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Ulm

16.01.2019

Großbaustelle im Herzen des Ulmer Münsters

Weißenhorner Hilfe für das Ulmer Münster: Bei der Restaurierung des Chorgewölbes des Ulmer Münsters planten Peri-Ingenieure eine Gerüstkonstruktion, die seit Montag aufgebaut wird.
Bild: Alexander Kaya

Im Chorraum der Kirche errichtet das Unternehmen Peri ein riesiges Gerüst bis unter die Decke. Mit Sponsoren aus der Industrie spart die Gemeinde viel Geld.

Im Allerheiligsten scheppert es dieser Tage gewaltig. Im Chorraum des Ulmer Münsters wird seit Montag ein gewaltiges Gerüst aufgebaut. Wenn es fertig ist, ermöglichen die Peri-Bauteile, dass Münsterbaumeister Michael Hilbert in jede Ritze der Decke in 26 Metern Höhe blicken kann. Und das ist dringend notwendig: Denn wie berichtet, bröckelt seit September des vergangenen Jahres immer wieder Putz von der Decke. Grund dafür ist letztlich eine 500-Kilo-Bombe, die im Zweiten Weltkrieg das Münsterdach durchschlug – glücklicherweise aber nicht explodierte.

Zerstörte „Rippen“, also eine Art Streben zwischen der verputzten Decke, wurden nach dem Krieg nicht aus Sandstein, sondern aus Eisenbeton nachgebaut. Neue Rippen aus gehauenem Stein kommen nicht infrage, so Hilbert – „viel zu aufwendig“. Doch der Putz muss erneuert werden. Der Münsterbaumeister schätzt, dass auf insgesamt etwa 100 Metern entlang der Rippenbögen mit lockeren Stellen gerechnet werden muss. Der eigentliche Grund für den bröckelnden Putz, der am 20. September vergangenen Jahres mit einem 250-Gramm-Stück, das aus 26 Metern auf den Boden stürzte, akut wurde, ist freilich der Weltkriegsschaden. Doch das Fass zum Überlaufen brachte der extrem heiße Sommer. Über Wochen sei es dort oben hoch über dem Chorgestühl über 30 Grad warm gewesen, manchmal sogar bis zu 40. Die Hitze sei zwar gut gegen Schimmel, trockne aber den Putz aus.

Firma Peri aus Weißenhorn unterstützt das Ulmer Münster

Wie Hilbert betont, werden die etwa 300000 Euro teuren Arbeiten nicht aus optischen Gründen gemacht. „Sie dienen dem Schutz der Besucher.“ Damit auch künftig der Chorraum ohne Bauhelm betreten werden kann, sollen die neu eingesetzten, mit Vlies umhüllten Putzteile mittels dünner Edelstahlarmierungen in der Decke verankert werden. Außerdem plant Hilbert, zwischen Putz und Rippenbögen eine von außen nicht sichtbare Trennfuge aus Hanf einzubauen. Denn so könnten sich die unterschiedlichen Materialien bei Temperaturschwankungen ausdehnen, ohne dass es zu Abplatzungen kommt.

Derzeit stellen Arbeiter der Firma Mack das Gerüst aus dem Hause Peri auf. Und das ist groß: Der Chorraum umfasst 13000 Kubikmeter umbauten Raum. Das bedeutet, dass 15 bis 17 durchschnittliche Einfamilienhäuser dort Platz finden würden. Die Weißenhorner Firma stellte die Gerüstteile kostenlos zur Verfügung – 100000 Euro spare sich so die Münsterbauhütte.

Schon früher halfen Sponsoren aus der Industrie

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Münsterbauhütte Sponsoren aus der Industrie ins Haus holt: Speziell geschulte Industriekletterer des Reinigungsexperten Kärcher reinigten im Herbst die Wände des Chorraums von ihrer Schmutzschicht. Der Einsatz mit Rückensaugern, Handdüsen und besonders weichen Naturhaarbürsten wurde vollständig von Kärcher finanziert, die im Gegenzug mit spektakulären Fotos der Kärcher-Mitarbeiter aus dem Chorraum werben dürfen.

Auch Peri, der Weißenhorner Weltkonzern, heftet sich gerne regionale Münster-Sponsoring-Aktivitäten aufs Revers. Bei der Restaurierung des Chorgewölbes des Ulmer Münsters realisieren Peri-Ingenieure die komplexe 3D-Gerüstplanung mithilfe modernster Technik. Die „BIM Methodik“ (BIM = Building Information Modeling) kommt sonst eher selten bei gotischen Bauten zum Einsatz. Mangels Bestandsplänen wurde mit BIM-Hilfe der Innenraum des Chores mittels Laser-Scanner erfasst und in ein 3D-Bauwerksmodell überführt. So konnten bereits in der frühen Planungsphase mögliche Kollisionen mit der erhaltungswürdigen Bausubstanz oder dem wertvollen Chorgestühl bei der Montage des Arbeitsgerüstes ausgeschlossen werden.

Für Peri ist das derzeit in Bau befindliche Gerüst dennoch nicht das größte, das die Firma je am Münster errichtete. Zur Sanierung des 161,53 Meter hohen Hauptturms reicht das Arbeits- und Schutzgerüst 71 Meter in die Höhe. Und das inklusive einer Schwerlastplattform zum Zwischenlagern der bis zu 1,5 Tonnen schweren Steine. Wenn alles glattläuft, soll das kleinere Chor-Gerüst bis Dezember wieder abgebaut sein. Die Bessererkapelle bleibe bis dahin nicht zugänglich. Denn, so Hilbert, Großbaustelle und Besucherverkehr vertragen sich nicht.

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