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30.07.2010

Der Gast aus Nordamerika flüchtet auf den Baum

Klaus Staudenhechtl, Mitglied beim Gartenbauverein Illertissen, hat in seinem Garten einen Waschbär fotografiert.

Illertissen Da staunte Klaus Staudenhechtl nicht schlecht, als er sah, was sein Hund im Garten aufgeschreckt hatte: einen Waschbär. "Es war Mitte Juli, so gegen 17 Uhr. Unser Hund hat ihn auf den Baum gejagt", so Staudenhechtl. Dort sei der Waschbär circa eine Stunde geblieben und habe "gelangweilt nach unten geschaut". Erst als der Hund wieder im Haus gewesen sei, ist auch der Waschbär irgendwann verschwunden.

Michael Angerer, Naturschutzbeauftragter des Landkreis Neu-Ulm, wundert das nicht: "Es kommt immer mal wieder zu Begegnungen oder Sichtungen mit diesen Tieren." Das sei absolut nichts Ungewöhnliches. Die putzigen Tierchen hätten sich in unserer Gegend in den vergangenen Jahren ziemlich stark verbreitet. "Waschbären sind nachtaktiv und halten sich auf Bäumen auf", so Angerer. Darum hätten es viele Menschen noch gar nicht bemerkt, dass der Waschbär schon längst bei uns eingezogen sei.

Auch Helmut Baumhauer, stellvertretender Leiter des Forstbetriebs Weißenhorn, ist darüber informiert: "Sie sind bei uns mittlerweile auf der ganzen Fläche vorhanden." Er schätzt, dass mittlerweile circa zehn Waschbären im Landkreis ansässig sind.

Dabei sind diese Tiere bei uns gar nicht heimisch, sondern kommen ursprünglich aus Nordamerika. Michael Angerer sagt: "Waschbären wurden bei uns nur in Pelztierfarmen gehalten." Von dort seien einige Tiere entkommen. Ein paar wenige seien sogar von Förstern ausgesetzt worden. "Der Verbreitungsschwerpunkt war zunächst in Niedersachsen", so Angerer. Von dort seien die Tiere auch nach Süden gewandert, auch in die Wälder rund um Illertissen.

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Und dort vermehren sie sich sogar. Helmut Baumhauer vom Forstbetrieb bestätigt das: "Wenn man ihnen Lebensraum lässt, so besetzten sie ihn dauerhaft." Waschbären hätten bei uns keine natürlichen Feinde und kämen wunderbar mit dem Klima zurecht. "Außerdem sind Waschbären sogenannte Kulturfolger." Das heißt, die Tiere würden schnell bemerken, dass sie es sich in der Nähe von Menschen besonders gut gehen lassen könnten. "Sie durchwühlen Mülleimer und fressen auch schon mal das Hundefutter auf der Terrasse", so Baumhauer. Bei vielen sind die Waschbären darum nicht gerne gesehen. Auch den Förstern sind die Tiere mit den süßen Gesichtern oftmals ein Dorn im Auge. Weil sie sich ungehindert vermehren können, müsse man in den nächsten Jahren damit rechnen, dass die Populationsdichte nach oben ginge, erklärt Baumhauer weiter. Das könne aber das ökologische Gleichgewicht durcheinander bringen.

Denn der Waschbär plündere nicht nur gerne einmal ein Vogelnest, weshalb er auch Nesträuber genannt wird, sondern er hat noch eine andere negative Eigenschaft. Der Zugezogene vertreibt heimische Jäger aus ihren Revieren.

Um dem Ganzen ein wenig entgegenzuwirken und den Schaden der flauschigen Kerlchen zu minimieren, unterliegen die Tiere auch dem Jagdrecht. Das bedeutet, dass Jäger und Förster auf sie schießen dürfen.

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