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19.09.2019

Die CSU-Fraktionschefin fordert den Bürgermeister heraus

Vor sechs Jahren hat Claudia Schäfer-Rudolf den amtierenden Bürgermeister Raphael Bögge noch im Wahlkampf unterstützt. Jetzt tritt sie gegen den inzwischen parteilosen Rathauschef an.
Bild: Jörg Portius Photography

Plus Claudia Schäfer-Rudolf will für die Partei kandidieren, der Raphael Bögge einst selbst angehörte. Sie sagt: "Es kann in Senden so nicht weitergehen."

Claudia Schäfer-Rudolf ist eine echte Sendenerin. Für sie ist die Illerstadt nicht nur ein Wohnort, sondern ihre Heimat, die ihr am Herzen liegt. Deswegen hat sie sich auch entschieden, als Bürgermeisterkandidatin für die CSU ins Rennen zu gehen. Denn: „Es kann in Senden so nicht weitergehen, der Kurs stimmt nicht“, sagt die 49-Jährige, die seit 2008 im Stadtrat sitzt und seit 2014 Fraktionschefin der CSU ist.

Auf die Frage, warum Schäfer-Rudolf den amtierenden Bürgermeister Raphael Bögge vor sechs Jahren im Wahlkampf noch unterstützte und jetzt gegen ihn antreten will, sagt die 49-Jährige schlicht: „Ich habe ihn kennengelernt.“ So wie jeder im Stadtrat seine Erfahrungen mit Bögge gemacht habe. Bereits Anfang des Jahres war klar, dass keine der im Stadtrat vertretenen Parteien und Gruppierungen Bögge noch einmal im Amt sehen will. Kurz darauf ist Bögge wie berichtet aus der CSU ausgetreten und hat verkündet, auf eigene Faust noch einmal anzutreten. Mittlerweile hat er seine eigene Wählergruppierung gegründet.

Die Redakteurin gibt ihren Job auf

Schäfer-Rudolf sagt, sie habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Die Redakteurin, die nach ihrem Abitur am Illertal-Gymnasium Vöhringen bei der Augsburger Allgemeinen ihr Volontariat gemacht und zwei Jahre bei der Neu-Ulmer Zeitung gearbeitet hat, ist seit mittlerweile 21 Jahren freiberuflich für die Südwest Presse tätig. Dort hat sie nun gekündigt. Der Abschied vom geliebten Job sei ihr schwer gefallen, erzählt sie. Aber sie habe die Entscheidung schnell und bewusst getroffen. „Ich meine es ernst.“ Denn wenn sie nicht Bürgermeisterin wird, könne sie nicht mehr einfach in ihren Job zurück.

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Doch gerade ihr Beruf biete Chancen, sagt sie. Als Journalistin müsse man stets Neues lernen und Dinge neu bewerten – eine Parallele zum Bürgermeisteramt, wie sie findet. Möglichen Kritikern, die ihr fehlende Erfahrung in der Verwaltung vorwerfen, gibt sie recht. Doch ein Bürgermeister müsse kein Verwaltungsfachmann sein, findet Schäfer-Rudolf. Es brauche vielmehr einen gesunden Menschenverstand, Kommunikationsfähigkeit und den Willen, „die Klammer zwischen Verwaltung und Bürgern zu sein – eine Art Kümmerer, der den Leuten die Vorgänge erklärt“. In der Verwaltung müsse ein Chef Leute mit Erfahrung an den richtigen Platz setzen, die dann ihre Arbeit gut machen können. Unter Bögges Führung kranke die Verwaltung, was man an der hohen Fluktuation der Mitarbeiter sehe. sagt sie. Das wirke sich auf die Bürger aus, denn das Rathaus sei in vielen Bereichen des Alltags eine wichtige Anlaufstelle. „Darum muss man sich als Bürgermeister kümmern. Wenn es dort hakt, fehlt das Fundament.“

Die 49-Jährige findet, dass „der Politik auch der Blick von außen nicht schadet“. Sie habe diesen als Journalistin über Jahre gehabt, kenne jedoch auch die innere Sicht als Stadträtin. Als Beispiel nennt sie den Illertisser Rathauschef Jürgen Eisen, der Ingenieur ist, und zieht folgendes Fazit für sich: „Man kann alles lernen, wenn man will – und ich bin bereit, sehr viel zu lernen.“

Sie hat schon bei vielen Festen in Senden mitgeholfen

Schon als Kind war sie mit ihren Eltern in verschiedenen Vereinen aktiv und half bei Bedarf mit. „Bei uns daheim hieß es immer ’Man wohnt nicht bloß hier, man macht was’“, erzählt die CSU-Fraktionschefin. Beim damaligen Seefest des Bürgervereins habe sie sich hochgearbeitet: „Vom Semmel-Aufschneiden zur Chefin des Würstle-Stands“, sagt sie und lacht. Die Fest-Wochenenden seien toll gewesen. Auch wegen des Gefühls, etwas gemeinsam zu tun – als Familie, als Verein, als Stadt. So aufgewachsen, kann und will Schäfer-Rudolf auch heute gar nicht anders. Seit sie 16 Jahre alt ist, ist sie Mitglied im Bürgerverein. Sie ist verheiratet und hat drei Söhne im Alter von 19, 21 und 23 Jahren. Die Familie finde es gut, dass sie kandidiere. „Sie sehen, wie viel Zeit ich jetzt schon in die Arbeit im Stadtrat stecke“, sagt Schäfer-Rudolf und lacht. Sie sei durchaus stolz, stets ihr eigenes Geld verdient zu haben – dennoch stehe an erster Stelle immer ihre Familie. „Man muss alles richtig machen, egal in welchem Bereich.“

Die 49-Jährige engagierte sich in der Kindheit und Jugend ihrer Söhne im Kindergarten und im Elternbeirat, ist im IGV-Förderkreis aktiv und rief die Aktion Leselust ins Leben. In die Politik kam sie über ihr Engagement in der Schule. Das Thema Bildung ist ihr deswegen immer noch sehr wichtig. Zudem nennt sie Verkehr, Finanzen und Wohnen sowie das Großprojekt Bahnhofsumbau. Schäfer-Rudolf bezeichnet sich selbst als kommunikativ und hartnäckig in dem Versuch, Lösungen für Probleme zu finden – auch wenn dies mal länger dauere. Zwischen den Fraktionen im Stadtrat funktioniere das derzeit sehr gut, es sei eine Zusammenarbeit ohne Parteigrenzen, „so muss es in der Lokalpolitik auch sein.“

Mehr zur Kommunalwahl 2020 in Senden lesen Sie hier:

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