Newsticker

Bayerns Ministerpräsident Söder will Corona-Regeln in Kommunen an Grenzwerte koppeln
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Glänzende Geschäfte?

Ulm/Neu-Ulm/Senden

23.12.2016

Glänzende Geschäfte?

Vor anderthalb Jahren eröffnete die Glacis-Galerie direkt gegenüber der Ludwigstraße. Centermanager Tim Mayer ist froh, dass Aktionen wie eine Stunde kostenloses Parken bei den Kunden ankamen.
2 Bilder
Vor anderthalb Jahren eröffnete die Glacis-Galerie direkt gegenüber der Ludwigstraße. Centermanager Tim Mayer ist froh, dass Aktionen wie eine Stunde kostenloses Parken bei den Kunden ankamen.

Sehr unterschiedlich fällt die Bilanz der Einzelhändler aus. Für wen es gut lief, für wen nicht, was die Probleme sind und was diese für die Zukunft bedeuten.

Das Weihnachtsgeschäft, das bis zu einem Viertel der Jahresumsätze im Einzelhandel ausmacht, ist auf den letzten Metern der Zielgeraden. Die Bilanz in den Geschäften fällt äußerst gemischt aus. Ein Überblick unter Vorbehalt. Denn der umsatzstärkste Tag des Jahres steht dem Einzelhandel wohl am heutigen 23. Dezember bevor.

Die sehr Zufriedenen In Zeiten eines wachsenden Online-Handels sind diese ziemlich rar. Generell gehört nach Meinung von Branchenexperten der Bereich „Living“ dazu. Neben bekannten Ketten wie Depot und Butlers ist im Haushaltswaren und Deko-Bereich das Ulmer Traditionsgeschäft Abt führend. „Wir liegen auf hohem Niveau, leicht im Plus“, sagt Geschäftsführer Hermann Hutter. Nicht zuletzt, weil die Feiertage im Dezember so liegen, dass es mehr umsatzstarke Verkaufstage gebe als im Vorjahr.

Mehr als leicht im Plus liegen die Umsatzzahlen des eigenen Abt Online-Shops. Um das zweieinhalbfache Prozent seien die Verkäufe hier im Vergleich zum Vorjahr nach oben geschnellt. Bereits 35 Prozent seines Umsatzes mache Abt im Internet.

Glänzende Geschäfte?

Dass sich auch kleinere inhabergeführte Geschäfte gegen die vermeintlich übergroße Konkurrenz der Städte und aus dem Internet durchsetzen können zeigt beispielhaft das Modehaus Bausch in Pfaffenhofen. „Wir sind sehr zufrieden“, sagt Christoph Engelmayer. Das Erfolgsgeheimnis: Mit Angeboten von Modeschauen bis Kochkursen bietet das Duo Christine Bausch-Zwerenz und Engelmayer dem Kunden einen Gegenentwurf zum anonymen Internet und den großen Filialisten.

Die ziemlich Zufriedenen In der Glacis-Galerie lief es nach Aussage von Centermanager Tim Mayer deutlich besser als im vergangenen Jahr. Dem neuen Herr über das Einkaufszentrum mit knapp 90 Geschäften war der Druck durch schlechte Noten der Mieter (wir berichteten) bewusst: Ein Aufwärtstrend sei wichtig. Den Sportgeschäften macht der Schneemangel zu schaffen: „Der Skibereich war am Anfang schwach, zieht jetzt zum Schluss aber auch deutlich an nachdem jetzt in fast allen Skigebieten die Skisaison eröffnet wurde“, sagt Rainer Wolf von Intersport Wolf in Weißenhorn. Im Großen und Ganzen sei er zufrieden.

Ähnlich sieht es bei Sport-Sohn in Ulm und Neu-Ulm aus: „Wintersport schwächelt, die anderen Abteilungen laufen gut, speziell Outdoor und Running sind erfreulich“, so Geschäftsführer Christoph Holbein. Von einem „guten Weihnachtegeschäft“ auf Vorjahresniveau spricht Faruk Begovic, der geschäftsführende Gesellschafter des Elektronikfachmarktes Saturn in Senden. Sicher ist sich der Saturn-Chef, dass das Weihnachtsgeschäft 2017 noch besser wird. Denn im September eröffnen im Iller-Center in Senden vier neue große und vier kleinere Geschäfte auf der Ex-Röther-Fläche.

Ulms Citymanager Henning Krone zeichnet ein differenziertes Bild: Neben dem Haushaltswarenbereich seien Branchen wie Parfümerie, Kinderspielzeug, Elektronik, Fotografie und Gastronomie zufrieden. Luft nach oben gebe es im Bereich Sport, Bekleidung und Schuhe. Ein Problem: Parkplätze sind in Ulm gerade Mangelware. Dies ist vor allem an den Adventssamstagen spürbar. Die innerstädtischen Parkhäuser seien ab 11 Uhr meist voll belegt. Daher sei die kostenfreie Nutzung im Ulmer und Neu-Ulmer Stadtgebiet von Bus und Straßenbahn eine sehr gute Aktion der Stadt Ulm gewesen. Dies habe 11000 zusätzliche potenzielle Kunden pro Adventssamstag in die Doppelstadt gebracht.

Die Unzufriedenen Wir haben keinen Einzelhändler gefunden, der seinen Namen im Zusammenhang mit einem deutlichen Abwärtstrend lesen will. Offiziell ist immer alles super. Doch - unter der Hand– klagen rund um Ulm viele Geschäfte. Insbesondere der Textilhandel leidet massiv unter der Konkurrenz aus dem Internet. Von Rückgängen von bis zu 30 Prozent ist inoffiziell die Rede. Geklagt wird auch über einem ruinösen Wettbewerb, den die eigenen Zulieferer auslösen. Denn wenn große bekannte Marken in ihren Online-Shops schon im November die Ware massiv reduzieren, kann der stationäre Händler – der oft horrende Mieten zahlen muss – nicht mithalten.

Abt-Chef Hermann Hutter, der auch Präsident des Handelsverbandes Baden-Württemberg ist, hält einen Wandel der Einzelhandelslandschaft für unausweichlich. „Geschäfte, die langweilig sind, werden verschwinden.“ Um die durchs Internet bestens vorinformierten Menschen in die Städte zum Einkauf zu bewegen, müssten sie mehr bieten als konkurrenzfähige Preise: Erlebnis.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren