bleiben wegen begründeter Verdachtsfälle der Kindergarten St. Martin in Illerberg und der Hort St. Christophorus in Senden.

An den Schulen gibt es noch weitere Einschränkungen. Wie Ansgar Batzner, Leiter des Staatlichen Schulamtes, gegenüber unserer Redaktion sagte, seien sämtliche bis Ostern anstehenden Lehrerfortbildungen abgesagt worden. „Außerdem sind auf Anweisung des Kultusministeriums auch alle Schulsportwettbewerbe an den Grund- und Mittelschulen bis auf Weiteres abgesagt“, so Batzner. Großes Lob gab es vom Schulamtsdirektor für die Zusammenarbeit der Fachbehörden: „Das funktioniert sehr gut. Alle Beteiligten im Landratsamt und beim Gesundheitsamt agieren kooperativ und besonnen.“

Absagen: In der Region gibt es weiter zahlreiche Absagen wegen der Corona-Krise. Zu den prominentesten zählen Reinhold Messner und Friedrich Merz. Die Bergsteigerlegende sollte eigentlich am Samstag, 14. März, mit dem Programm „Nanga Parbat. Mein Schicksalsberg“ im CCU auftreten. Laut Veranstalter wird der Termin auf 29. November verschoben. Friedrich Merz sollte als Hauptredner beim Jahresempfang des CDU-Stadtverbands Ulm sprechen, ebenfalls am Samstag. Die Veranstaltung wurde jedoch abgesagt.

Eine Liste aller abgesagten Veranstaltungen finden Sie hier.

Wahlkampf: Auch auf den Wahlkampf in Bayern wirkt sich das Coronavirus aus. So haben die Grünen im Landkreis Neu-Ulm am Donnerstag beschlossen, ihren Haustürwahlkampf mit sofortiger Wirkung zu beenden. „Das Wahlkampfziel, 15 000 Haustürbesuche in der Stadt Neu-Ulm durchgeführt und somit jeden zweiten Haushalt besucht zu haben, werden wir daher aufgeben“, sagte Wahlkampfmanager Daniel Schipfel. Unterdessen haben sich die Parteien in Illertissen darauf verständigt, zum Wahlkampfendspurt auf Infostände zu verzichten.

Wirtschaft: Das Coronavirus hinterlässt auch in der regionalen Wirtschaft Spuren. Nach einer aktuellen Blitzumfrage der IHK Ulm erwarten 47 Prozent der regionalen Unternehmen in diesem Jahr Umsatzrückgänge infolge der aktuellen Situation. 30 Prozent erwarten sogar einen Umsatzverlust von mehr als zehn Prozent. Besonders stark betroffen sind Messebetriebe, die Reisewirtschaft und das Gastgewerbe, denn Messen, Veranstaltungen und Reisen werden in immer größerem Maße abgesagt.

Aber auch die exportorientierte Industrie bekommt die Auswirkungen des Coronavirus zu spüren. Der Außenhandel, insbesondere mit China, ist seit mehreren Wochen ins Stocken geraten. „Die Politik muss nun schnell konkrete Maßnahmen zur Stützung der Unternehmen auf den Weg bringen“, so IHK-Hauptgeschäftsführer Max-Martin Deinhard.

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