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Neu-Ulm

24.06.2017

Die „Putte“ ist bereit zum Abheben

Endlich: Das Zelt schwebt. „Putte“-Kuratorin Janina Schmid (rechts) und Vereinsvorsitzender Frederik Kochbeck mit einer Arbeit von Malte Bartsch.
Bild: Alexander Kaya

Ein schwebendes Zelt von Malte Bartsch gibt einen Vorgeschmack auf kommende Projekte in dem Ausstellungsraum am Augsburger Tor. Bis die kommen, dauert es aber noch

Solche Probleme hatten Bildhauer früher nicht. „Es fliegt nicht“, ärgert sich der Künstler Malte Bartsch über seine Arbeit „Zelt“. Die ist genau das, wie es heißt: ein ganz normales Camping-Zelt, allerdings auf den Kopf gestellt und gefüllt mit Helium, sodass es nach oben schwebt. Oder eher: schweben sollte. Nur in der „Putte“, dem neuen Ausstellungsraum in der Neu-Ulmer Brückenstraße, nur wenige Meter vom Augsburger-Tor-Platz entfernt, will es einfach nicht abheben. Ist es zu schwer? Oder ist es die Hitze in dem Raum, die das Zelt am Boden hält? Ein paar Minuten später schwebt es dann doch, vielleicht nicht ganz so hoch wie gedacht. Und mit ihm beginnt auch der Jungfernflug der „Putte“.

Der Projektraum für aktuelle Kunst, um dessen Betrieb sich ein eigens gegründeter Verein kümmert, ist der einzige kommunal betriebene „Offspace“ in weitem Umkreis. Darunter versteht man Ausstellungsplätze für (zumeist junge und noch nicht etablierte) Kunst abseits der gängigen Institutionen wie Museen, häufig als Zwischennutzung in leer stehenden Gebäuden. Der Anstoß für die „Putte“, die ihren Namen von einem auffälligen Engel über dem Eingang hat, kam von den Machern der ebenfalls ehrenamtlichen Ulmer Griesbadgalerie, die mit dem „Café Beirut“ im vergangenen Jahr ein sehr erfolgreiches temporäres Ausstellungsprojekt organisierten. Kuratorin der „Putte“ ist für zunächst zwei Jahre die aus Wiblingen stammende Künstlerin Janina Schmid, 34, derzeit zusammen mit ihrem Mann Frederik Kochbeck, 38, Stipendiatin der Ulmer Kunststiftung Pro Arte. Kochbeck fungiert als Vorsitzender des Vereins.

Der Schwerpunkt der „Putte“ soll auf Bildhauerei liegen – schließlich war Neu-Ulms größter Sohn, Edwin Scharff (1887-1955), selbst ein bedeutender Vertreter dieser Zunft. Mit dessen Bronzeplastiken und Steinskulpturen hat die Arbeit von Künstlern wie Malte Bartsch auf den ersten Blick wenig zu tun. Da ist er trotzdem, wie der gebürtige Braunschweiger erklärt: „Der Zugang geht oft über die Materialien.“ Heute freilich, so ergänzt er, sei auch die Idee ein Material. Bartsch, der in Berlin bei Manfred Pernice und Olafur Eliasson studierte, sieht seine Arbeiten als Experimente. Manchmal physikalisch, wie beim heliumgefüllten Zelt, immer sozial. Ihm gehe es um die Frage: „Wie wollen wir leben?“. Dafür kann auch das „abgehobene“ Zelt Denkanstöße liefern.

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Es ist aber nur ein Vorgeschmack. Denn Bartsch wird das Wochenende nutzen, um die Umgebung des Kunstraums zu erkunden. Denn er wird voraussichtlich Ende des Jahres zurückkehren, für eine komplette Ausstellung in der „Putte“ – und einen künstlerischen Eingriff im öffentlichen Raum. Die Ideen dafür sucht er vor Ort in Neu-Ulm. Bartschs Strategie: „Einfach drauf losgehen. Es ist wichtig, ins Gespräch zu kommen, vielleicht auch mal eine Pizza mit den Leuten zu essen.“ Bevor Bartsch die künstlerischen Ergebnisse seiner Recherchen präsentiert, zeigt aber der 1982 geborene Heiko Wommelsdorf die erste reguläre Ausstellung in der „Putte“. Die Eröffnung ist für den Spätsommer geplant.

Bis dahin herrscht aber keineswegs Stillstand in dem Offspace, wie Kuratorin Schmid betont: „Wir müssen vieles organisieren, renovieren, uns eine Struktur geben und richtig mit der Planung anfangen.“ Der Jungfernflug ist geglückt: Bei der Vorab-Vernissage mit Malte Bartsch gab es viele gute Gespräche – über Kunst, aber nicht nur.

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