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01.10.2020

Golden Tulip: Was Neu-Ulm bleibt, sind nur Träume

Die durch den Hotelverband verliehenen vier Sterne am Neu-Ulmer Ex-Golden-Tulip-Hotel sind längst abmontiert.

Plus Das traditionsreiche Neu-Ulmer Parkhotel wurde jetzt gegen die Wand gefahren. Daran, dass es so weit kommen musste, ist der Besitzer der Immobile schuld. Der muss jetzt liefern.

Der Inhaber des Ex-Golden-Tulip-Hotels hat es verstanden, in kürzester Zeit viel Porzellan zu zerschlagen. Die dreimonatige Frist, in der die Mitarbeiter Insolvenzausfallgeld erhielten, ließ er verstreichen. 50 Beschäftigte blicken in eine ungewisse Zukunft. Dabei hätte die in Dortmund ansässige Anter-Group alle Trümpfe in der Hand gehabt, das Hotel zu retten und dennoch einen fetten Gewinn einzustreichen. Denn die 10,5 Millionen Euro, die ein bekannter Ulmer Gastronom bereit war zu zahlen, liegen weiter über den grob sieben Millionen, die einst die Anter-Group an den Vorbesitzer, eine verschachtelte Hotelgesellschaft, überwies.

Die Pläne der Anter-Group mit dem 240-Zimmer-Bau sind – zumindest – fragwürdig. Denn, was eigentlich als eine Art Werbeverkaufsfahrt für künftige Mitarbeiter gedacht war, erwies sich offenbar als kontraproduktiv: Das einzige Hotel der Gruppe im Ruhrgebiet – Ziel der Ausfahrt – erinnert eher an einen Puff, denn einen seriösen Betrieb. Fragen dazu beantwortet die Gruppe nicht. Und kündigt gleich an, dies auch in Zukunft nicht zu tun. Hotelexperten halten es für unwahrscheinlich, dass ein vergleichsweise kleiner Betreiber in einem durch Corona eher schrumpfenden Markt sich einen Gefallen getan hat, in dem er ein erfahrenes Team auf die Straße setzt und nun den Übernachtungsbetrieb selber in die Gewinnzone bringen muss.

Porzellan hat der Immobilienbesitzer auch im Verhältnis zur Stadt Neu-Ulm zerschlagen. Der favorisierte reibungslose Übergang wurde knallhart verfehlt: Die Stadt Neu-Ulm schaut nun als Pächter des Restaurants Edwin‘s in die Röhre und sieht gleichzeitig auch Fragezeichen in der Zukunft des Kultur- und Tagungszentrums. Edwin-Scharff-Haus, Hotel und Restaurant sind nicht voneinander zu trennen. Kein Hotel ohne Gastronomie, keine Großkongresse ohne Hotel. Das ganze Konstrukt von Neu-Ulm als Austragungsort von lukrativen Veranstaltungen wie den Beton-Tagen oder dem wehrmedizinischen Kongress ist in Gefahr.

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Aus Sicht der Stadt Neu-Ulm bleibt zu wünschen, dass der Insolvenzverwalter sich irrt. Dass der Immobilienbesitzer viele, viele Millionen in das Ex-Golden-Tulip steckt und das Parkhotel in Glanz und Gloria wiederauferstehen lässt. Am besten mit dem alten Mitarbeiterteam, das er zu gleichen Konditionen einstellt. Nicht als eine Art Stundenhotel mit Striptease-Stangen in den Zimmern. Sondern als Juwel an der Donau, dass das Tagungszentrum stärkt. Die Realität droht eine andere zu werden.

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