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Ulm

15.01.2020

Eine Chance für Gestalter: Das HfG-Archiv Ulm vergibt erneut ein Stipendium

Wie viel Design steckt im Alltag? Wie produzieren und gestalten wir in heutiger Zeit – und wie lebt das Erbe der HfG Ulm weiter? Mit diesen Fragen wird sich auch der zweite „Designer in Residence“ des HfG-Archivs befassen.
Bild: Repro: Florian Arnold

Das HfG-Archiv Ulm vergibt zum zweiten Mal ein Stipendium für die Stelle des „Designers in Residence“. Die Erwartungen der Jury sind hoch.

Das Archiv der Hochschule für Gestaltung sucht einen Stipendiaten: Mit der Reihe „Designer in Residence“ will das HfG-Archiv Ulm seine Doppelfunktion, als Museum und Archiv, mit zeitgenössischer Designforschung und -vermittlung verbinden. Bereits vor zwei Jahren startete eine erste Ausschreibung und das Archiv fand mit der Stipendiatin Olivia Daigenault Deschênes eine junge Designerin, die sich in den Räumen der einstigen Ausbildungsstätte mit dem Thema „Gender Design“ befasste. Aktuell ist die Stelle des „Designer in Residence“ nun zum zweiten Mal ausgeschrieben.

Die internationale Ausschreibung fordert Gestalter dazu auf, sich um das dreimonatige Stipendium in Ulm zu bewerben. Und diese Förderung ist mit einem Auftrag verbunden: Das Archiv erhofft sich vom Gewinner eine experimentelle, technische, künstlerische oder wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Erbe der HfG, aus heutiger Perspektive.

Das Stipendium des HfG-Archivs fördert Nachwuchsdesigner

Das Stipendium soll den Nachwuchs in der Gestaltungspraxis oder im Bereich der angewandten Designforschung fördern. „Wir sehen das als Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis, ganz im Sinne von Hans Gugelot“, erklärt Christiane Wachsmann, die im HfG-Archiv die Stipendiatenstelle wie auch deren Ausschreibung betreut. „Gugelot war, als er 1965 überraschend starb, auf dem Sprung zu einer großen Karriere. Das Systemdesign der HfG war ja vornehmlich sein Steckenpferd und er arbeitete hier eng mit Otl Aicher zusammen, zum Beispiel beim Design für die Firma Braun“.

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In der Ausstellung „Nicht mein Ding – Gender im Design“ im HfG-Archiv konnte man im vergangenen Sommer die Ergebnisse sehen. Dabei ging es um die Frage, wie sich Geschlechter in Design und Produktion widerspiegeln. „Das Pilotprojekt mit der Stipendiatin Olivia Daigenault Deschênes hat aus unserer Sicht sehr gut funktioniert und uns auch gezeigt, dass wir weitermachen sollten“, sagt Wachsmann. „Zwar freuen wir uns jetzt auch auf junge Bewerber, haben aber ganz bewusst auf eine Altersbeschränkung verzichtet“. Das ist ungewöhnlich und zeigt laut Wachsmann, dass man nicht nur vom Bewerber „große Offenheit“ erwarte, sondern auch die Jury mit „Neugier und Offenheit“ den Angeboten entgegenblicke.

1200 Euro im Monat erhält der "Designer in Residence"

Was erwartet den nächsten Designer in Residence? Da ist zuerst das monatliche Stipendium in Höhe von 1200 Euro sowie ein Budget für Arbeitsmaterialien. Des Weiteren hat der Designer Zugang zu den Arbeitsräumen im HfG-Archiv. Er oder sie erhält Unterstützung bei der Recherche sowie einen kostenlosen Wohnraum, unmittelbar neben der ehemaligen HfG Ulm. Die Ergebnisse des zweiten „Designer in Residence“ sollen im Rahmen der Ausstellung „Hans Gugelot: Die Architektur des Design“ in diesem Jahr noch gezeigt werden.

Diese, so Wachsmann, „tolle Gelegenheit, in Theorie und Praxis die historische HfG-Arbeit mit ganz aktuellen Herausforderungen zu verbinden“, bedeute aber auch, dass Bewerber sich in ihrer Arbeit auf einige wichtige Punkte einlassen: „Wir wünschen uns jemanden, der sich praktisch-gestalterisch mit dem Thema Design wie auch mit den Theorien der HfG auseinandersetzt“, so Wachsmann. „Durch die Industrialisierung zum gegenwärtigen Zeitpunkt haben wir einerseits die Möglichkeit, hohe Stückzahlen zu produzieren, in sehr kurzer Zeit. Zugleich sind eben durch das systematische Design auch Individualisierungen möglich. Sicherlich wünschen wir uns also auch ein Durchdenken des ganzen Entwicklungs- und Herstellungsprozesses: Mit welchen Produkten wird gearbeitet, wie steht es um Fragen der Nachhaltigkeit, wie sind die Potenziale der Weiterentwicklung, Gendergerechtigkeit. Das alles im Blick zu haben, würden wir uns von den Bewerbern wünschen.“

Diese Ausstellung gestaltete die erste "Designerin in Residence": Design zwischen alten Klischees und neuen Konzepten

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