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13.02.2012

Das kantige Herz des Tangos

Frida Lippmann vom „Escolaso Guitarra Tango Trio“.
Bild: Foto: Florian Arnold

Vier Musiker im „Club Orange“

Ulm Der Tango, der wohl schönste und bedeutendste Beitrag Argentiniens zur Weltmusik, hat viele Schwestern, Brüder und Vettern. Die meisten Vertreter dieser weitverzweigten Familie stellten Sängerin Frida Lippmann und das „Escolaso Guitarra Tango Trio“ aus Argentinien im „Club Orange“ der vh Ulm vor. Nostalgie und Sehnsucht, tiefe Melancholie, Leidenschaft und Lebendigkeit verbindet diese Musik, die vor mehr als 100 Jahren an den Ufern des Rio de la Plata entstand. Zerbrochene Liebe, Eifersucht, verlorene Illusionen, Entwurzelung und Heimatlosigkeit – von all dem erzählte die Sängerin und das Gitarrentrio so vorzüglich, dass man vom ersten Ton an Jorge Luis Borges’ Worte im Sinne hatte: „Der Tango zaubert eine irreale Welt der Vergangenheit hervor, die irgendwie doch wirklich ist.“ Tango ist keine Kunstmusik, immer ist er an wahre Geschichten geknüpft, so auch die schön-traurige Ballade „Zu spät“ von Homero Manzi. Verliebt in eine Sängerin, die ihrerseits einen anderen Mann liebte, blieb dem Komponisten nur, sich der Tangoharmonien zu bedienen, um „zu weinen, ohne traurig zu sein“.

Lachende Lebenslust

Frida Lippmann singt diese Lieder, indem sie mit jeder gesungenen Silbe die ganze Skala von Lebensfreude und -leid auszuloten versucht. Das hat Seele und Ausdruck. Rhythmisch raffinierte Milongas setzen oftmals mit dem filigranen Saitenspiel des „Escolaso“-Gitarrentrios ein, doch „pfeift“ Lippmanns Einsatz den tänzerischen Einsatz zurück; erst wenn die Liedtexte die perfekte Balance aus „süßem Herzschmerz“ und alles heilender Lebenslust herstellen, dürfen die Gitarren die Aufforderung zum Tanz spielen. Das Geheimnis der Musik Südamerikas und damit auch des Tangos mit seinen Anverwandten Milonga, Valse und Recuentro: Sie stehen in der eher melancholischen Tonart Moll. Doch hüpfen die Melodien nie lange in dunkler Melancholie. Die Musik lacht vor Lebenslust. Diese Lebenslust vermittelt auch das „Escolaso Guitarra Tango Trio“ mustergültig. Die jungen Musiker fassen den Tango sehr ursprünglich auf. All die „Lounge“-Weichspülungen, die dieser Musikstil erdulden musste, sind vergessen, wenn die drei Musiker mit ihrem unaufgeregten Stil hoch virtuosen Tango vorstellen. Die bildmächtigen Texte, die Sängerin Lippmann liebevoll erläutert, runden das Musikerlebnis ab. „Als Kind wollte ich ein Drachen sein und hinaufsteigen zu den Wolken, (…) und mir weismachen, dass das Leben mehr ist als ein Teller Essen“ – nicht nur dieser „Sueno de Barriete“ (Drachentraum) garantierte wohlige Gänsehaut. Mit den vorzüglichen Musikern war man zu gerne bereit, zwischen kantigem Gitarrenrhythmus, melancholischen Balladen und fröhlichen Vagabundenliedern des Tangos „süßes Fest der einfachen Dinge“ zu zelebrieren.

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