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Roggenburg

08.08.2014

Ein Mann zwischen zwei Schreibtischen

Seit 100 Tagen im Amt: Bürgermeister Mathias Stölzle zieht ein positives Fazit von seiner Anfangsphase in Roggenburg.

Bürgermeister Mathias Stölzle ist in Roggenburg seit 100 Tagen im Amt. Der Job macht ihm Spaß – auch wenn jeder Tag ein kleiner Kampf ist. Weil kein Nachfolger in Sicht war, ist der 50-Jährige gleichzeitig noch Hauptamtsleiter.

Rathauschef in der Klostergemeinde – das klingt nach einem Traumjob. „Ich hätte es nicht besser treffen können“, sagt Roggenburgs neuer Bürgermeister Mathias Stölzle und zieht damit gut gelaunt einen Schlussstrich unter seine ersten 100 Tage im Amt. Er habe reichlich Rückenwind von Bürgern und Gemeinderäten erhalten. „Es war ein wunderbarer Start“, sagt Stölzle. Auch wenn er bis dato gleich zwei Schreibtische zu betreuen hat: Denn der 50-Jährige ist aktuell noch Bürgermeister und Hauptamtsleiter zugleich.

Weil noch kein Nachfolger gefunden war, übte Stölzle seinen ursprünglichen Job nach der Wahl einfach weiter aus. „Da hat man schon zu kämpfen.“ Doch jetzt ist Erleichterung in Sicht: Ab September soll mit Stefan Hiller ein neuer Kollege die Verwaltung leiten und Stölzle viel Arbeit abnehmen. Der will sich dann noch mehr auf das Bürgermeisteramt konzentrieren.

Auch wenn Stölzle in vielen Dienstjahren im Rathaus zu einem wahren Verwaltungsfachmann geworden ist, als Bürgermeister betrat der dennoch ein Stück weit Neuland. „Ich konnte nicht abschätzen, wie sich der neue Gemeinderat verhalten würde.“ Diese Sorge erwies sich jedoch als unbegründet. Es werde zwar viel und lebhaft diskutiert und die Entscheidungen fielen nicht immer einhellig. „Aber letztendlich ziehen alle an einem Strang, um etwas für Roggenburg zu erreichen.“ Dann war da der Tod des Altbürgermeisters Adolf Thoma verbunden mit der Frage, wie die Gemeinde diese große Beisetzung organisieren sollte. „Ich habe mich dann eben eine ganze Woche darum gekümmert“, sagt Stölzle. In seinen ersten 100 Tagen gab es auch freudige schönere Anlässe: Der Festakt für das hochwassertaugliche Ingstetter Feuerwehrfahrzeug oder der Spatenstich zum Ausbau der gefährlichen Straße zwischen Meßhofen und Roggenburg im Mai.

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Stölzle blickt optimistisch nach vorne – in der Klostergemeinde tut sich einiges: Je nach Witterung soll noch im Herbst mit dem Ausbau der schnellen Internetleitungen begonnen werden, eine Zusage über staatliche Zuschüsse erhielt der Bürgermeister kürzlich in München überreicht. „Das war ganz witzig.“ Das Breitbandnetz soll spätestens im Frühjahr 2015 in Betrieb gehen, die Roggenburger können dann mit Geschwindigkeiten von bis zu 50 Megabit pro Sekunde surfen.

Davon wird auch ein neuer Betrieb profitieren können, denn die Gewerbelandschaft der Klostergemeinde erhält Zuwachs. Demnächst wolle sich ein Unternehmen für Schwimmbad-Technik in Biberach ansiedeln. „Das ist sehr erfreulich.“

Besuch vom Vorgänger erhält der jetzige Bürgermeister zur Zeit gar nicht. Franz-Clemens Brechtel mache sich bewusst rar. „Er will mir Raum geben“, sagt Stölzle. Ansonsten würden manche wohl allzu schnell den Vergleich zwischen „altem“ und „neuem“ Bürgermeister ziehen. Ab Herbst wolle sich Brechtel aber wieder blicken lassen, weiß Stölzle.

Nicht nur für den Ex-Bürgermeister ist die Klostergemeinde stets eine Reise wert – jährlich besuchen Tausende das Bildungszentrum, um dort Seminare oder Kurse zu absolvieren. Und viele kehren danach noch einmal zurück, weiß Stölzle. „Sie wollen Roggenburg ihren Familien zeigen.“ Touristisch habe die Kommune mit dem Kloster und der umgebenden Natur eben viel zu bieten. „Wir haben einen hohen Bekanntheitsgrad.“ Ein „Selbstläufer“ sei die Gemeindepolitik deswegen aber noch lange nicht, betont Stölzle.

Abseits von hochkarätiger Kultur wie der Konzertserie „Roggenburger Sommer“ und großen Besucherströmen habe Roggenburg mit Alltags-Probleme zu kämpfen. Stölzle hat eine Aufgabenliste vor sich. Einige Beispiele: In Schießen bereite die Wasserversorgung Sorgenund künftig müsse in die Kläranlagen investiert werden.

Zudem soll weiteres Bauland geschaffen werden. Zuvor muss die Gemeinde jedoch neue Flächen gewinnen – einige Verkaufsgespräche mit Eigentümern hat Stölzle schon geführt. Geht es nach ihm, dann soll die strenge Bauordnung der Gemeinde demnächst gelockert werden. Der Hintergrund: Bislang werfe man den Roggenburgern vor, nur konservative Baustile zu genehmigen. Nach Ansicht des dem neuen Bürgermeisters sollen bald Bauten mit moderner Architektur möglich sein, etwa Toskana-Häuser. „Das ist eben heute der Geschmack“, sagt Stölzle. Und fügt hinzu: „Es müssen ja nicht gleich grüne oder violette Dächer sein.“ (caj)

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