1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Ein Brand machte die zweite Brücke nach Ulm möglich

Neu-Ulm

28.10.2018

Ein Brand machte die zweite Brücke nach Ulm möglich

Copy%20of%20G%c3%a4nstorbr%c3%bccke4.tif
3 Bilder
Ein Bild der „Neuen Donaubrücke“ um 1930, aufgenommen von der Herdbrücke aus. Das Bauwerk stand insgesamt nicht einmal 33 Jahre.
Bild: HdGBW Sammlung Metz

Lange Zeit verband nur die Herdbrücke Neu-Ulm und Ulm über die Donau. Denn ein Heustadel stand im Weg. Auch der neue Flussübergang stand nicht lange.

Zwischen April und September 2019 feiert Neu-Ulm sein Jubiläum „150 Jahre Stadterhebung“. Die Neu-Ulmer Zeitung, die im nächsten Jahr 70 Jahre alt wird, tut in den kommenden Monaten ein paar Blicke in die Vergangenheit der Kommune, in ihre Gegenwart und – so weit möglich – in die Zukunft. Heute: die Gänstorbrücke.

Schon früh im 20. Jahrhundert strebte die Stadt Ulm zusätzlich zur uralten Herdbrücke einen weiteren Donauübergang an. Die noch junge Stadt Neu-Ulm wehrte sich lange Zeit gegen solche Pläne. Sie fürchtete vor allem, der zweite Übergang einige hundert Meter unterhalb der Herdbrücke werde eine Sogwirkung Richtung Ulm auslösen und damit das großzügig geplante Baugebiet in der Neu-Ulmer Oststadt entwerten. Aber Neu-Ulm hielt noch einen weiteren, vermeintlich gewichtigen Trumpf in der Hand. An der von Ulm geplanten Übergangsstelle stand auf Neu-Ulmer Seite das Heumagazin des in der Friedenskaserne stationierten Infanterieregiments 12.

Auf dieses Vorratslager aber hatte die Stadt keinen Zugriff, konnte es für einen Brückenbau nicht abtragen. Es unterstand der Königlich-Bayerischen Armee, und die ließ in dieser Sache nicht mit sich reden, was Neu-Ulm möglicherweise auch ganz recht war. Dann schufen am 5. August 1910 zwischen zwei und vier Uhr nachmittags ein paar Buben, unter ihnen der zehn Jahre alte spätere Maler, Grafiker und Bildhauer Ludwig Ade, neue Tatsachen: Beim Indianerspiel in den nebenan gelegenen Festungsanlagen flogen die Funken – sie setzten das Futtermagazin der Zwölfer in Brand. Es war nicht mehr zu retten. Das einzige zugkräftige Neu-Ulmer Argument gegen den Brückenbau hatte sich in Rauch aufgelöst.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Stadtchronist Georg Buck hielt die Arbeiten an der "Neuen Donaubrücke" akribisch fest

Tatsächlich schritten beide Seiten nun zügig zur Tat. Wie der Neu-Ulmer Anzeiger von 1910 in seiner Nummer 150 berichtet, wurde noch im selben Herbst mit den Gründungsarbeiten zu den beiden Flusspfeilern begonnen. „Trotz scharfer Kälte wurden sie mitten im Winter betoniert“, notierte die Zeitung. Im November des folgenden Jahres war das Brückengewölbe fertiggestellt, nach 21 Monaten Gesamtbauzeit das ganze Werk. Am 1. Juli 1912 wurde die neue Brücke mit großem Festakt von den Bürgermeistern beider Städte Josef Kollmann und Heinrich von Wagner eröffnet.

„Nun steht das bedeutsame Werk da und lobt seine Meister“, stellte Stadtchronist Georg Buck zufrieden fest, bevor er auf 23 mit zahlreichen Fotos ausgestatteten Seiten seiner Chronik die Beschreibung des Festakts aus dem Neu-Ulmer Anzeiger übernahm. Der Tag begann mit dem Läuten der Schwörglocke auf dem Münsterturm. Es folgten der Umzug der Teilnehmer am Fischerstechen und die Versammlung beider Stadträte im Ulmer Rathaussaal. Um 10.45 Uhr startete ein historischer Festzug mit der Kaiserin Maria Theresia und ihrem fast komplett versammelten Hofstaat. Gegen Mittag war Brückeneinweihung mit den Festreden beider Bürgermeister. Um 15.30 Uhr endete das Fest mit dem Fischerstechen.

Akribisch hat Buck die geleisteten Arbeiten festgehalten: 21000 Kubikmeter Erde und 1070 Kubikmeter altes Mauerwerk wurden weggeschafft, 8000 Kubikmeter Beton und 31600 Zentner Zement verbaut, dazu 230 Kubikmeter Granitquader für die Pfeilersockel und 653 Kubikmeter Muschelkalk zur Verkleidung der sichtbaren Teile der Brücke. Die Gesamtbaukosten beliefen sich einschließlich Herstellung der Zufahrtsstraßen auf 780000 Mark.

Deutsche Pioniere sprengten sämtliche Donaubrücken zwischen Neu-Ulm und Ulm

Dieses „Neue Donaubrücke“ genannte Bauwerk stand nicht mal 33 Jahre. Der Zweite Weltkrieg kam übers Land. Ende April 1945 besetzten amerikanische Truppen die Stadt Ulm. Die Neue Donaubrücke war in den Bombenangriffen vom Dezember 1944 und März 1945 zwar getroffen worden, stand aber weiterhin fest auf ihren Pfeilern. Deutsche Pioniere sprengten am 24. April 1945 um die Mittagszeit zwei Wochen vor Kriegsende völlig unnötigerweise sämtliche Donaubrücken zwischen Neu-Ulm und Ulm. Keine Verbindung mehr zwischen hüben und drüben. Lediglich die Illerbrücke in Wiblingen wurde geschont, weil über sie das Trinkwasser aus der Roten Wand nach Ulm gepumpt wurde. Amerikanische Pioniere schlugen bald nach der Besetzung beider Städte zunächst eine Pontonbrücke über die Donau, die noch im selben Jahr durch eine hölzerne Behelfsbrücke ersetzt wurde.

Am 11. Dezember 1950 wurde der neue Donauübergang, der nun den Namen „Gänstorbrücke“ erhielt, ohne großen Pomp für den Verkehr freigegeben. Sie war in nur achtmonatiger Bauzeit in den Widerlagern der Vorgängerbrücke als Ein-Bogen-Konstruktion in Spannbeton mit Kosten um 810000 Deutsche Mark errichtet worden. Nach 68 Jahren droht auch ihr nun der Abriss. Die Nachkriegskonstruktion leidet an Altersschwäche. Ihre Sanierung würde kostspieliger als ein Neubau, wenn sie denn überhaupt zu realisieren wäre.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20Ruth_H%c3%a4berle_aus_Nersingen_01.tif
Nersingen

Abschied von der Schnitzerschen Apotheke

ad__web-mobil-starterpaket-099@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Die schnellsten Lokalnachrichten - live,aktuell und multimedial.
Alle Online-Inhalte auf allen Endgeräten zu jeder Zeit, mtl. kündbar.
Damit sind Sie daheim und im Büro immer auf dem Laufenden.

Zum Web & Mobil Starterpaket