Konzert

17.07.2017

Der große Abgesang

Dieses Bild ist nunmehr Geschichte: In Ulm gaben die Wise Guys während ihrer Abschiedstournee das vorletzte Konzert ihrer Karriere.
Bild: Annika Gonnermann

Nach 25 Jahren verabschiedet sich die A-cappella-Gruppe Wise Guys von ihren Ulmer Fans – und die zücken gleich von Anfang an ihre Taschentücher. Doch dann war das natürlich kein ganz trauriger Abend

Dass der Abend traurig werden würde, war wohl Fans wie Band gleichermaßen klar. Dass so früh die Taschentücher gezückt werden würden, war aber für die Wise Guy“, diese fünfköpfigen A-cappella-Band aus der Nähe von Köln, nicht abzusehen. Kaum waren die fünf Sänger auf der Bühne, hielten ein paar Fans Taschentücher parat – sicher ist sicher. Denn nach 25 Jahren, einem Musikpreis Echo, diversen Top-fünf-Platzierungen und 15 Alben, verabschieden sich die Wise Guys von der Bühne. In Ulm traten sie zum vorletzten Mal überhaupt in dieser Besetzung auf.

Dass sich die Wise Guys in ihrer Bühnenzeit eine treue Fangemeinde aufgebaut haben, wurde bereits beim zweiten Lied des Abends klar. Spätestens bei ihrer Gute-Laune-Nummer „Ruf doch mal an“ hielt es bereits die ersten Zuschauer nicht mehr auf ihren Sitzen. Und das sollte den ganzen Abend über so bleiben. Regelmäßig ließen sich die 1500 Zuschauer im ausverkauften Congresszentrum von den fünf Herren aus dem Rheinland zu Standing Ovations begeistern – egal ob von neueren Songs wie „Kleine Männer“ oder ihren großen Hits wie „Deutsche Bahn“ oder „Jetzt ist Sommer“, der sie 2001 in der ganzen Republik bekannt machte.

Dass die Wise Guys jetzt das Mikrofon an den Nagel hängen, hat vor allem mit persönlichen Entscheidungen der Bandmitglieder zu tun. Nachdem bereits die Gründungssänger Clemens Tewinkel und Ferenc Husta vor Jahren ausgetreten waren, verkündeten nun auch Eddi Hüneke und Marc „Sari“ Sahr ihren Abschied, um sich privat und beruflich neu zu orientieren. Unter dem Namen „Alte Bekannte“ wollen allerdings drei der jetzigen Wise Guys – Daniel „Dän“ Dickopf, Nils Olfert und Björn Sterzenbach – weitermachen. Falls eventuell Spannungen innerhalb der Gruppe ebenfalls Gründe für das Aus waren, so ließen es sich die fünf Vollblutmusiker bei ihrer Show im CCU nicht anmerken. Mithilfe ihrer langen Bühnenerfahrungen brachten sie ihr vorletztes Konzert souverän zu Ende, etwa wenn beispielsweise die Technik versagte und mitten im Lied die Mikrofone getauscht werden mussten. Auch zwischen den Stücken herrschte glaubwürdige Harmonie zwischen den Fünf – auch wenn sich der Neuzugang der Gruppe, Bass Björn, viele gutmütige Scherze aufgrund seiner Größe, seines Alters und seiner Herkunft aus Ostdeutschland anhören musste: „Wir dachten eigentlich, dass wir fünf Jahre Soli wieder zurückbekommen, wenn wir Björn in die Band aufnehmen.“

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Zwischen all den gekonnt platzierten Lachern und lustigen Liedern, die von albern bis tiefsinnig komisch rangieren, fanden allerdings auch ernstere Themen Gehör. Etwa wenn die Wise Guys vom Verlassenwerden in „Wie kann es sein“ oder von der Oberflächlichkeit der digitalen Medien in „Facebook“ sangen: „Bevor ich morgens schnell bei Facebook reinguck, hab ich keine Ahnung, wie’s mir geht. Bevor ich morgens schnell bei Facebook reinguck, weiß ich nicht, ob sich die Welt noch dreht.“ Kritisch gaben die sozial engagierten Musikern ihren Fans kurz vor Schluss außerdem noch mit auf den Weg, bei der Bundestagswahl nicht diejenigen zu wählen, die „Gräben aufreißen und Hass säen, denn das ist keine Alternative für Deutschland.“ Tosender Applaus im Saal.

Im letzten Lied des Abends konzentrierten sich die Wise Guys aber noch einmal auf sich und ihre Fans. „Doch das Allerwichtigste, wir reden nicht drumherum, das seid einfach ihr, ihr seid das beste Publikum“, sangen sie in ihrem eigens komponierten Abschiedslied „Wir werden euch vermissen.“ Und die Ulmer werden dies definitiv auch.

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