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Ausstellung

21.04.2016

Das Universum in einer Bananenschale

Eine Banane für jeden Lebensbereich: Auch der Fifa-Skandal schlägt sich im Werk von Thomas Baumgärtel nieder.
Bild: Alexander Kaya

Der Kunstverein Ulm zeigt eine Retrospektive des Künstlers Thomas Baumgärtel. In dieser treffen Südfrüchte auf Popkultur – und ungewöhnlich verpackte Gesellschaftskritik

Die auf die Wand gesprayte Banane ist ein Gütesiegel: Seit 1986 würdigt der Künstler Thomas Baumgärtel mit ihr interessante Kunstorte. Seit 2001 gehört auch der Kunstverein Ulm zu den rund 4000 so ausgezeichneten Institutionen. Seit 30 Jahren ist also der „Bananensprayer“ in der Kunstwelt unterwegs. Grund genug für den Kunstverein, den Künstler mit einer Retrospektive zu würdigen: Unter dem Titel „Nichts ist so wie es scheint“ sind bis 19. Juni im Schuhhaussaal Arbeiten Baumgärtels aus den Jahren 1995 bis heute zu sehen.

So läppisch das Symbol der Banane auf den ersten Blick wirkt – spätestens seit Andy Warhols Cover für „The Velvet Underground & Nico“ (1967) ist es fester Bestandteil der Popkultur – so variantenreich verstand es Baumgärtel in den vergangenen Jahrzehnten mit ihm umzugehen. Ob ans Kreuz genagelt, zu einem Paragrafen-Zeichen verbogen oder als Statement gegen die Korruption bei der Fifa zum Fußball umgestaltet: Im Werk des 1960 geborenen Rheinländers passt praktisch das ganze Universum in eine Bananenschale. Der deutschen liebste Frucht wird so zum Vehikel für Gesellschaftskritik, Politik und kunsthistorische Reflexion.

Das Gros der beim Kunstverein gezeigten Arbeiten – alle stammen aus dem Besitz des Künstlers – gestaltete dieser in der Street-Art bekannten Schablonentechnik. Doch Baumgärtel nutzt diese nicht nur zur schnellen Vervielfältigung seiner Motive. So ist etwa der (natürlich gelbe) Akt „Tina in N.Y.“ aus unzähligen kleinen Bananen zusammengefügt, andere Großformate wie ein Porträt des Fernseh-Entertainers Harald Schmidt oder eine „Liegende Nymphe“ aus unzähligen Bananenstielen. Wenn man so will, ist das Baumgärtels gesprühte Variante des von den französischen Impressionisten geprägten Pointilismus – gleichzeitig aber auch eine Variation der Warhol’schen Siebdrucke von Stars und Idolen.

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Alles Banane also? Mitnichten. Denn der „Bananensprayer“, der manche seiner Arbeiten auch so signiert, kennt auch ein Werk jenseits von Südfrucht und Sprühfarbe: etwa seine großformatigen Acrylbilder, die sich dem Phänomen „Masse“ widmen. Ob er die Menschen in einem indischen Rechenzentrum oder, zu einem fast abstrakten Etwas verschmolzen, beim „Führergruß“ zeigt – Baumgärtel hegt ein gesundes Misstrauen gegen System und Kollektivierung. Seine Kunst ist ein humorvolles, gerne auch plakatives Plädoyer für die Freiheit des Denkens. So etwa die Arbeit „Liebe, Freiheit, Kunst“, eine mit Sprühlack bearbeitete Holzleiter, auf deren Sprossen die im Titel genannten und einige weitere Werte stehen. Die Sprosse „Religion“ ist gebrochen.

Parallel zur Ausstellung beim Kunstverein zeigen auch die Ulmer Bege-Galerien in der Galerie am Saumarkt bis 18. Juni die Ausstellung „Früchtebilder und Spraygramme“ mit neuen Editionen von Thomas Baumgärtel.

Vernissage im Schuhhaussaal ist morgen, Freitag, um 19 Uhr. Zur Einführung spricht Bettina Baumgärtel vom Museum Kunstpalast in Düsseldorf. In der Galerie am Saumarkt wird die dortige Ausstellung direkt im Anschluss um 20 Uhr eröffnet.

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