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Kleinkunst

10.05.2012

Flugfische erzeugen Gänsehaut

Literatur und Musik: die „Flugfische“ im Café Animo.
Bild: Michael Peter Bluhm

Die Melange von Literatur und Musik in Quintettformation zündet im Café Animo

Ulm Kann man Charles Bukowski an die Wand spielen? Eindeutig ja, wenn man den literarischen Abend der „Flugfische“ im hoffnungslos überfüllten Café Animo gesehen hat. Da spielen die furiose Karin Probst und Uwe Nepomutzky ein ausgebranntes Paar im Ehebett in der Senkrechten – die Wand ist das Bett – und zicken und zoffen, dass der amerikanische Gossendichter – Gott hab ihn selig – an seinem Stück seine Freude hätte.

Dieser Abend war eine höchst vergnügliche Lehrstunde, wie man hohe Literatur mit anspruchsvoller Musik und vollendeter Schauspielkunst unter ein Dach bringen kann, der unter dem Motto „Wie das Leben garantiert misslingt“ stand.

Unter Regie von Karin Probst wurde dieses Thema gründlich ausgeleuchtet: Botho Straußens Lotte Kotte folgte auf den Westside-Story-Song „Somewhere“, so unterschiedliche Genres wie Theodor Storms Hyazinthen wurden mit der „Pest“ von Camus vermengt, das einstündige Potpourri verließ nie das hohe Niveau, ohne auch nur eine Sekunde zu langweilen. Das lag auch an der eleganten musikalischen Beilage, die auch den härtesten literarischen Brocken gut verdauen ließ: Dafür sorgte das meisterliche Duo Gudrun Roth (Cello) und Michael Weigler (Kontrabass) mit der notwendigen Sensibilität.

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Der Höhepunkt des Abends war die höchst eigenwillige Wiedergabe von Jacques Brel‘s unvergessenen Chanson-Hit „Bitte geh nicht fort“ durch die beiden Musiker und Karin Probst als sensible Sängerin. Es hörte sich an, als hätte der Magier unter den amerikanischen Komponisten, John Cage, da posthum bei der Interpretation von Brel mitgewirkt. Man konnte die Gänsehaut fühlen. Wie man am Scheitern getreu dem Abendmotto mal melancholische, mal diebische Freude haben kann, bewiesen die wunderbaren Interpreten in diesem passenden Ambiente des Cafés, das quasi aus dem Nichts zu einer Kultur-Perle Ulms geworden ist. Die Flugfische nennen sich die fünf Künstler mit Ulmer Bezug, Silke Knäpper, Uwe Nepomutzky, Karin Probst, musikalisch und atmosphärisch begleitet von Gudrun Roth und Michael Weigler nach einem Gedicht des Dadaisten Hugo Ball.

Karin Probst als Herz der Flugfische

Auf ihre imaginären Flossen und Flügel haben sie geschrieben, nach seltenen Textperlen zu tauchen, Literatur unterschiedlicher Stile und Zeiten zu präsentieren, sich in kulturelle Grenzbereiche zu begeben. Regiefisch bzw. Herz dieser kleinen Re(e)derei ist Karin Probst als gelernte Schauspielerin mit Engagements am Schauspielhaus Hamburg und an der Bremer Shakespeare Company. Wenn sie nicht als Flugfisch unterwegs ist, arbeitet sie als Business-Coach in der FU Berlin.

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