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Senden

18.05.2019

Es gibt viele Ideen für den Friedhof der Zukunft

Die Friedhöfe verändern sich, nicht nur in Senden. Neue Bestattungsformen sind gefragt und für viele Menschen sind Friedhöfe mehr als ein reiner Bestattungsort.
Bild: Angela Häusler

Bei einer Infoveranstaltung in Senden macht ein Experte Vorschläge für eine Umgestaltung der Ruhestätten. Bürger bringen sich in die Diskussion mit ein.

Weniger Pflegeaufwand, mehr Aufenthaltsqualität und neue Bestattungsformen: Diese Aspekte sind den Deutschen wichtig, wenn es um Friedhöfe geht. In Senden hat ein Experte bei einer Infoveranstaltung vorgestellt, wie die örtlichen Friedhöfe künftig aussehen könnten.

Ungefähr 60 Zuhörer kamen am Donnerstag zum Informationsabend der Stadtverwaltung ins Bürgerhaus. Die Kommune lässt derzeit ein Konzept erarbeiten, mit dem die Friedhöfe für die Zukunft gerüstet werden sollen. Es kündigen sich weitreichende Veränderungen an. Das hängt zum einen mit sehr gefragten, neuen Bestattungsformen wie naturnahe Ruhestätten unter Bäumen zusammen, zum anderen mit demografischen Entwicklungen, die in den nächsten Jahren zu einem starken Anstieg bei der Zahl der Bestattungen führen werden. Gleichzeitig aber, berichtete Fachmann Tobias Weiher vom beauftragen Planungsbüro, würde sich nach Umfragen ein Drittel der Deutschen auch außerhalb eines Friedhofs bestatten lassen, wenn die hierzulande bislang gesetzlich verbriefte Friedhofspflicht aufgehoben würde. „52 Prozent der Menschen sehen im Friedhof mehr als einen reinen Bestattungsort“, fügte Weiher hinzu, und das werde die Planung auch in der Illerstadt berücksichtigen. So gehörten zu seinen Vorschlägen Maßnahmen, die die Aufenthaltsqualität auf den Friedhöfen verbessern und auch das Bedürfnis der Besucher nach Ruhe und Andacht im Auge haben.

Auch in Senden ist mehr Platz für Urnengräber nötig

Auch in Senden sei die Anzahl der Urnenbestattungen in den vergangenen Jahren auf einen Anteil von mehr als 70 Prozent gestiegen, berichtete Weiher. Daher brauche es vermehrt entsprechende Gräber, wohingegen der Raum für Erdbestattungen geringer ausfallen kann als früher. Die Auswirkungen dieses Trends zeigen die Friedhöfe schon jetzt, zwischen den Gräbern klaffen immer mehr Leerstellen.

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Wie bereits berichtet, schlagen die Experten sowohl die Einführung von Urnengräbern in Innenräumen, etwa in den Aussegnungshallen, als auch Veränderungen der bisherigen Urnenwände vor. Die nämlich, sagte Weiher, seien vergleichsweise pflegeaufwendig und mit ihrem Design aus aneinander gereihten Baumarkt-Pflanzringen nicht unbedingt als schön zu bezeichnen. So hätten sie in der Bevölkerung auch den Beinamen „Baywa-Beton-Gedächtniswände“ erhalten. Diese wollen die Experten entfernen lassen, die Urnen selbst aber, die ja im Boden unterhalb bestattet sind, sollen an Ort und Stelle bleiben. Die Wände könnten etwa durch steinerne Bänder mit eingravierten Namen samt geeigneter Bepflanzung ersetzt werden. Urnenstelen seien ebenfalls denkbar.

Auch ein Birkenhain soll auf dem Waldfriedhof Einzug halten, schlugen die Planer vor, während sie bei St. Jodok eine Art Begegnungsbereich ums Kriegerdenkmal einplanen und auch auf diesem Friedhof naturnahe Bestattungsformen ermöglichen wollen. Und: Es brauche mehr Grabstätten, bei denen die Pflege etwa durch Gärtner oder Steinmetz als Zusatzleistung mitgebucht werden kann. Diese sollen entsprechend mehr kosten, gleichzeitig werde es aber auch Lösungen für den kleinen Geldbeutel geben, betonte Weiher.

Moslems können auf dem Waldfriedhof bestatten werden

Auch die Zuhörer hatten Anregungen. Es gebe Erdgräber mit kleinerem Pflanzbeet, ergänzte eine Bürgerin, solche seien weniger pflegeaufwendig. Ein Mann fragte nach Gräbern für Moslems. Für sie gibt es auf dem Waldfriedhof bereits einen Bereich, bislang sei dort aber niemand bestattet, sagte Weiher. Andere Bürger machten sich Sorgen um die Reinlichkeit: „Wenn das alles schön gepflegt wird, ist es in Ordnung“, sagte eine Frau. Im Moment jedenfalls sehe es an vielen Stellen furchtbar aus. Es müsse möglich sein, bei den Urnengräbern auch persönliche Gedenkfiguren aufzustellen, sagte eine andere Frau.

Kosten werden die diskutierten Maßnahmen in den nächsten Jahren „weniger als eine Million Euro“, wie Bürgermeister Raphael Bögge auf die Frage eines Zuhörers sagte. Genaue Kosten seien noch unklar, zudem bisher noch nichts entschieden. Weiter beraten wird das Friedhofskonzept, das sich bislang auf Maßnahmen für den Waldfriedhof und den Friedhof bei St. Jodok konzentriert, am 28. Mai, im Stadtrat.

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