1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Die Queenz of Piano amüsieren königlich im Ulmer Zelt

Ulm

12.06.2019

Die Queenz of Piano amüsieren königlich im Ulmer Zelt

Die Queenz of Piano – Jennifer Rüth (links) und Ming – nutzen auch ungewöhnliche Instrumente. Zum Beispiel einen Milchaufschäumer.
Bild: Stefan Kümmritz

Die beiden Musikkomödiantinnen bringen vor vollem Haus in Ulm Klassik und Pop spielerisch zusammen. Bei Mozart kürzen sie rigoros.

Wenn zwei gestandene Frauen hinreißend Piano spielen, den Besuchern witzigen Aufklärungsunterricht in Sachen E- und U-Musik erteilen, gelegentlich an ihren Flügeln herumturnen: Dann amüsieren sich auf der Bühne die Queenz of Piano – und dazu auch ihr Publikum. Jennifer Rüth, die unter anderem mit Chris de Burgh und Ronan Keating spielte und auch im Jazz zu Hause ist, sowie Ming, Deutsche mit südkoreanischen Wurzeln, die unter anderem mit Jocelyn B. Smith, Seeed und Adoro auf Tour war, zeigen dem Publikum im ausverkauften Ulmer Zelt eindrucksvoll, wie spielerisch die Verbindung zwischen ernster und unterhaltender Musik, zwischen Klassik und Pop bis Rock sein kann.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Bei den Queenz of Piano wirkt mancher Gag etwas konstruiert

Einziges kleines Manko: Alles wirkt sehr einstudiert, für Spontanes bleibt wenig Raum und mancher Gag wirkt etwas konstruiert. Zum Beispiel, als die beiden Frauen bei der heiteren Erklärung, warum dort mit sieben und anderswo mit fünf Tönen gespielt wird, urplötzlich politisch werden. „Heute gibt es Menschen“, so Jennifer Rüth, „die glauben, man könne nur noch mit drei Tönen spielen: a, f und d.“ Das Publikum versteht den Gag.

Lesen Sie auch: „Evita“ in Ulm: Die Legende der heiligen Heuchlerin

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Aber Rüth und Ming können prächtig unterhalten – mit ihrer Virtuosität an den beiden sich gegenüberstehenden, angelehnten Flügeln, mit ihrem Gesang und gelegentlich aus Konstruktionsfehlern entstandenen Instrumenten. „Verspielt“ heißt ihr Programm, das als Musik-Comedy angepriesen wird. Dabei verspielen sich Rüth und Ming nie, aber was sie bieten, ist oft verspielt. Irrwitzig, wie sie ein Instrument vorstellen, auf dem man spielen kann, ohne es zu berühren. Das sogenannte Theremin verfügt zwei Antennen, die auf Bewegung des Musikers reagieren. Jenny Rüth führt es vor und lässt das Publikum wissen: „André Rieu könnte das Instrument wohl nur mit seinem Augenaufschlag spielen.“

Jennifer Rüth und Ming zeigen am Flügel ihr ganzes Können

Am Flügel zeigt das Duo sein ganzes Können. Mal sanft, mal wild greifen die beiden in die Tasten, sie trommeln auf den Deckel, sie zupften die Saiten oder lassen sie klingeln. Dann spielen sie im Stehen, auch in Rückenlage, und immer wieder wechseln sie die Seiten, sprich die Flügel. Sie sitzen sich gegenüber, schauen sich beim Spiel aber kaum an. Zu vertieft sind sie. Dabei geben sie exzellent Stimmungen wieder, nicht nur die fröhlichen. „Die deutschen Komponisten haben mit Melancholie und Depression keine Probleme“, befindet Ming und spielt in sich versunken eine traurige Melodie. Dabei sinkt ihr Kopf immer tiefer, die Musik wird immer schwermütiger. Rüth zeigt dann das Gegenteil. Ihr Headbanging, erklärt sie, habe sie sich „in Wacken abgeschaut“.

Ebenfalls interessant für Sie: Schon wieder eine Absage im Ulmer Zelt

Höhepunkte im Programm sind die Interpretation der Beethoven-Hymne „Freude schöner Götterfunken“, mal jazzig und mal rockig, ihre Bluesnummern, bei denen die „Ulmer Backentrompete“ zum Einsatz kommt, und nach der Pause, in der die „Queenz“ ihr Outfit ändern hatten, vor allem ihre Bearbeitung von Wolfgang Amadeus Mozarts „Türkischen Marschs“. Sie zeigen, wie man ihn durch das „Streichen überflüssiger Stellen“, durch das „Weglassen von Halbtönen“, den „Verzicht auf Pausen“ und Erhöhen des Tempos noch peppiger machen kann. Was bleibt sind wilde zwei Sekunden.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren