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Ulm

08.11.2019

Das zentrale Kunstdepot ist eine Schatzkammer im Industriegebiet

Viel Platz: Die größten Räume im Depot werden vom Museum Ulm genutzt (Bild oben). Die meterhohen Regale können über Touchpads bewegt werden. Im ersten Stock sind schon einige Möbel eingezogen (Bild unten rechts). Bürgermeisterin Iris Mann und Christian Bried von der Projektentwicklungsgesellschaft sind froh, dass das Lager nun fertig ist.
Bild: Alexander Kaya

Seit einigen Wochen ist das neue Kunstdepot in Betrieb, die Regale füllen sich mit dem kulturellen Erbe der Stadt Ulm. Die Kommune lässt sich das 5000 Quadratmeter große Lager Millionen kosten.

Ein bisschen feierlich ist einem schon zumute, wenn man durch das geöffnete Rolltor eintritt. Von außen sieht man es dem nüchternen Zweckbau nicht an, aber dort, im Industriegebiet an der Blaubeurer Straße, wird künftig das kulturelle Erbe Ulms verwahrt. Deswegen ist es schon etwas Besonderes, einfach so in die Hallen marschieren zu können bei diesem Medientermin, bei dem sogar noch Blumensträuße verteilt und Sektgläser geleert werden. Zum 1. Oktober hat die Projektentwicklungsgesellschaft Ulm (PEG) den zukünftigen Nutzern des zentralen Kunstdepots die Schlüssel beziehungsweise Zugangschips übergeben, so dass nun die Schätze aus der Vergangenheit nach und nach in die dafür eigens eingerichteten Räume einziehen können.

Den Museen in Ulm fehlte es bislang als Lagerflächen

Darauf darf man durchaus anstoßen, denn die fünf künftigen Nutzer – Museum Ulm, Donauschwäbisches Zentralmuseum (DZM), Stadtbibliothek, Stadtarchiv und Stadthaus – haben lange auf Lagermöglichkeiten wie diese gewartet. „Das ist ein superfreudiger Tag für uns heute“, sagt stellvertretend Kulturbürgermeisterin Iris Mann. Bislang hätte es den Institutionen an Flächen für die Lagerung gefehlt, vieles, das gibt sie unumwunden zu, sei „nicht sachgerecht untergebracht“ gewesen. Dieses Problem sei nun gelöst. „Die Generationen nach uns sollen etwas von dem haben, was die Generationen vor uns gesammelt haben.“

Mehr als 5000 Quadratmetern stehen in dem früher von Kindersitzhersteller Britax Römer genutzten Gewerbebau zu Verfügung. Etwa ein Jahr lang wurde umgebaut, rund fünf Millionen Euro wurden investiert, ein Großteil davon in Klimatechnik, Sicherheit und Regalsysteme. Beraten wurde die Stadt bei der Einrichtung von der Schweizer Firma Prevart, die auf Kulturgütererhaltung spezialisiert ist. Rund 900000 Euro pro Jahr zahlt die Kommune nun für die Nutzung an die Eigentümer, der Mietvertrag läuft laut Christian Bried von der PEG zunächst 20 Jahre und kann danach zweimal um jeweils fünf Jahre verlängert werden. Die Stadt lässt sich die sichere Aufbewahrung ihrer Kunstschätze und Kulturgüter einiges kosten.

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60 Prozent der Fläche im Kunstdepot nutzt das Museum Ulm

Das Depot bietet mehr als 20 Räume für die verschiedenen Nutzer, in denen jeweils unterschiedlichen klimatische Voraussetzungen geschaffen werden können. Die Stadtbibliothek lagert dort etwa Sammelbände mit Zeitungen und Zeitschriften ein, das Archiv Akten aus der NS-Zeit, das DZM vor allem Volkskundliches. 60 Prozent der Fläche des Zentraldepots – darunter das komplette Obergeschoss – werden künftig vom Museum Ulm genutzt, das dadurch sämtliche Not- und Außendepots ausräumen kann. Die Platzprobleme in ihrem Haus seien dadurch komplett gelöst, sagt Direktorin Stefanie Dathe. „Es ist gut, dass man es gleich richtig gemacht hat.“ Stadtarchivleiter Michael Wettengel ergänzt, dass das Kunstdepot die am besten klimatisierten Räume der gesamten Region biete.

Diese sind momentan noch weitgehend leer, das Museum Ulm hat bisher lediglich ein paar Möbel aus der Sammlung angeliefert. Aus guten Grund, denn alle Objekte sollen laut Dathe erst untersucht werden, bevor sie ins Depot gebracht werden – um zu verhindern, dass Schädlinge als blinde Passagiere mitreisen. Im Lager gibt es dennoch einen Quarantäneraum, um einen Befall zu verhindern. Streng sind auch die Sicherheitsvorkehrungen. Nur solche Mitarbeiter der städtischen Einrichtungen, die tatsächlich mit den Sammlungsbeständen arbeiten, erhalten Zugang, zudem muss jeder Nutzer mehrere gesicherte Türen passieren, Kameras dienen der Überwachung. Polizei und Feuerwehr sind an das Alarmsystem angeschlossen – und aufgrund der räumlichen Nähe schnell am Depot. Letzteres war einer Hauptgründe, warum sich die Stadt für den Standort an der Blaubeurer Straße entschied. Der beste Schutz für die Schätze im Depot dürfte aber dessen Größe sein, meint Christian Bried von der PEG: „Die größte Schwierigkeit dürfte sein, das zu finden, was man sucht.“

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