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Ulm

08.06.2018

Die ganze Welt in einer Markthalle

Tagliatelle mit Lachs in Rosé-Soße für unter acht Euro oder vietnamesische Sommerrollen für knapp drei Euro. In der Ulmer Markthalle kommen fast alle Geschmäcker auf ihre Kosten.
Bild: Alexander Kaya

Vom Gotteshaus zum Genießer-Treff: Im ehemaligen Königreichsaalder Zeugen Jehovas sind Gastronomen und Feinkosthändler eingezogen. Doch das Ende ist nah.

Die Ulmer Innenstadt hat einen neuen gastronomischen Anziehungspunkt: Am Freitag eröffnete die „Ulmer Markthalle“. Im ehemaligen Königreichsaal der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas bieten derzeit elf Stände unter dem Motto „hausgemacht, nachhaltig, regional, saisonal“ täglich von neun bis 21 Uhr Essen an. Initiator des Ganzen und sozusagen Marktleiter ist Dzenis Drinjak, ein in Ulm bekannter Gastronom - etwa als Betreiber der Sucasa-Bar oder Gründer von Damn Burger.

Die Idee dahinter: Den frischen Ideen von Gastronomen eine unkomplizierte Realisierungsmöglichkeit zu eröffnen. „Wir brauchen mehr Ausprobier-Mentalität“, sagt Drinjak. Wenn alles immer bis auf das letzte Detail durchdacht werde, bleibe die Kreativität auf der Strecke. Deswegen gehe er mit den Standbetreibern auch nur Mietverhältnisse ein, die monatlich kündbar seien. Wenn ein Konzept nicht laufe, dann solle halt ein Neues ausprobiert werden. Auf zweieinhalb bis drei Jahre ist das Projekt angelegt: Denn es sei klar, dass das Gebäude 2021 abgerissen wird.

Ulmer Markthalle: Essen aus Peru und aus dem Allgäu

Dem Andrang im Vorfeld habe dieser Pop-up-Ansatz nicht geschadet: Mehr Bewerber als Stände habe es gegeben. Und trotzdem steht einer leer. Der sei bewusst freigelassen worden, um für ständige Abwechslung zu sorgen. Auch tageweise können sich hier Produzenten oder Gastronomen einmieten. Viel Eigenarbeit steckt in der Umwandlung eines Gebetshauses in eine Markthalle. Von morgens bis abends schuftete der Marktleiter in den vergangenen Wochen an den Ständen und der Haustechnik.

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Drinjak selbst entwickelte für den Markt ein Konzept, das - sozusagen als Franchisenehmer - ein Bekannter führt: Die „NY Cab Food Bar“ bietet im Design der berühmten New Yorker Taxen ein Spezialität aus der Weltstadt mit regionalem Einschlag an: Pastrami-Sandwiches mit Fleisch von Allgäuer Freiland-Rindern. Der kulinarische Bogen, der in der Markthalle gespannt wird, reicht fast um die ganze Welt. Mit einem Bild ihrer peruanischen Oma (Abuelitas’s) im Konterfei bietet Diana Rapp Empanadas an. Die gefüllten Teigtaschen gibt es auf zwei Arten: Gebacken, wie sie in Peru bevorzugt werden. Oder frittiert auf kolumbianische Art. Dazu serviert Rapp etwa Causa, einen Kartoffel-Thunfisch-Auflauf. Denn Espresso danach extrahiert schräg gegenüber ihr Partner im „Kaffenio“ aus einer original Faema-Maschine, die als der Rolls-Royce unter den Siebträgern gilt. Aber am gestrigen Eröffnungstag doch einige Tücken offenbarte, wie am heftigen Schrauben an dem guten, alten Stück zu erkennen war.

Ungewöhnliches Angebot aus Eritrea

Nicht nur Nord- und Südamerika sind kulinarisch vertreten, sondern auch Afrika und Asien. Frische vietnamesische Sommerrollen serviert Thuy Duong, die zudem das Restaurant Asia Van in der Ulmer Hoheschulgasse betreibt. Die Vietnamesin will sich in der Markthalle auf „Streetfood“ konzentrieren, wie es in der Heimat ihrer Familie im Norden Vietnams gegessen werde.

Außergewöhnlich ist insbesondere das Angebot bei „Eri Soul“. Hier will die eritreisch-stämmige Harnet Brunner-Tesfazghi den Schwaben die Küche Ostafrikas näher bringen. Gastronomische Erfahrungen sammelte sie bereits mit ihrer Partnerin Teben Eyob im Ulmer Café Omar. Und zwar in der Zubereitung von monatlichen eritreischen Buffets. „Die Küche in Eritrea ist sehr würzig“, sagt Brunner-Tesfazghi. Im Zentrum des Essens steht immer Injera, ein Fladenbrot aus Sauerteig. „Natürlich hausgemacht.“ Dazu gibt es etwa Timtimo, ein Linsengericht mit Tomaten, Favabohnen oder Zigni, eine Rindfleisch-Spezialität in einer scharfen Soße.

Die europäische Küche vertritt der Italiener Mario Brizzo. Seine Spezialität: Frische Pasta. Frisch sind auch die Wraps bei Fresh-Sub, einer Klein-Kette mit je einer Filiale in Ulm, Stuttgart sowie Karlsruhe. Zudem serviert Annabelle Glaser hier Salate sowie hausgemachte Smoothies. Für das Thema Käse ist in der Markthalle Gerhard Illenberger zuständig. Der Heidenheimer ist ausgebildeter Käse-Sommelier und veranstaltet in seinem Stammbetrieb Käse & Mohr auch Käseseminare. In Ulm bietet der Feinschmecker Käse aus handwerklicher Herstellung sowie andere ausgesuchte Milchprodukte an.

Die Ulmer Markthalle findet sich im Heigeleshof 5, direkt neben der großen Sedelhöfe-Baugrube und ist täglich von neun bis 21 Uhr geöffnet.

Hier finden Sie viele Bilder von der Eröffnung am Freitag.

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