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Das Gerücht ist eine hässliche Schlange

Kommentar Von Ronald Hinzpeter
05.01.2019

Mit der angeblichen Prügelattacke durch drei Flüchtlinge wurde auch ein politisches Süppchen gekocht.

Es gibt da diese erschreckende Zeichnung des deutschen Künstlers A. Paul Weber mit dem Titel „Das Gerücht“. Das Bild zeigt ein Monstrum mit Schlangenzunge, langer Nase und spitzen Ohren, das durch eine Häuserschlucht schwebt – und aus aberhundert Fenstern stürzen sich Menschen auf den Körper der Gestalt, verschmelzen mit ihm, machen dieses abstoßenden Ding immer größer.

Heutzutage sind die Häuserschluchten digital, das Monster ist auf irgendeiner Seite von Facebook, bei Twitter oder in einer WhatsApp-Gruppe losgelassen worden und wächst und wächst durch rasantes Teilen der Meldung. Bis sich früher Gerüchte von Mund zu Ohr verbreiteten, das dauerte. Doch heute wandern sie von Smartphone zu Smartphone und blasen sich fast im Sekundentakt auf.

Angreifer waren keine Flüchtlinge

Wie rasant so etwas gehen kann, hat gerade jetzt der Prügelvorfall in Babenhausen gezeigt. Angeblich wurde kurz vor Weihnachten ein junger Mann nachts von drei Flüchtlingen attackiert. In den sozialen Medien verbreitete sich die „Nachricht“ wie ein Lauffeuer – mit entsprechenden Kommentaren, hatte doch erst ein Asylbewerber im Raum Babenhausen mutmaßlich drei Frauen vergewaltigt. Allein: Die Attacke hatte sich so nicht abgespielt, es gab – anders als unlängst in Amberg – keine aggressiven Asylbewerber, die nachts Passanten verprügelten.

Der AfD geht es ums Angstschüren

Wie die Polizei diese Woche erklärte, sei immer noch unklar, wie das Gerücht in die Welt kam. Ihren Teil dazu beigetragen hat auf jeden Fall die AfD-Ortsgruppe, die das angeblich von einem Familienmitglied des Opfers gehört und eine Meldung auf ihrer Internetseite gepostet hatte. Das passte ja ins fremdenfeindliche Weltbild der Partei. Diese alarmierende Mitteilung wurde nur zu gerne geglaubt, weshalb sich eine Nachfrage bei der Polizei erübrigte. Kleinlaut musste dann der Ortsvorsitzende widerrufen. Aber damit war wieder mal ein Gerücht in der Welt, das die Einen gerne glauben woll(t)en und die anderen verunsichert. Darum geht es der Partei ja: ums Angstschüren.

Um dem nicht selten gelenkten Gerüchte-Wahnsinn des Digitalzeitalters zu begegnen, hilft nur gesundes Misstrauen, vor allem, wenn nicht klar ist, aus welcher Quelle eine Nachricht kommt. Wenn eine Partei wie die AfD so etwas verbreitet, ist ohnehin Vorsicht geboten.

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