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22.01.2020

Die Regio-S-Bahn fährt schon ab Dezember

Ein Regionalzug auf der Durchfahrt im Bahnhof Gerlenhofen.
Bild: Alexander Kaya (Symbolfoto)

Plus Das Gutachten liegt vor: 330 Millionen Euro soll der Ausbau der Illertalbahn Ulm – Kempten kosten. Der Freistaat Bayern macht zudem eine wichtige Zusage.

Die Regio-S-Bahn Donau-Iller kommt. Schon ab Dezember 2020 sollen die Regionalzüge auf der Illertalbahn von Ulm nach Kempten diesen Namen tragen, kündigt das bayerische Verkehrsministerium an. „Es ist jetzt erst einmal ein Name mit einem Grundangebot, der Halbstundentakt ist unser Ziel“, sagt Landrat Torsten Freudenberger, der auch Vorsitzender der Interessengemeinschaft (IG) Illertalbahn ist. Er spricht von einem „Tag reiner Freude“ – denn Bayerns scheidender Verkehrsminister Hans Reichhart hat bei einer Sitzung der IG am Mittwoch in Vöhringen ein Gutachten zum Ausbau der Strecke vorgelegt. Diese gehört zu den am meisten befahrenen Bahnlinien Bayerns, mit Passagierzahlen die sich zwischen 2003 und 2017 mehr als verdoppelt haben.

Für rund 330 Millionen Euro soll die Illertalbahn ausgebaut werden. Die Staatsregierung hat zudem ein Versprechen gegeben, berichtet Freudenberger: Der Freistaat will das Fördergeld, das aus Berlin für das Projekt fließt, vorstrecken. Die Verantwortlichen aus der Region erhoffen sich, dass der Ausbau dadurch schneller umgesetzt werden kann. Anvisiert sind zehn Jahre – Verzögerungen könne man bei einem Projekt dieser Größe aber nie ausschließen, sagt Freudenberger. Er sehe aber keinen Grund zur Skepsis, denn man habe ein großes Ziel erreicht: „Nach jahrelangem, teils jahrzehntelangem Drängen haben wir einen Durchbruch geschafft“, betont er.

Wichtiger Schritt für die Regio-S-Bahn Donau-Iller

Nächster Schritt ist eine Nutzen-Kosten-Analyse, die der Verein Regio-S-Bahn Donau-Iller noch im ersten Halbjahr in Auftrag geben will. Zeigt sich, dass der Nutzen höher ist als der Kosten, kann gebaut werden. Die Befürworter des Projekts sind davon überzeugt. Und Thorsten Freudenberger kündigt an: „Wir werden nicht bereit sein, qualitative Abstriche zu machen.“

Die Regio-S-Bahn fährt schon ab Dezember

Details aus dem Gutachten, das die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) im Auftrag des Verkehrsministeriums erarbeitet hat, waren schon vorab bekannt geworden: Die Abschnitte zwischen Senden und Gerlenhofen sowie zwischen Kellmünz und Pleß im Unterallgäu werden zweigleisig ausgebaut (wir berichteten). Dort sollen sich Züge aus beiden Richtungen begegnen. Dieser Ausbau ist aber erst der dritte Schritt eines dreistufigen Plans. In Kombination mit neuer Stellwerkstechnik, die beim Umbau des Sendener Bahnhofs installiert wird, und einer Elektrifizierung auf der gesamten Strecke sowie auf der Stichstrecke nach Weißenhorn, sollen die beiden Abschnitte den Halbstundentakt möglich machen.

Sitzung der IG Illertalbahn in Vöhringen

Bevor die Illertalbahn elektrifiziert wird, kommen Ende 2020 neue Dieseltriebwagen. Diese Entscheidung war bereits früher gefallen – und sie bringt erste Vorteile. Die neuen Bahnen sind nicht nur barrierefreier, sondern auch schneller. Dadurch können die Züge bis auf wenige Ausnehmen stündlich in Gerlenhofen halten, wo es bisher nur vereinzelte Halte gibt. Ab Dezember soll die Linie dann auch unter dem Namen Regio-S-Bahn firmieren. Das liege daran, dass alle Züge in Bayern neu nummeriert werden, erläutert Oliver Dümmler, Geschäftsführer des Vereins Regio-S-Bahn Donau-Iller. Der Freistaat wolle wohl eine weitere Umbenennung in wenigen Jahren vermeiden – die Regio-S-Bahn soll ihren Betrieb im Jahr 2030 aufnehmen. Ob die Züge auf der Illertalbahn schon heuer mit dem Schriftzug „Regio-S-Bahn“ versehen werden, stehe noch nicht fest, so Dümmler.

Was für den Geschäftsführer dagegen klar ist: „Was wir uns vorgestellt haben, ist bis auf Nuancen erfüllt worden.“ Der Bundestagsabgeordnete Georg Nüßlein und die Landtagsabgeordnete Beate Merk bezeichnen die Entscheidung für den Ausbau als den richtigen Weg, das Konzept sei „ein vorbildliches Muster, wie Mobilität wohnortnah in den ländlichen Raum gebracht werden kann und wie Klimaschutz im Alltag umgesetzt werden kann.“

Neue Bahnhöfe bei Memmingen und in Senden

Unklar ist nach Dümmlers Ansicht allenfalls, ob ein etwas größerer Ausbau mehr Stabilität beim Fahrplan hätte bringen können. „Aber das sind nur Mutmaßungen“, schränkt er ein. Im Gegenzug sei das auch so sehr teure Projekt einfacher zu finanzieren – denn auch anliegende Landkreise und Städte müssen einen Teil der Kosten tragen.

Nach der Einführung der neuen Dieseltriebwagen als erster Stufe soll laut Plan bereits in diesem Jahr der zweite große Schritt beginnen: Für 23 Millionen Euro wird der Bahnhof Senden ausgebaut; er soll barrierefrei werden und einen besseren Bahnbetrieb ermöglichen. Ab Mitte der 2020er Jahre sollen rund um Memmingen sechs neue Bahnhalte ans Netz gehen. Auch dafür sollen die Planungen nach Angaben von Verkehrsminister Reichhart teils schon in diesem Jahr beginnen.

Zur dritten Ausbaustufe gehören die Doppelspurabschnitte, die Elektrifizierung und zwei weitere Umbauten: Der Bahnhof Gerlenhofen: wird weiter in die Ortsmitte verlegt, der Bahnhof Vöhringen erhält eine neue Signaltechnik. Bislang dürfen dort aus Sicherheitsgründen keine zwei Züge gleichzeitig einfahren, die Technik stammt noch aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Auch ein weiterer Bahnhof könnte neu gebaut werden: In die Analyse fließt die Frage ein, ob eine neue Station in Senden-Nord wirtschaftlich ist.

Bayern, sagt Dümmler, sei für das große Projekt Regio-S-Bahn Donau-Iller jetzt mit viel Dampf vorangegangen. Auf der baden-württembergischen Seite sei noch viel zu tun. „Wir dürfen jetzt nicht in eine Schieflage geraten“, warnt er.

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