Ausstellung

18.09.2014

Ein Auge auf Afrika

Boubacar Mandemory öffnet bei „Backstage Africa“ den Blick auf Kritisches mit ästhetischen Mitteln. Auch diese Straßenaufnahme mit dem Titel „Rufisque in Not“ ist derzeit im Stadthaus zu sehen.

Das Stadthaus zeigt unter dem Titel „Bamako – Dakar“ aktuelle Fotografie von Künstlern aus Mali und dem Senegal. Ein faszinierender Blick auf eine Region voll kreativer Kraft

Was wissen wir über Afrika? Es sind zumeist negative Nachrichten, die unseren Blick prägen: Krieg, Armut, Krankheit. Das war schon so, als die Kolonialherren mit der Plattenkamera den schwarzen Kontinent bereisten und „dokumentarische“ Aufnahmen herstellten. Immer war es der Europäer, der seinen Blick auf Afrika bestätigt finden wollte. Dass sich dieses recht einseitige Bild aufbricht, hat primär auch mit der agilen afrikanischen Kunst- und Kulturszene zu tun, die sich nicht länger vereinnahmen lässt. Das gilt – spätestens seit Malick Sidibé und Seydou Keïta – auch für die Fotografie: Das beweist eine sehenswerte Ausstellung im Stadthaus.

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Gezeigt wird in „BamakoDakar“ aktuelle Fotografie aus Mali und im Senegal – verankert an Künstlern aus den jeweiligen Hauptstädten. Dokumentarische und Pressefotografie, Street Photography und (zum Teil sehr eigene) Formen der Studiofotografie werfen einen recht detaillierten Blick auf gesellschaftliche und politische Ereignisse, geben den Blick frei auf die afrikanischen Länder als „Melting Pot“ mit ungebändigter kreativer Kraft. Neue Medien halfen, diese Fotos weltweit bekannt zu machen, aber auch die stetig gestiegene Aufmerksamkeit des Westens, namentlich der Galeristen und Sammler, die sich von der Wucht so mancher fotografscher Position magisch angelockt fühlten. Der in der Region bekannteste Fan und Förderer ist Artur Walther, der in seiner Walther Collection in Burlafingen Einblicke in seine Sammlung gibt.

13 Künstler haben die Kuratorinnen Bärbel Küster und Wiebke Ratzeburg in Kooperation mit der Walther Collection sowie der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart versammelt. Die dichte Hängung schafft eine intime Atmosphäre, ein Entziehen ist nicht möglich. Gut so: Denn Gelegenheit, das eigene Bündel an Klischees zu hinterfragen oder ganz über Bord zu werfen, gibt es en masse. Da ist beispielsweise die Fotoserie „Studio der Eitelkeiten“: Omar Victor Diop macht sich die Stilmittel der Modefotografie zunutze, um geistreiche Studiofotos zu inszenieren. Hier begegnet man einer bunten, heiteren Welt.

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Djibril Sy vertritt den Ansatz, dass die Fotografie auf politische und gesellschaftliche Prozesse einwirken kann: „Jeder einzelne muß beitragen, Geschichte zu schreiben für sich und andere“. Auch Sy geht es nicht um illustrierende Fotografie, sondern um Inhalt, Botschaft und den Menschen im Bild. „Kultur ist deine Seele“ liest man auf einer Fotografie von Sy. Seine Aufnahmen aus den Kriegsgebieten in Liberia zählen zu den stärksten Momenten dieser an faszinierenden Positionen nicht armen Ausstellung.

Die Bedingungen für Fotografen haben sich seit den 1980ern wesentlich verbessert. Seit 1987 gibt es eine eigene afrikanische Presseagentur (Panapress), die den Blick der Afrikaner auf das eigene Land in der Welt vertritt. Eine rege Galerieszene vertritt die Künstler nicht nur im Inland. Alles gut also? Die Bruchlinien im Verhältnis von Europa und Afrika werden vielfach sichtbar, erscheinen nur selten so deutlich an der Oberfläche wie etwa das Firmensymbol eines Gewürzwürfelherstellers auf einer verheerten Hausfassade in Bamako.

Das Foto ist in Afrika der „Nukleus“ im mitmenschlichen Austausch, weiß Kuratorin Küster: „Im Prozess des Kennenlernens wird das Familienalbum herausgeholt, werden die fotografierten Ahnen vorgestellt. Das Foto ist Mittel zur Kommunikation und zum Austausch.“ So auch bei Harandane Dicko, dessen virtuose Fotografien durch den Rückspiegel seines Motorrades vitale Abbilder afrikanischen Straßenalltags sind. Trügerische Idyllen bildet Angelina Nwachukwu ab: Naturszenen, die irritierende Fundstücke enthalten. Fatoumata Diabaté zeigt Mali aus Frauensicht und beeindruckt mit einer kraftvollen Serie, die Menschen mit Masken zeigt. Afrikanischer Mythos wird direkt mit der Gegenwart verschweißt.

Inszenierung und Reinszenierung, Straßenszene oder Studiofantasie – immer geht es ums Erzählen und um den Menschen. So wird die Ausstellung „BamakoDakar, Westafrikanische Fotografie heute“ zu einer großartigen Übersicht über aktuelle Fotokunst in Afrika. Besser gesagt aus zwei Städten zweier Staaten. Man kann nur ahnen, welche Schätze der missverstandene Kontinent noch bergen mag.

heute, Donnerstag, um 19 Uhr im Stadthaus Ulm. Zur Ausstellung erscheint eine Begleitbroschüre (52 Seiten), die im Stadthaus erworben werden kann. „BamakoDakar“ ist bis 23. November in Ulm zu sehen. Im Anschluss wird die Ausstellung in Saint-Louis (Senegal) und in Bamako gezeigt.

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