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Neu-Ulm

25.11.2016

Diebesbande stiehlt Hunderte teure Reifen

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Das Diebesgut wurde von der Polizei sichergestellt. Dabei handelt es sich um Dutzende Reifen und Felgen, die in Seecontainern abtransportiert wurden.
Bild: Polizei

Sechs junge Männer und ein Komplize haben das ganze Jahr über mehrere Autohäuser bestohlen und so einen Schaden von mehreren hunderttausend Euro verursacht. Jetzt hat die Polizei die Betrüger geschnappt.

Sie haben sich nachts auf die Gelände der Autohäuser geschlichen, haben alle Reifen und Felgen einiger Autos abmontiert, manchmal noch etwas aus dem Kofferraum genommen und die Karosserien auf Ziegelsteinen aufgebockt zurückgelassen. Was nach dem Ausschnitt aus einem schlechten Film klingt, ist im Landkreis Neu-Ulm Wirklichkeit geworden: Eine Diebesbande hat über Monate hinweg mehrere Autohäuser in der Region bestohlen. Jetzt kam eine Sonderermittlungsgruppe den Männern auf die Schliche.

Am Dienstag wurden die sechs Diebe zwischen 21 und 24 Jahren aus dem Alb-Donau-Kreis festgenommen. Wie Kriminalhauptkommissar Dieter Kümmel von der Neu-Ulmer Kriminalpolizei mitteilt, habe alles damit begonnen, dass seine Kollegen in Senden im Sommer Alarm geschlagen haben, nachdem das Autohaus Held & Ströhle Ziel der Diebe war. Wie bereits Anfang August berichtet, schlichen sich die Diebe im Fall des Autohauses in Senden auf das Gelände: Sie schnitten den Zaun auf und stürzten sich auf zwei Audi Quattro. An beiden schlugen sie die Heckscheibe ein, um an das Felgenschloss zu kommen. Die Täter bockten die Wagen auf Betonsteine und montierten alle Räder ab. Die hochwertigen Kompletträder auf Alufelgen hatten einen Wert von rund 15000 Euro, schätzte die Polizei damals. Der Sachschaden belief sich auf etwa 10500 Euro.

Ermittlerteam deckt Taten auf

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Gemeinsam mit den Kriminalpolizisten Neu-Ulm, Ulm und Friedrichshafen, sei dann intensiv in der Operation „Radkreuz“ ermittelt worden. Heute, über drei Monate später, ist bekannt, dass dieser Diebstahl auf das Konto der sechs jungen Männer geht. Die Ermittlungen ergaben, dass die Bande an vielen anderen Stellen in der Region nach dem gleichen Muster vorging: Etwa 20 Taten seien nachweisbar gewesen, sagt Kriminalhauptkommissar Dieter Kümmel – so zum Beispiel in Ulm, Biberach, Ravensburg und bei „Reisacher“ in Memmingen. Die Diebe hatten es vor allem auf Reifen von Audis und BMWs abgesehen. Die jungen Männer interessierten sich in ihrer Freizeit fürs Aufmotzen von Fahrzeugen, teilt Kümmel mit, „sie waren Profis was Autos angeht“ – jedoch offenbar keine Fachleute was Diebstähle angeht: Nach Angaben der Polizei hinterließen die Tuning-Freunde überall am Tatort Spuren, die ihnen nun zum Verhängnis wurden. So konnten den Männern mehrere Diebstähle zugeordnet werden, die seit Anfang des Jahres begangen worden sind.

Die sechs Männer hatten einen Komplizen

Die Bande hatte für ihre Taten einen Komplizen: An einen 37-jährigen Mann aus Bad Wurzach (Landkreis Ravensburg) verkauften die jungen Tuner ihr Diebesgut immer kurz nach der Tat. War er vielleicht der Drahtzieher? Hat er die jungen Männer zum Stehlen angestiftet? Sicher ist jedenfalls, dass er der Händler des Diebesguts war. Das ergaben die Ermittlungen der Polizei. Der 37-Jährige veräußerte die Räder im Internet ganz dreist über ein angemeldetes Gewerbe. Zuhause hatte der Mann noch jede Menge Beute in mehreren Kellerräumen gelagert: Die Polizeibeamten stellten fast siebzig Sätze hochwertige, teils ungebrauchte Kompletträder sichergestellt, deren Wert auf über 200000 Euro geschätzt wird. Für den Abtransport des vermeintlichen Diebesguts musste sogar der Bauhof der Stadt Bad Wurzach aushelfen, der die Räder in zwei Seecontainer verfrachtete. Bei einem der jungen Diebe fand die Polizei noch einen Satz hochwertiger Räder, bei zwei weiteren wurden eine Sturmhaube, ein als Handy getarnter Elektroschocker sowie eine geringe Menge Betäubungsmittel gefunden.

Den Männern wird der Prozess gemacht

Alle sieben Tatverdächtige wurden zunächst von der Polizei festgenommen und vernommen: Sie alle gaben zu, für die Diebstähle verantwortlich zu sein. Wie die Ermittler berichten, wurden sie daher wieder auf freien Fuß gesetzt und kamen nicht in Untersuchungshaft, obwohl das Strafgesetzbuch für den Bandendiebstahl eine Mindeststrafe von sechs Monaten vorsehe, für den gewerbsmäßigen Bandendiebstahl gar ein Jahr. Wann ihnen der Prozess gemacht wird, ist derzeit noch unklar. Die Staatsanwaltschaft überprüft den Fall nun.

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