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Jubiläum

30.03.2020

Die Keimzelle der Idee lag in der Hirschstraße

Die Arbeiterhäuser der Gutenbergstraße in der Ulmer Oststadt entstanden im 19. Jahrhundert als Sozialsiedlung.
Bild: Dagmar Hub

Der Mieterverein Ulm/Neu-Ulm wurde 1920 gegründet und hat nun mehr als 5000 Mitglieder in der Region

Der Mieterverein Ulm/ Neu-Ulm feiert sein hundertjähriges Bestehen. Die Interessenvertretung, der seit 28 Jahren der Ulmer SPD-Politiker Martin Rivoir vorsteht, wurde am 13. April 1920 gegründet. Ingo Bergmann, früherer Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Ulm, recherchierte für ein Buch „100 Jahre Mieterverein Ulm/Neu-Ulm“ die Geschichte des Mietervereins, der aus einer Initiative des jüdischen Ulmer Rechtsanwalts Ernst Moos hervorging. Dominierendes Thema damals, so Lukas Siebenkotten, Präsident des Deutschen Mieterbundes, im Vorwort: die Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg.

Wohnen zur Miete ist eine uralte Erfindung. Schon in der Antike lebten nicht alle Menschen in von ihnen besessenen Wohnungen oder Häusern. Im Mittelalter war es vor allem die Kirche, die als Vermieter auftrat. In Ulm ist der Bau erster Sozialwohnungen untrennbar mit den Grabenhäuschen verbunden, so wie frühe Sozialwohnungen in Augsburg mit dem Namen Jakob Fuggers verbunden sind. 1894 reagierte die Ulmer Stadtverwaltung dann auf die Wohnungsnot, die entstand, als durch die Industrialisierung mehr und mehr Menschen in der Stadt leben wollten: Arbeiterwohnungen entstanden in der Oststadt beispielsweise in der Gutenbergstraße.

Die erste belegbare Versammlung in Ulm, in der es um die Gründung eines Mietervereins ging, fand am 9. März 1920 im Gasthaus Baumstark statt, das an der Ulmer Hirschstraße stand. Selbstbewusst wurden Versammlungen und Kundgebungen organisiert, und Ernst Moos warb, der künftige Verein solle sich zu einer „kraftvollen Organisation gegenüber den Haus- und Grundbesitzern“ entwickeln. Moos und der ihn unterstützende Friedrich Witzigmann erhielten rasch viel Zulauf, dass die Gründungsveranstaltung dann am 13. April 1920 in der Brauereigaststätte „Goldener Hecht“ in der Olgastraße stattfinden konnte. Sofort umfasst der Verein 361 Mitglieder, Ernst Moos wurde zum ersten Vorsitzenden des Vereins gewählt, Friedrich Witzigmann zu seinem Stellvertreter. Im Ausschuss saßen bereits vor hundert Jahren zwei Frauen – Pauline Steigele und Babette Klingenmaier. Wie es in den alten Dokumenten heißt, schloss Friedrich Witzigmann die Gründungsversammlung um 22 Uhr mit „kernigen Worten“. Zu seinen Aufgaben machte sich der Verein unter anderem die gebührenfreie Auskunft und Beratung von Mitgliedern und die Vermittlung von Rechtshilfe. Die Geschäftsstelle des Vereins lag bald darauf in den Räumen der Kanzlei von Ernst Moos.

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Im April 1933 legte Moos sein Amt nieder. Ob er dazu genötigt wurde oder es freiwillig tat, konnte Ingo Bergmann nicht eruieren. Ab Januar 1934 konnte nur noch Mitglied sein, wer arischer Abstammung und von „zuverlässiger“ Gesinnung war.

Neubeginn und Nachkriegszeit beschreibt der Band in Text, in vielen Bildern und Zeitungsartikeln.

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