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Ulm

17.09.2018

Der Ulmer Fernbus-Bahnhof soll schöner werden

Aus dem trostlosen Parkplatz im Nordosten der Stadt Ulm ist eine vernünftig beleuchtete Haltestelle geworden. Doch noch immer gibt es am Fernbusbahnhof in Böfingen Probleme. <b>Foto: Alexander Kaya</b>
Bild: Alexander Kaya

Die Stadt Ulm hat die Station umgebaut, doch die Kritik der Linienbetreiber am Standort bleibt. Auch am jetzigen Platz sind nicht alle Probleme behoben.

Aus dem düsteren Parkplatz im Ulmer Nordosten ist eine richtige Haltestelle geworden. Der Fernbusbahnhof wirkt viel freundlicher, seit die Stadt ihn im Sommer für viel Geld umgebaut hat. Kosten von 245000 Euro waren ursprünglich veranschlagt gewesen – nun dürfte der Umbau rund 100000 Euro teurer ausfallen als geplant. Doch noch immer fehlen Wartehallen, Sitzbänke und Mülleimer. Auch von den versprochenen Toilettenanlagen ist an der Haltestelle an der Eberhard-Finck-Straße in Böfingen nichts zu sehen. Lediglich zwei Dixie-Klos sind dort aufgebaut, die von der Stadt bezahlt werden.

Die Unterstände sollen noch im Spätherbst diesen Jahres kommen, verspricht Torsten Fisch. Der Verkehrsplaner ist bei der Stadt Ulm für den Fernbusbahnhof zuständig. „Da sind mehrere Hersteller gefragt, das macht es immer aufwendiger“, erklärt er. Und die Toiletten? Das Busunternehmen Deutsche Touring, das dort einen Fahrkartenschalter betreibt, hat sich bereits vor einem Jahr vertraglich verpflichtet, unverzüglich Toiletten-Container zu errichten. „Leider erfüllt die Deutsche Touring ihre vertraglichen Verpflichtungen nicht“, berichtet Fisch. Die Stadt stehe dauerhaft mit dem Unternehmen in Kontakt, das seine Buslinien unter dem Namen Eurolines betreibt. Nun will die Verwaltung die WC-Anlagen mit mehr Nachdruck einfordern. Wie, verrät Verkehrsplaner Fisch nicht. Man wolle Schritte nutzen, die der Pachtvertrag hergebe. Eine Anfrage unserer Redaktion ließ die Deutsche Touring unbeantwortet.

Unternehmer und Politiker schlagen Fernbus-Bahnhof beim Hauptbahnhof vor

Auch der Berliner Anbieter Flixbus fährt den Ulmer Fernbusbahnhof an. Ein Unternehmen, das Linien für Flixbus bedient, ist die Langenauer Firma Schröder Reisen. Seit 2013 sind die Langenauer unterwegs – erst für Meinfernbus.de, nach der Fusion im Jahr 2015 für Flixbus. Bis zu 35 Schröder-Busse am Tag fahren Ziele in Deutschland und Europa an. Inhaber und Geschäftsführer Andreas Schröder lobt die Umbauten am Haltepunkt. Doch er sagt auch: „Wir wissen von vielen unserer Fahrgäste, dass sie sich für die Zukunft wünschen, dass der Fernbus von einer zentral gelegenen und gut erreichbaren Haltestelle abfahren würde.“ Schröder hat wiederholt einen Umzug in die Nähe des Ulmer Hauptbahnhofs befürwortet: „Denkbar wäre auch, eine Integration in bestehende Infrastrukturprojekte, wie den Parkhausneubau an der Schillerstraße, zu prüfen“, meint er. Davon, so Schröder, würden Fahrgäste aus Ulm, Neu-Ulm und den umliegenden Orten ebenso profitieren wie anreisende Besucher. Durch die dezentrale Lage könne das große Potenzial für den Fernbusverkehr in Ulm nicht voll ausgeschöpft werden. Die Stadt biete derzeit nicht die optimalen Bedingungen für ein günstiges und ökologisches Verkehrsmittel.

Eine Viertelstunde brauchen Fahrgäste mit der Straßenbahn vom Hauptbahnhof zum Fernbushalt in Böfingen. In vielen Städten fahren die Fernbusse an deutlich zentraleren Orten ab. In Nürnberg beträgt die Entfernung zwischen Zug und Bus nur ein paar Gehminuten, in München eine S-Bahn-Station und in Stuttgart liegen die beiden Stationen direkt neben dem Flughafen und dem Hauptbahnhof. In Augsburg dagegen befindet sich der Fernbushalt an einem Park-&-Ride-Platz im Norden der Stadt – noch etwas abgelegener als in Ulm. In der Donaustadt haben Politiker immer wieder andere Standorte ins Gespräche gebracht, auch hier wünschen sich manche einen Platz in Bahnhofsnähe.

Ein externer Betreiber könnte die Anlage in Böfingen übernehmen

Doch wie stehen die Chancen, dass der Fernbushalt nach dem kostspieligen Umbau weiter in die Innenstadt zieht? „Die Diskussion führen wir seit einigen Jahren – und wir werden sie weiter führen“, sagt Verkehrsplaner Torsten Fisch. Er ist skeptisch, dass ein Umzug Vorteile bringt. Denn das bedeute noch mehr Verkehr in der stark belasteten Innenstadt und noch mehr Platz, der nicht anders verwendet werden kann – zum Beispiel für Wohnhäuser. Doch Fisch räumt auch ein: „Es kann immer einen noch besseren Standort geben.“ Beschwerden über den Platz an der Eberhard-Finck-Straße gehen auch bei der Stadt regelmäßig ein. „Es geht im Wesentlichen darum, dass es keine Unterstände und keine Toiletten gibt“, berichtet Fisch.

Dass die Stadt die Haltestelle bereithält und jetzt auch teuer saniert hat, ist eine freiwillige Leistung – der Halt wird schließlich von privatwirtschaftlichen Unternehmen genutzt. Doch die Stadt erkennt das öffentliche Interesse der Bürger an einer solchen Station. Doch am liebsten würde die Verwaltung die Aufgabe aus der Hand geben: An ein Unternehmen, das den Halt samt WC-Anlage, Kiosk und Fahrkartenschalter betreibt und dafür von den Busunternehmen Gebühren kassiert. „Das haben wir schon seit einiger Zeit vor, aber momentan sind wir personell nicht in der Lage“, schildert Fisch. Er ist nicht nur für die Fernbusstation zuständig, sondern auch für die neue Straßenbahnlinie 2.

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