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Landkreis Neu-Ulm

17.07.2020

Handwerker fordern: Antennen aufbauen, Bürokratie abbauen

Vertreter der IHK und der Kreishandwerkerschaft zusammen mit Georg Nüßlein in Weißenhorn, wo das gemeinsame Gespräch stattfand.
Bild: Sophia Huber

Plus Vertreter der Handwerksunternehmen und der IHK sprechen mit dem Bundestagsabgeordneten Georg Nüßlein über ihre Sorgen.

Langsam aber stetig gehe es mit der regionalen Wirtschaft bergauf, sagte Kreishandwerksmeister Michael Stoll am Donnerstag bei einem Gespräch mit Georg Nüßlein. Trotz der positiven Stimmung haben die Vertreter des Handwerks aus den Landkreisen Neu-Ulm und Günzburg und die Vorsitzenden der Industrie- und Handelskammer (IHK) Forderungen an den CSU-Bundestagsabgeordneten gestellt. Sie wollen: Planungssicherheit bei der Energieversorgung, niedrigere Strompreise, besseres Netz und weniger Bürokratie, besonders für kleine Betriebe. Die Unternehmer haben alle die gleichen Sorgen.

Die IHK-Vorsitzenden wollen wissen, was mit den Kernkraftwerken passiert

„Wir haben die höchsten Strompreise weltweit und keiner weiß warum“, sagte Oliver Stipar, IHK-Regionalgeschäftsführer und brachte die Energiewende ins Gespräch, die sich auch auf die regionalen Betriebe auswirkt. „Denn wie wird das, wenn das Werk in Gundremmingen komplett abgeschaltet wird?“, fragte Stipar weiter. Michael Stoll stellte eine ähnliche Frage, die keiner beantworten konnte: „Kommt das Kraftwerk in Leipheim, gibt es den Ausgleich für Gundremmingen, machen die SWU und die RWE was?“ Aus Sicht der Wirtschaft fehle bei der Energiewende die Sicherheit für die Unternehmen.

Nüßlein verstand die Sorgen von Handwerk und Handel. „Die Energiewende kostet uns 24 Milliarden im Jahr, Tendenz steigend“, stellte der CSU-Politiker stirnrunzelnd fest. Natürlich sei das eine Belastung für die deutsche Industrie und das Handwerk, die dafür zahlen müssen. „Wir brauchen einen Industriestrompreis“, sagte der Bundestagsabgeordnete weiter. Aber die ganze Geschichte bereite ihm Kopfzerbrechen.

Das Mobilfunknetz müsse auch in der Region besser werden

Veränderungen gibt es aktuell nicht nur energiepolitisch, sondern auch in der Digitalisierung. Die Corona-Krise habe dabei einige Prozesse beschleunigt, wie Nüßlein bestätigte: „Mittlerweile kann man bei unseren Videokonferenzen auch erkennen, mit wem man spricht.“ Dennoch sei das Netz in der Region ein großes Problem. Der Bundestagsabgeordnete wolle beim nächsten Koalitionsvertrag einbringen, dass es ein lokales Roaming geben soll, wenn die Mobilfunkfirmen es nicht schaffen, die Antennen zu bauen: „Der Schmarrn muss jetzt endlich mal vom Tisch“, so Nüßlein. Dafür bekam er breite Zustimmung von der IHK und den Kreishandwerkern. Doch die sahen dabei ein nächstes Problem: „Es ist ja schon schwer, das Ding überhaupt in die Erde zu bringen, weil wir keine Leute haben“, sagte Stoll über den Antennenausbau.

Der Fachkräfte- und Nachwuchsmangel bereitet den Handwerksbetrieben weiterhin Sorge: Mit der Ausbildungsprämie von 2000 bis 3000 Euro soll Betrieben geholfen werden, Azubistellen anbieten zu können. „Die Kleinstunternehmen fallen dabei oft durch das Raster“, sagte Stipar. Viele hätten erst gedacht, sie würden schon durch die Krise kommen und lieber auf die Bürokratie verzichten. Doch die hätten jetzt ohne Kurzarbeit und Azubis ihre Probleme, erzählte Stoll. Dass es weniger Bürokratie geben dürfe, da waren sich alle Unternehmer einig. Nüßlein antwortete pragmatisch auf diese Forderung: „Es gibt keinen Mangel an Gesetzen. Der Deutsche Bundestag macht einfach zu viel Zeug.“

Die Metzger-Branche leidet unter den allgemeinen Regeln für die Fleischwirtschaft

Josef Bader, der das Fleischerhandwerk im Kreis vertritt, forderte andere Regelungen für kleinstrukturierte Schlachthöfe und das Metzgerhandwerk. Man könne kleine Betriebe nicht mit Konzernen wie Tönnies vergleichen. Die Entsorgungs-, oder Personalkosten seien für den regionalen Metzger viel teurer als für die große Firma, so Bader. Nüßlein sagte, er wolle sich gegen das unsittliche Preiswerben als Lockmittel für Billigfleisch einsetzen. Am Donnerstagabend hätte er ein Telefonat mit Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner und könne gleich einige Dinge ansprechen.

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