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Soziales

17.10.2017

Haus Konrad sucht Pfleger

Auszubildende und die Chefetage des Altenheims Haus Konrad haben über die Arbeit als Pfleger diskutiert.
Bild: Angela Häusler

Das Altersheim will junge Leute von diesem Beruf überzeugen. Bei einer Diskussion tauschen sich Chefetage und Azubis aus, wie die Ausbildung besser werden kann

Pflegekräfte sind Mangelware – das wurde jetzt auch im Sendener Seniorendomizil Haus Konrad deutlich: Bei einer Diskussion von Auszubildenden, Ausbildern und Compassio-Geschäftsführer Wolfgang Frühschütz. Eine „doppelläufige Schere“ sei es, die sich aktuell in der Personalsituation auftut, sagte Frühschütz am „Einrichtungstag“ im Haus Konrad. Für einen Tag hat er als Chef des Ulmer Altenhilfeträgers Compassio, ein Unternehmen mit 28 Einrichtungen und rund 2500 Mitarbeitern, das Sendener Heim besucht. Auch der Austausch mit Auszubildenden stand da auf dem Programm.

300 Altenpflegeschüler beschäftigt Compassio derzeit. In der Runde saßen neben mehreren Nachwuchskräften auch Vertreter von beruflichen Schulen wie der Fachoberschule Neu-Ulm, der Altenpflegeschule Dornstadt und der Neu-Ulmer Berufsfachschule für Sozialpflege. Der starke Zuwachs an alten Menschen und der gleichzeitige Rückgang von Auszubildenden sei für die Altenhilfe in den nächsten Jahren ein Grundproblem, führte Wolfgang Frühschütz aus. Und das, obwohl der Anteil an Nachwuchskräften in der Altenhilfe mit 16 Prozent so hoch sei, wie in kaum einer anderen Branche.

Dazu komme noch, dass die Pflege ein enormes Imageproblem habe. Sie werde vielfach schlechtgeredet, meinte Frühschütz. So dürftig etwa, wie häufig kolportiert, sei der Verdienst ausgelernter Altenpflegekräfte nicht: Er liege bei circa 2600 Euro, in Führungsfunktionen bei bis zu 3300 Euro. Auch der Lohn für Azubis sei mit 1000 bis 1200 Euro vergleichsweise hoch, betonte der Unternehmer, der überzeugt ist: „Je mehr wir jammern, umso schlechter machen wir es.“

Trotz hoher körperlicher Belastung und stressigen Situationen seien die Altenpfleger aber mit dem Herzen dabei, betonten mehrere der Ausbilder. Und: Ihrer Erfahrung nach, so eine Vertreterin der Fachoberschule, seien die Schüler bei Praktika in der Altenpflege zufriedener als solche, die in Krankenhäusern Erfahrungen sammeln.

Umstritten war in der Runde die von Union und SPD in diesem Sommer beschlossene Reform der Pflegeausbildung. Sie sieht vor, dass die Azubis künftig eine gemeinsame Basisausbildung durchlaufen, bevor sie sich im dritten Jahr auf Krankenpflege, Altenpflege oder Kinderkrankenpflege spezialisieren können. Das sah Anke Grützner von der Altenpflegeschule Dornstadt mit Argwohn: „Ich befürchte, dass dann nur noch Leute, die im Krankenhaus nicht bestehen können, in die Altenpflege gehen.“ Außerdem regte sie an, den Azubis mehr Hilfestellung zu geben, wenn es um die Bewältigung von schwierigen Situationen geht, etwa um Tod und Sterben, „da bräuchten wir Angebote für Azubis, aber auch für Pflegehilfskräfte“, sagte sie. Eine Herausforderung, aber organisierbar, sagte eine Auszubildende aus Bellenberg, sei es, Arbeit und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bekommen. Ein Punkt, der für viele Altenpflegerinnen in spe wichtig ist, denn viele der Schülerinnen sind Mütter nach der Familienphase.

Mehrere der Azubis betonten, wie wichtig die positive Reaktion der Senioren für ihre Arbeit und ihre Motivation seien. Trotz hoher Belastung durch Arbeit und Schule mache ihn die Tätigkeit sehr zufrieden, so ein angehender Pfleger. Freunde und Freizeit kämen angesichts der Ausbildung manchmal schon zu kurz, berichtete eine Kollegin, und sie wünsche sich mehr Wertschätzung für die Azubis.

Werbung für die Tätigkeit in der Altenpflege haben die Compassio-Nachwuchskräfte nun sogar mit selbst gedrehten Filmen gemacht, berichtete außerdem Claudia Hörmann, Leiterin im Haus Konrad. Sie sind auf der Internetseite des Unternehmens zu sehen.

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