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Weißenhorn

06.12.2018

Feldtörle: Fledermäuse dürfen in Bäumen bleiben

Entlang der Illerberger Straße soll ein neues Gewerbegebiet entstehen. Dafür müsste der Wald gerodet werden – doch in ihm leben viele Tiere. Um sie zu schützen, gilt es, einiges zu beachten.
Bild: Alexander Kaya

Für das geplante Gewerbegebiet „Feldtörle“ muss der Wald an der Illerberger Straße gerodet werden. Doch er ist Heimat vieler Tiere. Was Weißenhorn vorhat, um sie zu schützen.

Der Wald zwischen dem Gewerbegebiet in Weißenhorn und der Straße zur Autobahn liegt nicht unbedingt idyllisch. Eigentlich spricht deswegen erst einmal nichts dagegen, dass die Bäume einer Bebauung weichen. Weißenhorn plant an dieser Stelle seit einiger Zeit das Gewerbegebiet „Feldtörle“, dafür muss der Wald gerodet werden. Doch so wenig ansprechend die Lage sein mag: Der Wald ist wichtig für die Natur. Dort leben einige Tiere, die für den Artenschutz von hoher Bedeutung sind. Einen Zwischenstand zum Thema Naturschutz haben Planer den Weißenhorner Räten in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses geliefert. Wie Bürgermeister Wolfgang Fendt eingangs betonte, sei es das einzige Gewerbegebiet, das man zeitnah erschließen
könne. Doch das Gebiet sei nicht „ganz unkritisch“.

Damit meint Fendt nicht nur die Naturaspekte, sondern auch die Altlasten im Boden. Auf Luftbildern konnte man demnach einige Bombentrichter erkennen, die noch aus dem Zweiten Weltkrieg stammen. Diese wurden teilweise mit Bauschutt gefüllt, der belastete Boden muss als Sondermüll entsorgt werden. „Man weiß nie, ob noch Blindgänger im Boden liegen“, sagte Planerin Angelika Otto vom Ingenieurbüro Steinbacher Consult. Die Bäume müssten gefällt und deren Wurzeln mithilfe einer auf Kampfmittelbeseitigung spezialisierten Firma ausgegraben werden. Das wirkt sich auf die Kosten aus, ist aber gut machbar.

Fledermäuse und Eidechsen müssen geschützt werden

Ein „eher kritisches Thema“ sei der Artenschutz. Denn „leider“ sei es so, dass bestimmte Tiere und Pflanzen nicht geschädigt werden dürfen, führte Otto aus. Bei einer Untersuchung stellte sich heraus, dass der Wald ein hochwertiger Unterschlupf für Fledermäuse, Zauneidechsen und Frösche ist. Vor allem Bäume an den Rändern des Gebiets seien dabei von Bedeutung für die Tiere, so Otto. Deswegen schlugen die Planer vor, einzelne Waldstreifen nicht zu roden. Erhaltenswert sind in erster Linie alte Eichen im Westen, die vor allem für Fledermäuse wichtig sind. Diese Höhlenbäume dienen den Tieren als Unterschlupf und sind damit wichtig für die unter strengem Schutz stehenden Säugetiere. Gesichtet wurden unter anderem Rauhaut- und Zwergfledermäuse. Höhlenbäume stehen auch im Süden an der Illerberger Straße, doch diese sind laut den Planern nicht ganz so wichtig. Im Nordwesten hat sich nahe des Regenrückhaltebeckens ein Laubfrosch im Löschwasserteich eingerichtet. Auch um ihn zu schützen, sollen die Bäume bleiben und mit dem bestehenden Graben einen Lebensraum bilden. Entlang der Bahnlinie im Norden müsste ein Streifen neben den Gleisen unbebaut bleiben, da dort eine Zauneidechsenpopulation gefunden wurde.

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Der restliche gerodete Wald muss eins zu eins ausgeglichen werden, das sind rund 14,8 Hektar Fläche. Bisher gibt es lediglich für circa die Hälfte Ersatz. Deswegen wird das Gewerbegebiet in zwei Bauabschnitte geteilt und auch der Bebauungsplan so dargestellt wird. Im nördlichen Bereich kann mit einem Satzungsbeschluss sofort Baurecht erlangt werden, der zweite Abschnitt folgt, wenn die Ausgleiche nachgewiesen werden können.

Das Herz lacht beim Blick auf Weißenhorn

Herbert Richter (SPD) empfand das Thema als sehr wichtig. „Wir brauchen Gewerbeflächen und haben sonst nichts.“ Er gab zu bedenken, auf die Nachbarn zu achten, denn das Gebiet sollte keine weitere Belästigung sein. Thomas Schulz (SPD) regte an, eine Erschließung von der Illerberger Straße aus zu prüfen und die Gebäude höher zu bauen, um Flächen zu schonen. Bürgermeister Fendt gab zu bedenken: „Wenn ich jetzt auf Weißenhorn zufahre, lacht mein Herz – ob das auch mit fünfstöckigen Häusern so sein wird, ist fraglich.“ Details wie die Gebäudehöhe bespreche man im Laufe des Bebauungsplanverfahrens.

Michael Schrodi (CSU) fragte, ob die Grundstücke überhaupt später bezahlbar seien durch hohe Kosten für die Entsorgung der Altlasten. Derzeit verkaufe die Stadt den Quadratmeter Gewerbefläche für 65 bis 70 Euro, so Fendt. Die Erschließung sei heute natürlich etwas teurer, da auch Planer und Baufirmen mehr kosteten. Die Räte beschlossen, den Bebauungsplan weiter voranzutreiben. Zudem regten sie, die Ausgleichsflächen möglichst an einem Stück zu schaffen. Gegen den Bebauungsplan stimmten Ulrich Hoffmann (ÖDP) und Ulrich Fliegel (Grüne), da sie nicht fast 15 Hektar Wald roden lassen wollen.

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