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Weißenhorn

26.04.2020

Darum weht eine weiße Fahne über Weißenhorn

Auf dem Kirchturm der Stadtpfarrkirche wurde eine weiße Fahne gehisst.
2 Bilder
Auf dem Kirchturm der Stadtpfarrkirche wurde eine weiße Fahne gehisst.
Bild: Ralph Manhalter

Plus An die letzten Monate des Krieges erinnert auch ein original Bombensplitter der Angriffe auf die Fuggerstadt, der nun im leeren Gotteshaus übergeben wurde.

Erwartungsvolle Blicke richtetetn die Besucher des Weißenhorner Wochenmarktes zum Turm der benachbarten Stadtpfarrkirche. Am Samstag Punkt 8 Uhr wurde eine weiße Fahne aus dem Fenster über dem Fresko des Hl. Christopherus gehängt. Zum Gedenken an das Kriegsende vor 75 Jahren und gleichzeitig als gegenwärtige Mahnung zur Mitmenschlichkeit.

Der Heimat- und Museumsverein zusammen mit dem Heimatmuseum Weißenhorn fordert die Stadtbewohner auf, dieser Aktion zu folgen und ebenfalls Flagge für Mitmenschlichkeit zu zeigen. So wurden dann am frühen Vormittag schon mehrere Fahnen, Tücher oder andere Stoffstücke an Kirchen, öffentlichen Gebäuden und Privathäuser gesichtet.

Im leeren Gotteshaus

Gerade in der derzeitigen Situation der eingeschränkten Sozialkontakte ist das als wertvoller Baustein gedacht, gemeinsam für ein empathisches Miteinander zu demonstrieren. Im Anschluss an das Hängen der Turmfahne fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit eine kleine Lesung in der Kirche statt. Museumsleiter Matthias Kunze zitierte aus der Chronik der Weißenhorner Mädchenfortbildungsschule die Einträge der letzten Kriegsmonate. Der Rahmen des leeren Gotteshauses verstärkten die an sich schon von Erschütterung und Furcht geprägten Erinnerungen der Tagebuchschilderungen: Eine nicht enden wollende Folge von Alarmen und Entwarnungen prägten den Tagesablauf in jenen unheilvollen Tagen. Es herrschte ein permanenter Alarmzustand, an Schulbetrieb war nicht mehr zu denken. Der Krieg bestimmte und dominierte den Tagesrhythmus.

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Ein Granatsplitter aus dem Zweiten Weltkrieg wurde übergeben. Er befindet sich bis heute im Besitz der Stadtpfarrei.
Bild: Ralph Manhalter

Bombensplitter aus den Angriffen vom 13. September 1944

Die Chronik spricht von „Hexensabbat“ und beklagt das sinnlose Vernichten von Werten, die nicht mehr ersetzt werden können. Zum Anschluss an den beklemmenden Einblick in die Alltagssituation der Stadtbewohner überreichten Stadtpfarrer Lothar Hartmann zusammen mit Kirchenpfleger Alfred Haas dem Heimatmuseum einen Bombensplitter aus den Angriffen vom 13. September 1944. Wie Hartmann in diesem Zusammenhang berichtete, gelobten einige Weißenhorner nach diesem Angriff eine jährliche Wallfahrt zur Wannenkapelle bei Meßhofen.

Die oft plakativ hervorgebrachte Wendung „nie wieder Krieg“ erfuhr in Anbetracht von Chronik und Granatsplitter eine anschauliche Wirkkraft.

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