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Neu-ulm

23.01.2019

Gnadenfrist für das Ost-Ampelmännchen in Neu-Ulm

Vorerst darf das Ost-Ampelmännchen in Neu-Ulm bleiben.
Bild: Alexander Kaya

Obwohl das Ost-Ampelmännchen in Bayern gegen die Vorschriften verstößt, darf es in Neu-Ulm bleiben – vorerst.

Ein kleiner Mann hält die Behörden auf Trab: das Ost-Ampelmännchen. An insgesamt 21 Fußgängerampeln in Neu-Ulm hat der leicht korpulente Hutträger das herkömmliche „West-Männchen“ verdrängt. Jahrelang störte sich niemand daran, im Gegenteil – bis zum Herbst vorigen Jahres. Ein Bürger beschwerte sich bei der Regierung von Schwaben, denn in Bayern ist das Ost-Ampelmännchen nicht zulässig – mag es bei vielen Verkehrsteilnehmern auch noch so beliebt sein. Nach einigem Hin und Her zeichnet sich jetzt ein Kompromiss ab – für die Ampeln mit Ostalgie-Charme gibt es eine Gnadenfrist.

Briefwechsel zwischen Neu-Ulmer OB und Regierungspräsident

Wie Pressesprecherin Sandra Lützel am Dienstag mitteilte, gab es in Sachen Ampelmännchen einen Schriftverkehr zwischen Neu-Ulms Oberbürgermeister Gerold Noerenberg und Regierungspräsident Erwin Lohner. Letzterer habe sich schließlich damit einverstanden erklärt, dass die bestehenden Ost-Ampelmännchen in Neu-Ulm bleiben dürfen – und zwar so lange, bis sie kaputt gehen oder die Signalanlagen aus einem anderen Grund ersetzt werden müssen. Bei neuen Ampeln dürfen keine Ossi-Schablonen mehr eingesetzt werden. Da Experten im Rathaus die durchschnittliche Lebensdauer einer Ampel mit 15 bis 20 Jahren angeben, dürften die Anhänger der Ost-Ampelmännchen in Neu-Ulm sich noch eine ganze Weile an deren Anblick erfreuen. Exemplare stehen beispielsweise an der Glacis-Galerie, bei der Post in der Gartenstraße oder am Donau-Center. Und wer weiß: Vielleicht gibt es in Zukunft ja eine bundesweit einheitliche Regelung für alternative Ampelsymbole? Darauf setzt beispielsweise auch der Pferde- und Äffle-Club Ulm, der in der Doppelstadt gerne Ampeln mit dem Konterfei der TV-Trickfiguren sehen würde (wir berichteten).

Erfunden wurde das Ost-Ampelmännchen von Karl Peglau

Wie ein Ampelmännchen auszusehen hat, ist in der Richtlinie für Signalanlagen (Rilsa) festgelegt, die von der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen in Köln herausgegeben wird. Demnach sind bundesweit die alten West-Ampelmännchen und die noch etwas abstrakteren und schlankeren Euro-Männchen als amtliches Symbol an Fußgängerüberwegen vorgeschrieben. Den neuen Bundesländern wurde zugestanden, dass sie weiterhin den Ost-Ampelmann verwenden dürfen, der in den 60er Jahren von dem Verkehrspsychologen Karl Peglau entworfen wurde. In Bayern hat das Innenministerium in seinem Einführungserlass zur „Rilsa“ vom 2. Dezember 2015 dagegen festgehalten, dass im Freistaat nur die amtlichen Symbole zu verwenden seien. Wenn eine Stadt dagegen verstößt, schreitet die Regierung von Schwaben ein: „Die Aufsichtsbehörden haben auf eine gesetzesmäßige Ausgestaltung der Lichtsignalanlagen hinzuwirken.“

Die Neu-Ulmer sind froh über die vorläufige Duldung des Ost-Männchens, auch aus Gründen der Verkehrssicherheit: Nach einer Studie der Jacobs University Bremen aus dem Jahr 2013 wird die Figur mit Hut von Fußgängern besser wahrgenommen als sein westdeutsches Pendant.

Auch zwei andere Figuren haben ihre Anhänger in Ulm und Neu-Ulm: Die Fans von „Äffle und Pferdle“ lassen nicht locker

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