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22.11.2019

Eigeninteresse bremst die guten Absichten

Das Podiumsgespräch führten (von links): Gesprächsleiter HNU-Vizepräsident Professor Thomas Bayer, Enrico Leonardo Berardone, André Wieland, Oliver Schmidt, Katrin Voß-Lubert, Professor Werner Tillmetz, Birgit Schäfer-Oelmayer und Altoberbürgermeister Ivo Gönner.
Foto: Gerrit-R. Ranft

In der Hochschule Neu-Ulm treffen verschiedene Blickwinkel zum Thema Umweltschutz aufeinander

Wie das ausgeht, wenn Theorie und Praxis aufeinandertreffen, hat eine Podiumsrunde vor rund 120 Zuhörern an der Hochschule Neu-Ulm am Mittwochabend offen gelegt. In der „kritischen Bestandsaufnahme zur Nachhaltigkeit in der Region“ kamen Wünsche und Ideen ans Licht, die vom alterfahrenen Kommunalpolitiker in der achtköpfigen Runde – Ulms ehemaliger OB Ivo Gönner – teils mit leichter Hand widerlegt, teils auch kritisch-nachdenklich weitergeführt wurden.

Ulms ehemalige Stadträtin Birgit Schäfer-Oelmayer (erst Grüne, dann CDU) stellte zwar fest, in der Region bestünden viele Initiativen und Projekte zur Nachhaltigkeit. Sie müssten allerdings erst noch alltagstauglich werden. Deshalb forderte sie „eine Planstelle an zentralem Ort, um Nachhaltigkeitsideen zu bündeln“. Der Neu-Ulmer Student Enrico Leonardo Berardone hat das Start-up „Fairbrush“ gegründet, das Zahnbürsten aus Bambus fertigt, als Ersatz für Plastikbürsten. André Wieland, der in seinem Weißenhorner Laden „Klare Kante“ Ware unverpackt verkauft und auch eine Filiale in Ulm eröffnen wird, beklagte die Zaghaftigkeit der Banken, neue Ideen mit Krediten zu unterstützen.

Professor Werner Tillmetz vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung auf dem Oberen Eselsberg und Katrin Voß-Lubert vom ADFC-Kreisverband sind praktizierende Radler und verlangen den Totalumbau der Innenstädte, um den Fahrrädern mehr Platz einzuräumen. Dann war da noch Oliver Schmidt von FridayforFuture, der ebenfalls in der Region viele gute Ideen zur Nachhaltigkeit entdeckt hatte, denen allerdings die Umsetzung fehle. Den rechtzeitigen Ausbau der Straßenbahn hätten die Ulmer übrigens verschlafen.

Ivo Gönner, der 24 Jahre lang als Oberbürgermeister die Geschicke Ulms gelenkt hatte, listete erst mal auf, was die Stadt schon vor Jahrzehnten so alles zur Nachhaltigkeit beigetragen habe. Sie nutze seit je Wasserkraft als Energieträger, habe ein engmaschiges Fernwärmenetz aufgebaut und sich schon früh als „Sonnenstadt“ eingeführt. „Aber eine nachhaltige Gesellschaft muss eben auch eine soziale Gesellschaft sein.“ Da jedoch mangele es immer mal wieder, sodass Rückschläge in der Kommunalpolitik nicht ausblieben. Es gebe nun mal keinen Hebel für schnelles Umsetzen guter Ideen. „Kommunalpolitik ist kein Wunschkonzert“, eher die Suche nach dem Möglichen und dem Ausgleich unterschiedlicher Interessen. „Kommunalpolitik dauert nun mal.“

Gönner verwies auf die 90000 Arbeitsplätze in der Stadt, zu denen 52000 Menschen als Pendler täglich ein- und ausführen. Denen sei mit Radwegen kaum geholfen, vor allem wenn sie von der Alb oder aus dem Oberland kämen. Grenzen der Nachhaltigkeit zeigten sich immer schnell, sobald es um persönliche Betroffenheit gehe. Da kämen viele einseitige Forderungen zusammen, die von der Politik gebündelt werden müssten. Auch die ungeliebte Nachverdichtung in den Innenstädten dürfe nicht gegen Bauen auf der Grünen Wiese ausgespielt werden. „Alles das ist viel Müh und Not, um die soziale Balance zu halten.“

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