Ulm

23.07.2015

Gemeinsame Spitze

Bei „Das Filmportrait“ von Boris Chykulay und Tatiana Korol schauen Ulmer in die Kamera – auch dieses Mädchen.
Bild: Andreas Brücken

Die „Triennale Ulmer Kunst“ präsentiert in der Kunsthalle Weishaupt einen attraktiven Querschnitt durch das künstlerische Schaffen der Region – und ist dabei ganz schön international.

Grund für den Ortswechsel war der 60. Geburtstag der Triennale, wie Direktorin Gabriele Holthuis vom Ulmer Museum erklärt: „Wir wollten einmal woanders sein – und wir wollten das Jubiläum nachbarschaftlich feiern.“ Nicht geändert hat sich das Interesse seitens der Kreativen: 350 Arbeiten von 150 Künstlern waren im Vorfeld eingereicht worden. Etwa ein Drittel, circa 100 Arbeiten von mehr als 50 Künstlern, hat es in die Endauswahl geschafft: Viel und sehr unterschiedliches Material, welches das Kuratorenteam im ersten Stock der Kunsthalle in Zusammenhänge bringen musste. Gelungen ist dies durch eine lockere thematische Gliederung. Der erste Raum widmet sich dem Menschen im weitesten Sinn: Es geht um Körper, Emotion, aber auch sinnliche Erfahrbarkeit. Die schemenhaften Figuren des in Ulm ansässigen Franzosen Patrick Nicolas treffen auf eine archaische „Ruhende“ von Bertram Bartl und gleich drei Großformate der Serie „Vom natürlichen Verhalten“ von Dorothee Herrmann.

Was auch bei dieser Triennale auffällt: Die Jury hat keineswegs die bekannten Namen herausgepickt, sondern die interessanten Positionen – ohne Ansehen der Vita. Dadurch haben erneut auch Quereinsteiger den Sprung in die Ausstellung geschafft: etwa ein Foto der 1998 geborenen Weißenhornerin Isabelle Konrad, auf dem sich die jüngste Triennale-Teilnehmerin mit Wasser durch den Kopf laufen zu lassen scheint. Eine von mehreren surreal-verrückten Arbeiten im zweiten Raum, der von Johanna Knöpfles Papierfetzen-Teppich „Die Erinnerung“ dominiert wird. Eigentlicher Hingucker ist aber eine Videoarbeit: „Das Filmportrait“ von Boris Chykulay und Tatiana Korol, für die das Duo Menschen aus Ulm vor der Kamera bat, um für die Länge eines Musikstücks nur still ins Objektiv zu schauen, darunter auch Oberbürgermeister Ivo Gönner. Dem übrigens nach einiger Zeit die Geduld ausgeht.

Raum vier beschäftigt sich mit Fotografie, Architektur und dem Raum an sich. Michael Danner hat ein umgedrehtes Modell des Münsterturms ersonnen, das mit dem Hubschrauber „Spitze auf Spitze“ über dem Original platziert wird. Mit einem Konzept, das sie erst vor Ort umsetzen konnte, hat es Esther Hagenmaier in die Auswahl geschafft: Sie macht mit einer Raumzeichnung eine Nebenkammer sichtbar – lobenswert, dass die Jury auch solchen, zunächst abstrakten Projekten eine Chance gegeben hat.

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Der letzte Teil der Ausstellung gehört geometrischen und seriellen Arbeiten. Besonders überzeugend: Sabine Rueß’ mit Nadeln und Faden erstelltes Bewegungsprofil von Menschen auf dem Münsterplatz, Heidemarie Ziebandts von der Op-Art inspirierte Tafeln aus Zuckerstücken und eine weitere starke Videoarbeit: der Trickfilm „Shift“ von Max Hattler, eine Mischung aus Retro-Flipper und Bauhaus-Ästhetik. Von mehreren internationalen Arbeiten bei der Triennale wahrscheinlich die internationalste: Der gebürtige Ulmer Hattler lebt und arbeitet in Hong Kong.

Ausstellung: Eröffnung, Freitag, 24. Juli, um 19 Uhr in der Kunsthalle Weishaupt. Die Triennale läuft bis 20. September.

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