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Neu-Ulm/Finningen

24.01.2019

Finningen: Ein Dorf und seine bewegte Geschichte

Dem Neu-Ulmer Stadtteil Finningen – hier mit der Pfarrkirche St. Mammas – ist eine Chronik gewidmet, die am 2. Februar im Schützenheim vorgestellt wird.
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Dem Neu-Ulmer Stadtteil Finningen – hier mit der Pfarrkirche St. Mammas – ist eine Chronik gewidmet, die am 2. Februar im Schützenheim vorgestellt wird.
Bild: Alexander Kaya

Nach der 700-Jahr-Feier bekommt Finningen jetzt auch eine eigene Chronik. Das Werk beschreibt das Leben der Menschen, wichtige Daten und dramatische Ereignisse.

Ursprünglich hätte das Buch später erscheinen sollen, und eigentlich hätte es dann sogar früher herauskommen sollen: Zum 50. Jahrestag der Eingemeindung Finningens nach Neu-Ulm gedacht, sollte die Chronik des Neu-Ulmer Stadtteils in der Reihe der Dokumentationen des Stadtarchivs Neu-Ulm im Jahr 2020 auf den Markt kommen. Dann war das 700-jährige Jubiläum der ersten urkundlichen Erwähnung Finningens, gefeiert im vergangenen Jahr, das Ziel. Nun liegt die Chronik des Stadtarchivs vor. Auch optisch hochwertig aufgemacht, erzählt sie auf 408 Seiten und aufwendig illustriert von Menschen und Geschichte eines Fleckens, der seit der Jungsteinzeit bewohnt ist. Vorgestellt wird die Chronik am Samstag, 2. Februar, um 19.30 Uhr im Finninger Schützenheim.

Es ist ein weiter Bogen von den frühen Funden auf Finninger Gemarkung bis heute, bis zum Leben im Stadtteil im 21. Jahrhundert. Auf viele für das dörfliche Leben entscheidende Momente spielt das Buch an – auf jenen Tag im Jahr 1915, als erstmals das Postbusauto im Dorf hielt, auf den 29. Juli 1910, als in Finningen erstmals elektrisches Licht leuchtete, oder auf den 29. Mai 1943, als ein in Schwaighofen gestartetes Flugzeug der deutschen Luftwaffe unvermittelt über Finningen abstürzte, ein Haus in der Dorfstraße beschädigte und dann in das dem Maurer Thaddäus Feuerstein gehörende Nachbarhaus einschlug. Feuersteins Haus wurde zerstört und brannte ab, seine drei Töchter Hildegard, Theresia und Anna kamen ums Leben.

Chronik über Neu-Ulms Stadtteil Finningen wird im Februar vorgestellt

Bürgermeister Finningens werden in der Chronik zurückverfolgt bis ins 17. Jahrhundert, zum ersten namentlich bekannten Schultheiß Matthäus Geiger, der 1697 starb; die Namen der Seelsorger sind bis ins 15. Jahrhundert zurück bekannt, der früheste erwähnte Pfarrer war Johannes Feldsalb.

Und immer wieder ist es der Kirchberg, der Finninger Geschichte schrieb. Der Kirchberg, auf dem nicht nur die einzige dem heiligen Mammas geweihte Kirche Deutschlands steht, sondern auf dessen Nordwesthang in einer Schuttschicht vorgeschichtliche, früh- und hochmittelalterliche und vor allem römische Funde (Münzen, Keramik und Bruchstücke von Heizungsrohren und farbig bemaltem Wandverputz) geborgen wurden. Die etwa vom ersten bis ins dritte Jahrhundert existierende römische Siedlung dürfte wohl oben auf dem heutigen Kirchberg bestanden haben – und der barg auch zu Römerzeiten ein Heiligtum oder einen Tempel.

In der Chronik lässt sich Vieles über Kriegszeiten nachlesen

Schon 1857 wurde ein Bronzeblech gefunden, durch dessen Entdeckung eine römische „Finningerin“ bekannt ist: Eine Frau, die wohl Paternia hieß, erfüllte mit dieser Votivtafel ein Gelübde, so die erhaltene Inschrift. Das zu der römischen Siedlung gehörende Gräberfeld ist noch nicht entdeckt worden, wird jedoch an der Donausüdstraße vermutet, die zur Zeit des Kaisers Claudius in der ersten Hälfte des ersten Jahrhunderts nach Christi Geburt gebaut wurde und die an Finningen vorbei führte. Wie Finningen zu Lebzeiten jener Paternia hieß? Ob Finningen das vom griechischen Geografen und Philosophen Ptolemäus erwähnte Phaeniana ist, das bei Ulama an der nördlichen Grenze der Provinz Räetien gelegen haben soll, oder ob der Ortsname auf einen Alamannen, der „Finno“ geheißen haben könnte, zurückzuführen ist, darüber ist trefflich streiten. Denn die Siedlungsaktivität in Finningen ist schon in den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt durchgehend: Die erste Finninger Kirche wurde auf den Fundamenten und wohl mit Steinen eines römischen Wachtturms gebaut, in dem – Münzfunden gemäß – noch im fünften Jahrhundert römische Soldaten ihren Dienst getan hatten.

Viel Spannendes birgt die Chronik über die häufig wechselnden Lehens- und Besitzverhältnisse, über Kriegszeiten und über das Leben der Menschen in den Zeitläufen. Um Bauern und Handwerker geht es, um Trinker und Mörder – und um eine kleine örtliche Berühmtheit: 1861 gehörte der 88-jährige Finninger Joseph Angermayer zu jenen zwölf Greisen aus ganz Bayern, denen am Gründonnerstag jenes Jahres König Maximilian II. Joseph im Herkulessaal der Münchner Residenz die Füße wusch. Der König kleidete und speiste die Greise und beschenkte sie mit Geld.

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