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Ulm

16.11.2018

Ein Ulmer Künstler schöpft aus dem Vollen

Patrick Nicolas hat in seiner 30-jährigen Künstlerkarriere vieles ausprobiert. In der Galerie im Kornhauskeller der Ulmer Kunststiftung „Pro Arte“ zeigt eine umfangreiche Auswahl von Werken aus allen Phasen.
Bild: Alexander Kaya

Der gebürtige Franzose Patrick Nicolas wurde durch seine besondere Technik bekannt, inzwischen sucht er nach neuen Ausdrucksformen. Dabei ist für den Ulmer sogar Frust ein positiver Einfluss.

Patrick Nicolas könnte wahrscheinlich jedes Museum bespielen. Wahrscheinlich sogar mehrere gleichzeitig. Denn ein Problem hat er nicht: einen Mangel an Arbeiten. „Ich mache viel“, sagt er, während er durch die Räume der Galerie im Kornhauskeller geht. Und er hat viel. Wie Hosen im Bekleidungsgeschäft sind Bilder an niedrigen Ständern aufgereiht, wie Stoffbahnen hängen sie von der Decke. Und in einem Raum bedecken die Blätter den ganzen Boden. Wenn Nicolas ein Problem hat, dass ist es die Auswahl. Die Ausstellung „Modus Operandi“, die am Freitag, 16. November, eröffnet und Arbeiten aus 30 Jahren Schaffen zeigt, macht das Überangebot zur Stärke. Und ist gleichzeitig auch ein Dokument der künstlerischen Entwicklung, die der gebürtige Franzose in den vergangenen Jahren durchgemacht hat.

Der 56-Jährige, der seit 22 Jahren in Ulm lebt, hat nämlich fürs Erste die Technik an den Nagel gehängt, für die er am bekanntesten ist: die Monotypie. Bei dieser malt der Künstler nicht auf Papier oder Leinwand, sondern auf eine Platte. Danach wird Papier auf die noch feuchte Farbe gelegt oder gedrückt, so dass sich diese auf den neuen Bildträger übergeht. Nicolas beherrscht diese Methode, die genau zwischen Malerei und Druckgrafik steht, aus dem Effeff. Das muss er auch, denn bei der Monotypie hat der Künstler nur wenige Minuten Zeit. Und genau das gefiel dem Franzosen, der im südfranzösischen Rodez geboren wurde und in Toulouse Kunst studierte. Die Malerei mit ihrem langen Herstellungsprozess sei ihm zu narzisstisch, sagt Nicolas. Er wolle keine Interpretationen zeigen, sondern Fakten. Die Farbe, die Form, den Druck. Dazu die Beschränkung: Auf jedem Blatt gibt es maximal zwei Farbschichten, Positiv und Negativ.

Vor der Kunstakademie studierte er Maschinenbau

Der Clou ist bei Nicolas nicht das einzelne Bild, sondern die Methode. Der Künstler, der vor seinem Gang an die Akademie einen Abschluss in Maschinenbau machte, liebt es, Systeme zu schaffen, in denen er agieren kann. „Ich bin ein Chaot, ich brauche das.“ Aber jedes System kann an seine Grenzen stoßen – und so begann er sich, mit seiner Interpretation der Monotypie zu langweilen. „Ich dachte mir: Warum soll ich damit weitermachen?“, erzählt er. Er sei frustriert gewesen – und das habe ihn motiviert. „Was im normalen Leben negativ klingt, ist in der Kunst positiv“, sagt er. Und so wurde aus dem alten Patrick Nicolas, den nicht nur in der Region viele für seine hochästhetischen Monotypien schätzen, der neue Nicolas, der mit Technik und Video experimentiert.

Ein anderer Raum in der Galerie, in der Mitte ein Podest mit einem Beamer, der sich um die eigene Achse dreht. Auf die leeren Wänden wirft er reduzierte Bilder von Menschen, einer neben dem anderen, die einem anzublicken scheinen. Der Betrachter steht inmitten eines Kreises, wird zu Beobachteten, der Blick folgt dem Weg des Projektors. „Das ist Low-Tech, aber für mich ist das egal, das Prinzip muss funktionieren“, sagt Nicolas. In seiner Karriere hat er viel ausprobiert, er hat abstrakt und gegenständlich gearbeitet, verspielt und minimalistisch-streng, aber das ist eine neue Facette in seinem Schaffen. „Ich kann machen, was ich will“, betont der Künstler. Und man hört, wie er diesen Umstand genießt.

Der Finger des Künstlers macht den Druck zum Unikat

Nicolas, der auch als Dozent im Musischen Zentrum der Uni Ulm und bei den Ferienakademien in Kloster Roggenburg tätig ist, präsentiert sich bei „Pro Arte“ als Suchender – auch danach, was Begriffe wie „Kunst“ oder „Werk“ eigentlich bedeuten. So wie bei den Siebdrucken mit dem Gesicht einer jungen Frau, bei denen er mit dem Finger die Seriennummer in die feuchte Farbe schrieb – und sie so zu Unikaten machte. „In der Vereinfachung liegt die Wahrheit“, findet er. „Jedes Bild ist nur ein Beispiel, eine Möglichkeit.“

Doch so sehr der 56-Jährige nach neuen Ausdrucksformen sucht: Seine älteren Arbeiten sind ihm nicht fremd geworden – und sie bilden einen Großteil der Ausstellung. Aber manche der kleineren Monotypien hängen in der Galerie verkehrt herum, mit dem Motiv zur Wand. Wer sich blind für eines der Bilder entscheide, bezahle nur die Hälfte, sagt Nicolas und lacht. Wer aus einer solchen Fülle wie der Franzose schöpfen kann, kann sich auch einen Jux erlauben.

Patrick Nicolas: Modus Operandi“ wird am 16. November um 19 Uhr in der Galerie im Kornhauskeller eröffnet und läuft bis 12. Januar. Geöffnet Dienstag bis Freitag 14 bis 18 Uhr, Samstag 11 bis 13 Uhr.


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