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Neu-Ulm

09.04.2015

Familienvater prügelt Freier vor Bordell blutig

Nach dem Bordellbesuch wurde ein Mann in Neu-Ulm verprügelt.
Bild: Symbolbild, Oliver Berg (dpa)

Zwei Männer schlagen einen Gast des Neu-Ulmer Erotikparks zusammen und stehlen seine Geldbörse. Von dem angeklagten schweren Raub blieb am Memminger Landgericht aber wenig übrig.

Sie haben auf ihn eingeschlagen, ihn auf dem Parkplatz eines Neu-Ulmer Bordells mit Füßen getreten, ihm, als er auf dem Boden lag, die Geldbörse entrissen. Die Anklage der Staatsanwaltschaft hört sich wie ein Auszug aus einem Krimidrehbuch an, in dem die skrupellosen Täter vor nichts zurückschrecken, um an die Beute zu kommen.

Von den scheinbar aggressiven Schlägertypen, die in einer Septembernacht im Jahr 2013 einen arglosen Bordellbesucher zusammengeschlagen haben, war gestern vor dem Memmminger Landgericht keine Spur mehr: Ein 23-jähriger Ulmer und ein zehn Jahre älterer Laupheimer mussten sich dort wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Nur letztere blieb am Ende noch übrig – dazu trug das Opfer sogar selbst bei.

Der Polizei schilderte der 55-Jährige aus dem Ulmer Umland kurz nach der Tat den Vorfall so: Nach einem Besuch im Erotikpark habe er sich auf den Weg zu seinem Auto gemacht, als er von zwei Männern angesprochen wurde. Diese verwickelten den Mann in ein etwa 30-minütiges Gespräch. „Wir haben über alles mögliche geredet – bis es einen Schlag auf den Hinterkopf gab“, sagte das Opfer gestern. Der Polizei hat er damals erzählt, dass er mit einem harten Gegenstand niedergeschlagen worden sei. Doch gestern wusste das Opfer davon nichts mehr.

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Männer schickten ihrem Opfer später Entschuldigungsbriefe

Generell verhielt sich der Zeuge „merkwürdig“, wie Richterin Brigitte Grenzstein bilanzierte. Völlig unaufgeregt antwortete er den Fragen der Justiz – sowieso war der 1,67 Meter große Mann der Meinung: „Es gibt schlimmere Fälle. Da hab ich noch Glück gehabt.“ Dass er eine Kopfplatzwunde, zahlreiche Prellungen und Schürfwunden sowie tagelange Kopfschmerzen davongetragen hatte, kommentierte er mit: „Ich bin ziemlich robust. Bin nicht gerade ein Zuckerpüppchen.“

Völlig unbeeindruckt gab der Mann, der offenbar den Trubel um seine Person nicht ganz nachvollziehen konnte, den Verlauf des Abends wieder: Nach dem Schlag auf den Kopf sei er zu Boden gegangen, währenddessen habe einer der Männer seine Gesäßtasche weggerissen („da ist es plötzlich bissle luftig geworden“).

Danach habe er versucht zu flüchten, „bis meine Knie weich wurden“. Die beiden Männer seien ihm nachgegangen und hätten noch einmal auf ihn eingetreten, ehe er sich blutend in eine Spielothek retten konnte. Die Schläger flüchteten, wurden jedoch wenige Minuten später aufgrund der Beschreibung des 55-Jährigen gefasst.

Die Männer zeigten sich bereits in Untersuchungshaft reuig und schickten dem Opfer Entschuldigungsbriefe und insgesamt über 3000 Euro Schadensersatz. „Es tut mir unendlich leid“, sagte der 23-jährige zweifache Familienvater im Gerichtssaal. Ebenso sein zehn Jahre älterer Schlägerkumpel: „Ich bereue das und würde es gern rückgängig machen.“

Richterin: Täter sind zu keinem komplizierten Plan fähig

Die Staatsanwältin blieb unbeeindruckt von den Geständnissen. Sie plädierte auf zwei Jahre und acht Monate Haft (ohne Bewährung) für den jüngeren Angeklagten. Vier Monate weniger sah sie für den 33-Jährigen vor. Sie beharrte auf dem Vorwurf des Raubes, da sie der Auffassung war, die Schläger hätten gezielt nach der Geldbörse in der Hosentasche gegriffen. Genau das sei nicht der Fall gewesen, sagten die Anwälte. Ebenfalls sei es ein zufälliges Treffen gewesen. Beide forderten ein Jahr und sechs Monate auf Bewährung.

Das Gericht entschied sich für eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren wegen gefährlicher Körperverletzung und Unterschlagung. Richterin Grenzstein: „Wir schließen aus, dass die beiden zu einem komplizierten Plan fähig sind.“

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