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Neu-Ulm

25.03.2020

Coronavirus: Was passiert mit meinem Abschluss?

Wegen des Coronavirus wird in Bayern der Beginn der Abiturprüfungen vom 30. April auf den 20. Mai verschoben.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Plus Corona und die Folgen des Schulausfalls: Jakob fehlt der Unterricht und Franzi steht kurz vor dem Abitur.

Seit dem 16. März sind in Bayern aufgrund des Coronavirus alle Schulen geschlossen. Auch der Beginn der Abiturprüfungen in Bayern wurde auf Mitte Mai verschoben. Zwei Schüler aus der Region erzählen, wie es ihnen mit dem Lernen zu Hause geht, wie ihre Mitschüler reagiert haben und welche Sorgen und Probleme sie haben:

Ich bin Franzi und gehe auf das Lessing-Gymnasium. Ich hatte die Gerüchte zwar immer im Hinterkopf, dass die Schulen tatsächlich schließen, war für mich immer unrealistisch. Meinen Mitschülern und mir war nach den Faschingsferien klar: Noch fünf Wochen normaler Unterricht, dann Osterferien und ab April nur noch Abiturvorbereitung. Ende Mai hätte ich dann meine Ergebnisse bekommen und sofern ich nicht in die Nachprüfung gemusst hätte, hätte ich die Schule nur noch zur Bücherabgabe und Abiturzeugnisverleihung betreten.

Die ersten Mitschüler waren in Quarantäne

In der zweiten Schulwoche nach den Faschingsferien waren die ersten Mitschüler unter häuslicher Quarantäne und die ersten Kurse wurden auf die digitale Lernplattform Mebis verschoben. Zur Mitte der zweiten Woche hin kam dann das Gerücht auf, dass die Schulen ab dem 16. März schließen. Allerdings klang eine bayernweite Schulschließung für mich absolut irreal. Doch siehe da: Was all die vorherigen Schuljahre ein Traum für mich gewesen wäre, entwickelte sich zur absoluten Horrorvorstellung.

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Franzi geht in die Q12 des Lessing Gymnasiums in Neu-Ulm. Auch dort wurden die Abiturprüfungen auf den 20. Mai verschoben.
Bild: Alexander Kaya

Am Freitag, den 13. März, die offizielle Verkündung: Kein Unterricht bis zum 20. April in ganz Bayern! Wann wir unsere eigentlich angestandenen Klausuren schreiben werden? Ungewiss! Ob unsere Abiturprüfungen verschoben werden? Ungewiss! Ob sich meine Pläne für den Sommer erfüllen können? Ungewiss! Die gesamte Situation wirkte auf mich surreal. Lehrer gaben uns ihre Handynummern und E-Mail-Adressen, die gesamte Klassenstufe Q12 ihre Kontaktdaten in eine Liste eintragen musste. Wer seine mündlichen Abiturfächer nicht noch mal ändern wollte, sollte bereits seine Wahl per Unterschrift bestätigen. Um sicher zu stellen, dass jeder Zugang zu den Lehrmaterialien hat, wurden Mebis-Zugänge zurückgesetzt und jeder bekam neue Zugangsdaten. Vor ein paar Tagen wurde nun bekannt, dass unsere Abiturprüfungen in den Mai verschoben werden. Deswegen werden wir die nächsten Wochen über die genannten Kommunikationsmittel mit den Lehrern in Verbindung bleiben und die Zeit nutzen, um von daheim aus zu lernen. Ich bin gespannt, wie sich diese Situation weiterentwickeln wird.

Abifahrt fällt vielleicht flach

Ich bin Jakob und gehe in die elfte Klasse des Simpert-Kraemer-Gymnasiums in Krumbach. Meine Mitschüler waren sehr erfreut über die Entscheidung, die meisten dachten, das Lernen zu Hause sei kaum Arbeit und sahen es als Ferien an. Ich fand es anfangs auch toll, jedoch schade, da ich viele Freunde nicht mehr oft sehe. In der Schule spielen wir sonst täglich gemeinsam Schafkopf.

Mich stört auch, dass die für Juli geplante Abifahrt nach Rom nicht sicher ist. Es könnte sein, dass ich einen Abschluss habe – ohne Abschlussfahrt. Vergangene Woche habe ich die ersten Arbeitsaufträge bekommen und ich tat mir schwer, mir selbst neue Themen zu erklären. Zum Beispiel die Novemberrevolution in Geschichte. Selbst, wenn ich im Internet Videos dazu ansehe, werden manche Themen noch nicht klarer. Dies liegt natürlich auch an dem anspruchsvollen Stoff der Fächer in der Oberstufe. Positiv ist die freie Zeiteinteilung, also dass ich selbst bestimmen kann, ob, wann und wie viel ich arbeite. Somit stehe ich oft sehr spät auf und schiebe mir Arbeit meist nach hinten, weil es mir nicht leicht fällt und ich auch manchmal keine Lust habe.

Viel Lernstoff und keine Lehrer

Nun, nach ein paar Tagen ohne Schule, vermisse ich es sehr, im Unterricht zu sitzen. Vor allem das Fragenstellen fehlt mir. Per E-Mail kann ich manchmal nicht ausdrücken, was ich nicht verstehe. Zweimal in der Woche werden Arbeitsaufträge von der Schule geschickt, die den ganzen Lernstoff betreffen. In manchen Fächern, wie zum Beispiel Wirtschaft und Recht, bekomme ich sogar an jedem zweiten Tag einen Arbeitsauftrag zur aktuellen Wirtschaftslage, welcher nicht immer leicht zu bearbeiten ist. Ich habe also jeden Tag alle Fächer, mit denen ich mich beschäftigen muss. Deshalb bin ich froh, wenn sich die Situation wieder beruhigt und ich endlich wieder in die Schule kann. Es ist auch wichtig, dass in den Fächern, in denen die Klausuren anstehen, Stunden vor der Klausur stattfinden. In diesen soll der Stoff nochmals wiederholt werden.

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