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Ulm

10.07.2019

Die ganze Kraft einer Kultur beim "Romno Power Festival"

Peter Langer (rechts) und sein Team – (von links) Tom Schmitt, Yvonne Huppert und Miroslav Tancik sind nur drei – wollen Ulm mit dem „Romno Power Festival“ für die Kultur der Sinti und Roma begeistern.
Bild: Alexander Kaya

Das „Romno Power Festival“ bringt im September Musik, Literatur und Kino über und von Sinti und Roma nach Ulm. Stars des Programms sind prominente Musiker.

Peter Langer ist seit einiger Zeit selbst Mitglied im Verband Deutscher Sinti & Roma – nicht weil er selbst ein Mitglied der Minderheit wäre, sondern weil er sich in der Vergangenheit, unter anderem als Ulmer Donaubeauftragter und Organisator des Donaufests, sehr um ihre Kultur verdient gemacht hat. Mit der Europäischen Donau-Akademie (EDA) rückt er diese nun in den Mittelpunkt einer ambitionierten Veranstaltungsreihe: Das erste „Romno Power Festival“ findet von 13. bis 21. September an verschiedenen Orten in Ulm statt.

Die in Ulm beheimatete EDA hat sich seit ihrer Gründung 2008 vielfach mit kulturellem Dialog und Austausch in Südosteuropa beschäftigt. Dabei, so Langer, der bei der Organisation für Koordination und internationale Kontakte zuständig ist, habe sich immer wieder eines der größten Problemfelder der Region gezeigt: die Lage der Roma. Diese machten zwar um die zehn Prozent der Bevölkerung vieler Donau- und Balkanländer aus, „doch sie werden immer noch stark diskriminiert und sind kaum in die Gesellschaft integriert“. Doch die Kultur der Roma hat die Region enorm geprägt, vor allem ihre Musik. Und die macht einen großen Teil des Festivals aus, das gleichzeitig auch die jährliche Kulturwoche des Verbands Deutscher Sinti & Roma ist. Wichtige Kooperationspartner in Ulm sind das Roxy und die Volkshochschule, die beide auch als Spielstätten dienen.

"Romno Power Festival" in Ulm: Das ist im September geboten

Im Einsteinhaus etwa gibt es eine Ausstellung über die reiche Geschichte der Sinti und Roma, deren dunkelste Zeit in Europa die Ermordung einer halber Million „Zigeuner“ zur Zeit des Nationalsozialismus war (Eröffnung am 13. September, 18 Uhr). Die schöne Seite des Themas zeigt beispielsweise eine Modenschau des Budapester Labels „RomaniDesign“, das von Roma-Frauen entwickelt wurde, auf dem Kornhausplatz (14. September, 14 Uhr). Zu „Romno Power“ gehört auch ein Literaturprogramm, unter anderem mit Jovan Nikolic, Langer zufolge einer der bekanntesten europäischen Roma-Autoren (15. September, 17 Uhr, Café Gustaff).

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Fast alle Veranstaltungen der Kulturwoche, für deren Organisation Langer ein emsiges Team von Fachleuten für verschiedene Bereiche geschart hat, sind frei, Eintritt kosten nur die großen Konzerte im Roxy – mit dem Boban Markovic Orkestar (19. September, 19.30 Uhr) und mit Shantel und seinem Bucovina Club Orkestar (20. September, 20 Uhr). Kostenlose Musikdarbietungen gibt es während der Festivaltage unter anderem in der Hudson Bar – und auf der Straße: Mit dem Milan Nikolic Donja Brass Orkestar ist eine serbische Roma-Walking-Band in Ulm unterwegs. Filme mit Roma-Bezug werden auf der Wilhelmsburg gezeigt, unter anderem „Django – ein Leben für die Musik“, ein Biopic über den legendären Gitarristen Django Reinhardt (18. September, Uhrzeit noch offen).

(Hier geht es zum Gesamtprogramm.)

Kultur der Sinti und Roma steht im Mittelpunkt des "Romno Power Festival"

Beim „Romno Power Festival“, die mit der Kulturnacht Ulm/Neu-Ulm endet, können Besucher aus der Region die Kultur der rund zwölf Millionen Sinti und Roma in Europa, vor allem Südosteuropa kennenlernen. Aber der Transfer funktioniert auch in die andere Richtung. So findet begleitend ein Schüleraustausch zwischen dem Ulmer Anna-Essinger-Gymnasium und dem Gandhi-Gymnasium im ungarischen Pécs statt. Die Schule gilt als Vorzeigeprojekt in Sachen Bildung für Kinder und Jugendlichen aus Roma-Familien.

Möglich werden all diese Aktivitäten durch einen Zuschuss des Landes Baden-Württemberg, das zur Eröffnung Staatsministerin Theresa Schopper schickt, von 150.000 Euro; der Gesamtetat beträgt 200.000 Euro. Eine Konkurrenz zum Donaufest soll das „Romno Power Festival“ nicht sein, wie Peter Langer betont: „Ich will doch meinem Baby keine Konkurrenz machen!“

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