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Ulm

06.01.2017

Darts treffen den Nerv der Zeit

Darts liegt im Trend.
Bild: Sabrina Schatz

Die Weltmeisterschaft in London hat wieder Millionen vor die Fernseher gelockt. Wie es dem Sport in der Region geht, erzählt ein Mitglied vom 1. Dart Club Ulm/Donau.

Millionen Jugendliche und Erwachsene haben in den Tagen um den Jahreswechsel vor dem Fernseher gesessen. Nicht, um das Traumschiff oder Winnetou zu sehen. Sondern wegen der Darts-Weltmeisterschaft. Für alle, an denen das vorüber gegangen ist: Jedes Jahr nehmen Profis im Londoner Alexandra Palace, kurz Ally Pally, eine Zielscheibe unter Beschuss. Zuschauer schwenken Schilder und Bierkrüge, grölen, singen. Viele sind kostümiert, etwa als Weihnachtsmann oder Teletubbie. Kurz: Es herrscht Volksfeststimmung. Woher kommt die Begeisterung für einen Sport, den viele nur aus schummerigen Kneipen kennen? Wir haben Alexander Baptist vom 1. Dart Club Ulm/Donau gefragt. Er spielt seit 25 Jahren.

Viele halten Darts für ein Spiel. Was macht es zum Sport?

Alexander Baptist:Da gibt es viele Merkmale. Ein Spieler muss ehrgeizig trainieren, er misst sich mit anderen, will der Beste sein. Außerdem gibt es die Turniere auf mehreren Ebenen, vom vereinseigenen bis zum internationalen. Darts ist kein reiner Zeitvertreib.

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Was macht Ihnen Spaß daran, mit Pfeilen auf eine Scheibe zu spickern? Baptist:Mir gefällt, dass man sich konzentrieren muss und abschalten kann. Weil man sich mit anderen misst, kann man seinen Ehrgeiz ausspielen – und im besten Fall auch befriedigen. Auf Turnieren lernt man viele neue Leute kennen.

Welche Fähigkeiten muss ein guter Darts-Spieler mitbringen?

Baptist:Eigentlich kann das jeder lernen, das ist das Gute daran. Manche brauchen mehr, manche weniger lange, um gut zu spielen. Fünf Stunden sind mindestens nötig, um die Streuung der Pfeile zu vermindern – also, um überhaupt zu sehen, wo ein Pfeil landen sollte.

Wann hat es Darts aus Kneipen heraus in große Event-Hallen geschafft?

Baptist: In England war das in den 1990er Jahren, in Deutschland erst um die zehn Jahre später. Die ersten Vereine im süddeutschen Raum wurden aber schon Ende der 1980er gegründet. Im Zuge dessen wurden Ligen und Ranglisten aufgezogen, dann kamen die Dachverbände.

Wie hat sich der 1. Dart Club Ulm/Donau entwickelt?

Baptist: Uns gibt es schon eine ganze Weile. Vergangenes Jahr haben wir 30-jähriges Bestehen gefeiert. Angefangen hat alles in den Roxy-Hallen mit einem kleinen Turnier. Heute spielen unsere 55 Mitglieder in einem Kellerraum in der Gerbergasse. Das jüngste Mitglied ist zwölf Jahre alt. Die Mitgliederzahlen gehen weiter nach oben – wir mussten sogar einmal kurzzeitig einen Stopp einführen, weil wir nur sieben Boards zum Trainieren haben.

Wie trainiert man Darts? Baptist:Man sollte täglich eine halbe Stunde daheim üben. Außerdem gibt es verschiedene Trainingsspiele, zum Beispiel das „Round o’ clock über Double“. Das Ziel dabei ist es, im Kreis herum in den grünen äußeren Ring zu treffen. Manche üben auch Bewegungsläufe ein, indem sie mit Tischtennisbällen immer auf die gleiche Stelle an der Wand zielen. Am besten ist es, wenn sich Oberkörper und Oberarm nicht bewegen, da man den Wurf sonst verzieht. Alles sollte aus dem Unterarm kommen. Außerdem ist es wichtig, gegen jemanden anzutreten. Das ist etwas ganz anderes, als nur für sich zu spielen. Im Wettkampf machen die Nerven oft nicht mit und das war’s dann mit dem lockeren Schießen.

Wie populär ist die Sportart Ihrer Meinung nach in der Region?

Baptist: Darts wird allgemein immer populärer, die Aufmerksamkeit der Medien steigt und damit auch die der Leute. Vereine gibt es in der Region zum Beispiel in Balzheim, Ehingen, Blaubeuren, Langenau.

Am Montagabend fand das Finale der Darts-WM in London statt. Wie haben Sie die Wettkämpfe verfolgt?

Baptist: Die letzten Spiele habe ich zu Hause vor dem Fernseher geschaut. Davor haben wir uns manchmal in der Gruppe getroffen.

Woher kommt der Hype um den Hexenkessel „Ally Pally“?

Baptist:Unter anderem durch die gute Vermarktung des Senders Sport Eins, glaube ich.

Was ist mit der Volksfeststimmung – herrscht die bei jedem Darts-Turnier?

Baptist: Die Deutschen – vor allem die Schwaben – sind da ja generell eher zurückhaltend. (lacht) Das ist ein richtiges Kulturgefälle: Je näher man in Richtung England kommt, desto mehr sind die Zuschauer am feiern. Zum Beispiel in den Niederlanden, auch schon in Norddeutschland. Aber es kommt durchaus vor, dass jemand verkleidet auf unsere Turniere kommt.

Kommt die Weltmeisterschaft denn auch Ihrem Verein zugute?

Baptist: In den Wochen danach kommen sicher wieder ein paar Leute zu uns, die Darts ausprobieren wollen. Manche bleiben hängen.

Am Freitag steht Ihr traditionelles Dreikönigsturnier an. Wie läuft das ab?

Baptist: Es ist das größte Turnier, das wir veranstalten. 55 Herren und neun Damen treten einzeln an. Außerdem gibt es 26 Mixed-Double-Teams, mit jeweils einer Frau und einem Mann. Grundsätzlich kann sich jeder für das Turnier anmelden. Diesmal nimmt sogar ein ehemaliger Bundesligaspieler teil.

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