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Lesung

18.04.2016

Der orthodoxen Hölle entkommen

Deborah Feldmann in der Buchhandlung Jastram.
Bild: Literaturwoche Donau

Bestseller-Autorin Deborah Feldmann gibt im Rahmen der „Literaturwoche Donau“ eindrucksvolle Einblicke in ihr altes Leben

„Hätte ich jetzt Bücher, wäre alles in Ordnung“. Ein solcher und viele ähnliche Sätze finden sich in Deborah Feldmans Erfolgsroman „Unorthodox“. Wie viele erfolgreiche Bücher ist auch dieser Roman kein rein fiktionales Werk, sondern berichtet von der Kindheit, Jugend und dem Ausbruch aus einer ultraorthodoxen jüdischen Lebenswelt in Amerika. Die gut 300 Seiten lesen sich wie im Flug, so authentisch, lebendig und mit Witz berichtet Feldman von ihrem alten Leben, dem sie mit „Unorthodox“ ein letztes Denkmal setzt.

Zur „Literaturwoche Donau“ war Deborah Feldman mit ihrem Verleger Christian Ruziska angereist und berichtete in der proppenvollen Buchhandlung Jastram zwei Stunden lang von ihrem Leben, auf dem das Buch basiert.

Unvorstellbar der Kerker, dem sie entkam: Die „Satmarer“ sind eine Sekte, die nach den Gräueln des Holocaust ihr Heil in zunehmend radikaler Weise Gottergebenheit suchen. Gebet, Entsagung, Freudlosigkeit – erst wenn die Menschen sich jede Form von Freude versagen, ist Gott vielleicht bereit, sie nicht zu strafen. Kinder müssen durch „schelten, beschämen, anschreien“ erzogen werden; eine Zwangsheirat bestimmte das Leben der jungen Deborah Feldman. Die fragte sich bald: „Wie unglücklich müssen wir sein, damit Gott glücklich ist?“

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Eine besondere Kraft in dieser jungen Frau war schon früh wirksam und befähigte sie, ihr Umfeld mit Distanziertheit zu reflektieren. Und sie kam zu dem Schluss: „Dieser Glaube ist nicht in meiner DNA.“ Sie begehrt auf, zunächst im Stillen: Heimlich studiert sie. Dann bekommt sie ein Kind. Und damit wird aus der stillen Rebellion schließlich eine offene: Feldman will aussteigen.

Der einzige Weg, diesen Ausstieg zu bewerkstelligen, ist die Öffentlichkeit. Sie schreibt einen Blog, sie geht in Talkshows – und nur ihre Drohung, noch mehr aus dem Satmarer-Leben zu erzählen, gewährt ihr die Möglichkeit, zu gehen. Sie erkämpft gegen alle Wahrscheinlichkeiten das Sorgerecht für ihren Sohn und flieht endlich – nach Berlin, wo sie jetzt lebt. Dort lernte sie ihren Verleger Christian Ruziska vom Secession Verlag kennen. Wenn man die junge Autorin live erlebt, kann man kaum fassen, wie heiter und optimistisch sie nach allem Durchlittenen ist.

Im angeregten Gespräch mit dem Publikum wurde deutlich: Feldman ist durchdrungen vom Humanismus und der Idee der Selbstbestimmtheit. Darum wird es auch in ihrem nächsten Buch gehen, das als „Exodus“ zwar in den USA schon erschienen ist, in einer erweiterten Fassung aber bei „Secession“ 2017 erscheinen soll. (az)

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