1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Er galt als Hitler gegenüber loyal

Biografie

20.05.2019

Er galt als Hitler gegenüber loyal

Rudolf Rahn

Der Ulmer Rudolf Rahn war einer der „Täter, Unterstützer und Trittbrettfahrer“

Seit 2013 erscheinen Bände der von Wolfgang Proske herausgegebenen Buchreihe „Täter Helfer Trittbrettfahrer“, regional gestaffelt. Mit den Biografien von Ulmer und Neu-Ulmer Tätern, Unterstützern und Trittbrettfahrern des NS-Regimes befasste sich vor allem der 2013 erschienene Band 2.

Aber auch im aktuell vorliegenden Band 9, der die Biografien von 25 NS-Belasteten aus dem Süden von Baden-Württemberg zum Inhalt hat, wird die Biografie eines gebürtigen Ulmers aufgearbeitet - Rudolf Rahn, 1900 in Ulm geborener Soziologe, Diplomat, Geheimagent und Propaganda-Fachmann, der nach 1950 Geschäftsführer der Coca-Cola-Abfüllbetriebe in Düsseldorf war.

Unterschiedlicher könnten die Urteile über Rudolf Rahn kaum ausfallen, schreibt Wolfgang Proske – stellte sich Rahn mithilfe seines selbst NS-belasteten Rechtsanwalts doch als Mensch dar, der immer wieder „vernünftig mäßigend“ gewirkt habe und damit das Schlimmste verhindert habe. „Die Spruchkammer hat ihm geglaubt und nach zwei Verfahren für ‘entlastet’ erklärt“, schreibt Proske, der den Richtern vorwirft, die Selbstinszenierung des NS-Propaganda-Fachmanns nicht durchschaut zu haben, der ein geschickter Rhetoriker gewesen sei.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Rahn, der noch als Schüler aus der Kirche ausgetretene Sohn eines in Ehingen tätigen Notars, studierte in Berlin, Tübingen und Heidelberg und war ab 1928 als Attaché im Auswärtigen Amt tätig. 1933 trat er in die NSDAP ein. Wie Proske schreibt, scheint Rahn ab 1940 als Legationsrat 1. Klasse erstmals mit Deportationen – mit dem Transport von 50000 französischen Juden nach Auschwitz – direkt befasst gewesen zu sein. Als Gesandter beim deutschen Afrika-Corps forderte Rahn in Berlin die Produktion von Rundfunksendungen mit antijüdischer Tendenz und in arabischer Sprache für die „Eingeborenenbevölkerung“. „Rahn hielt alle Fäden in der Hand, ohne sich selbst die Finger schmutzig machen zu müssen“, resümiert Proske. Weil Rahn im Auswärtigen Amt wie bei Hitler selbst als sehr loyal gegolten hatte, wurde er 1943 zum Botschafter in Mussolinis Republik von Salò ernannt, von Außenminister Ribbentrop ausdrücklich ermächtigt, kommunistische Rädelsführer erschießen zu lassen. Er habe „selbstbestimmt bis hin zur Selbstherrlichkeit“ agiert, urteilt Proske über den 1975 in Düsseldorf Verstorbenen.

Weitere Kapitel des Bandes befassen sich – lesenswert geschrieben – mit den Biografien unter anderem vom Hugo Boss, der sein Unternehmen als Uniformschneider begann, mit dem Philosophen Martin Heidegger, mit dem einstigen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger und mit der Kommunikationswissenschaft-Professorin Elisabeth Noelle-Neumann. (köd)

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren