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Landkreis Neu-Ulm

02.07.2019

Eichenprozessionsspinner: Haariger Kampf gegen giftige Raupen

Giftig sind die Brennhaare der Tiere (Symbolfoto).
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Giftig sind die Brennhaare der Tiere (Symbolfoto).
Foto: Thomas Warnack/dpa

Plus Im Landkreis sind zahlreiche Bäume vom Eichenprozessionsspinner befallen. Die Behörden rücken den Larven zu Leibe – auch weil Vorfälle wie zuletzt in Neu-Ulm häufiger vorkommen.

Wenn Janis Thierfelder oder seine Kollegen gegen den Eichenprozessionsspinner im Einsatz sind, ist das für Beobachter – die möglichst Abstand halten sollten – ein Spektakel. Mit Ganzkörperanzug, Handschuhen und Schutzmaske wirken die Baumpfleger, als würden sie in einem Seuchen-Film mitspielen. Und derzeit sieht man die Spezialisten ziemlich oft in diesem Aufzug. „Jetzt ist die Hoch-Zeit“, sagt der 31-Jährige. Überall in der Region, sowohl in der Stadt als auch auf dem Land, wird derzeit gegen die Raupen des Nachtfalters gekämpft, deren Brennhaare bei Menschen teils heftige Reaktionen auslösen können – vor allem juckendem Ausschlag.

Lesen Sie dazu: Eichenprozessionsspinner: Kinder werden beim Fußballspielen verletzt

Am Wochenende hatten Kinder nach dem Fußballspielen auf der Sportanlage am Neu-Ulmer Muthenhölzle über solche Beschwerden geklagt; das Gelände wurde daraufhin gesperrt (wir berichteten). Am Mittwoch soll dort eine Spezialfirma auf Raupenjagd gehen. Ein Einzelfall ist der Befall nicht: Die Populationen des Eichenprozessionsspinners in der Region werden immer größer, inzwischen sind nach Einschätzung von Experten wohl fast alle Eichen befallen, wenn auch unterschiedlich stark. Laut Sandra Lützel, Pressesprecherin im Neu-Ulmer Rathaus, geht es allein im Stadtgebiet um 115 Bäume. Entsprechend groß ist der Aufwand, den vor allem Kommunen betreiben müssen, um die Bevölkerung vor der Haar-Gefahr zu schützen.

Am Pfuhler See wird vor einem vom Eichenprozessionsspinner befallenen Baum gewarnt.
Foto: Alexander Kaya

Im Frühjahr waren städtische Mitarbeiter unterwegs, um mit dem biologischem Spritzmittel „Bacillus thuringiensis“ (Bt) Bäume zu besprühen. Die Substanz bewirkt, dass die Raupen das Fressen einstellen und sterben, bevor sie die Brennhaare ausbilden. Eine erfolgreiche Strategie, die allerdings nicht 100 Prozent der Spinner tötet. Wenn die Stadt bei Kontrollen oder durch Hinweise aus der Bevölkerung von einem befallenen Baum erfährt, wird das Gelände um diesen herum mit einem Flatterband abgesperrt, ein Warnschild aufgestellt – und die Fachleute mit den Schutzanzügen und den Sauggeräten rücken an.

Ein Einsatz gegen den Eichenprozessionsspinner kann Stunden dauern

Beispielsweise Janis Thierfelder oder seine Kollegen. Wenn es nur ein Nest wegzusaugen gelte, sagt er, könne so ein Einsatz nach einer Viertelstunde beendet sein. Wenn man aber in der Krone müsse, oft mithilfe einer Hubarbeitsbühne, könne das Entfernen der Larven und Gespinste aber auch mal fünf Stunden dauern. Harte Arbeit, zumal so ein Ganzkörperanzug nicht gerade das ideale Kleidungsstück für einen Sommertag ist. Zusätzlich ist das Gift der Spinner auch für die Fachleute gefährlich: Gerade beim Ausziehen der Schutzanzüge müsse man höllisch aufpassen, nicht deren Außenseite zu berühren. „Sonst bekommt man gleich Rötungen und Juckreiz“, so Thierfelder. Er weiß es aus eigener Erfahrung.

Auch beim Staatlichen Bauamt Krumbach kennt man die Gefahren der Raupe, denn die Behörde ist für die Pflege der Bäume an Kreis-, Staats- und Bundesstraßen im Landkreis Neu-Ulm zuständig – und damit auch dafür, Fußgänger und Radfahrer vor den Brennhaaren zu schützen. Klaus Burkart, Sachgebietsleiter Naturschutz und Landschaftspflege, berichtet von zwei Fällen, wo Mitarbeiter durch das Gift der Raupen verletzt wurden: einer musste, nachdem er einem Vertreter einer Spezialfirma einen betroffenen Baum bei Weißenhorn gezeigt habe, mit heftigem Ausschlag zum Arzt; ein Kollege aus dem Raum Dillingen landete nach Kontakt mit den Brennhaaren sogar mehrere Tage im Krankenhaus – er hatte stark allergisch reagiert.

Mit Ganzkörperanzügen und Masken schützen sich Baumpfleger gegen die gefährliche Haare der Raupe (Symbolfoto)
Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Doch auch Menschen, die nicht beruflich mit dem Eichenprozessionsspinner zu tun haben, leiden unter den Brennhaaren. So sprach Ralf Tischendorf, beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten für die Staatswälder im Kreis Neu-Ulm zuständig, mit einem älteren Mann aus Biberachzell. Dieser schilderte, dass seine Frau beim Anheizen des Holzofens immer Pusteln bekommen habe. Schuld waren offenbar die Spinner-Härchen, die sich noch am Brennholz befanden – diese können auch ohne lebende Raupe Beschwerden auslösen, teils Jahre später.

Forst-Fachmann warnt vor Hysterie wegen der Raupen

Trotzdem: Forst-Fachmann Tischendorf rät dazu, das Problem mit dem Spinner nicht größer zu machen, als es ist: „Die Hysterie sollte sich legen.“ Er fände es falsch, sollten aus Angst vor dem Tier reihenweise Bäume umgehauen werden; diese kommen mit dem Schädling zumeist gut zurecht. Spaziergängern rät er, im Zweifelsfall etwas Abstand zu Eichen zu halten. „Mir ist aber noch nie ein Gespinst auf den Kopf gefallen“, beruhigt er. Und wenn im eigenen Garten eine Eiche steht? Baumpfleger Thierfelder empfiehlt, diese im Auge zu behalten. Ein Sandkasten oder die Gartenmöbel sollten nicht in unmittelbarer Nähe eines betroffenen Baumes stehen. Wenn im Frühjahr tatsächlich Raupen und Gespinste zu sehen sind, rät er dazu, einen Profi zu holen, bevor es gefährlich wird: Die biologischen Bt-Toxine für Eichen dürfen nicht von Laien gespritzt werden.

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