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Ulm

30.01.2020

Hier kommt Licht ins Dunkel der Gewächshäuser

Der Botanische Garten bietet Taschenlampen-Führungen durch seine Gewächshäuser an.
Bild: Alexander Kaya

Mit Taschenlampen ausgestattet können Pflanzenfreunde die Tropenhäuser des Botanischen Gartens in Ulm bei Nacht erkunden. Ein geheimnisvoller Spaziergang.

Nur spärlich beleuchtet befinden sich die Gewächshäuser des Botanischen Gartens in der Ulmer Dunkelheit. Etwa 20 Leute, von jungen Erwachsene bis zu Senioren, wartet auf den Beginn eines geheimnisvollen Spaziergangs. Der Reiz des Unbekannten hat sie angelockt. Anja Dünnebeil, die Leiterin der Taschenlampen-Führung, öffnet den Wartenden die Tür. Die 30-Jährige hat Biologie an der Uni Ulm studiert. Aktuell schreibt sie ihre Doktorarbeit in der Neurobiologie – doch ihr Herz schlägt für die Pflanzen. Während des Studiums führten ihre Wege die Biologin regelmäßig in den Botanischen Garten. Außerdem bezeichnet sich die Doktorandin selbst als „Hobbygärtnerin“, die viel Spaß an der Beschäftigung mit Pflanzen hat. Inzwischen ist Anja Dünnebeil eine von mehreren Führerinnen durch die Gewächshäuser und macht ihre Arbeit mit viel Freude.

Schon seit einigen Jahren bietet der Botanische Garten in den Wintermonaten November bis Februar Taschenlampen-Führungen an. An diesem Januarabend sind Erwachsene gekommen, andere Termine richten sich speziell an Kinder.

Taschenlampen-Führung im Botanischen Garten in Ulm

Anja Dünnebeil öffnet die Türen zum ersten Gewächshaus, die Nachbildung eines Tiefregenwalds. Zu Beginn machte die Führerin noch auf mögliche tierische Besucher aufmerksam – des Öfteren verirren sich Frösche und Kröten in die Gewächshäuser.

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Eine warme, feuchte, alles in allem tropische Luft herrscht in dem übergroßen Terrarium. Die Beleuchtung ist noch spärlicher als draußen – die Taschenlampen werden gezückt. Dünnebeil beginnt zu erzählen. Von Pflanzenarten, Aktivitäten der Pflanzen bei Nacht, Besonderheiten und Fortpflanzungsvorgängen. All diese Worte und Informationen werden von umherwandernden Lichtkegeln begleitet.

Auf dem Weg durch die beiden Gewächshäuser fallen den Besuchern immer wieder verschiedene Gerüche auf. Sowohl süßliche und blumige als auch erdige Komponenten kommen vor. Duftende Hölzer des Zimtbaumes machen die Runde, ebenso wie ein intensiv riechendes Blatt des grünen Kardamom. Links und rechts schnappt man im Vorbeigehen wilde Pflanzennamen auf. Lebendgebärender Streifenfarn, Neoalsomitra schefferiana oder Eierfrucht sind nur wenige davon. Immer wieder entstehen neue Schattenwürfe an den hohen Decken und auf den Gesichtern der Besucher. Die Pflanzen erscheinen für einen kurzen Moment im Lichtschein der Taschenlampe und verschwinden dann wieder in der dunklen, undefinierbaren Pflanzeneinheit. Die homogene Masse der Pflanzen wird kurzfristig aufgebrochen und offenbart jedem seine eigene Wahrheit der Tropenwelt. Blumen und Blüten, Früchte, Blätter und Äste werden mit ihren Einzelheiten ins Licht gerückt. Augenscheinlich gewöhnliche Blätter entpuppen sich als samtweiche Handschmeichler, wilde florale Formel zeigen sich als Orchideen. Als ständige Begleiter dringen tropische Geräusche zu den Besuchern vor. Zirpen, Zwitschern, Rufen und Quaken halten sich bedeckt im Hintergrund.

Botanischer Garten Ulm: Der Reiz des Unbekannten lockt Besucher an

Dünnebeil nennt als einen der Gründe für die Führung bei Nacht das Unbekannte. Der Reiz sei „das Geheimnisvolle, was man mit den Tropen verbindet“. Und das Unwissen über die Lebendigkeit der Tropen bei Nacht. Da sei bei Dunkelheit nämlich ganz schön was los. Die grünen Bewohner strömen nachts Gerüche und Düfte aus, wodurch sie Bestäuber anziehen und sich fortpflanzen. Dünnebeil selbst hat bereits mehrere Praktika absolviert – unter anderem in Costa Rica, wo sie das Bestäuben von Pflanzen durch Fledermäuse untersucht hat. Die Führerin erzählt viele weitere Fakten, unter anderem über die Bestandteile des Kult-Parfüms Chanel No.5 und den Zusammenhang zwischen Vanilleschote und Todesstrafe.

Die Dunkelheit wird immer wieder von leisen Lachern der Besucher durchbrochen, vereinzeltes Gemurmel ist zu hören. Die Führung neigt sich dem Ende zu. Mit den Schuhen auf dem Kiesboden knirschend bewegt sich die Gruppe in Richtung des Ausgangs. Nach und nach treten die Besucher hinaus, bis auch die letzte Taschenlampe ausgeknipst ist.

Taschenlampen-Führung für Familien gibt es am 30. Januar sowie am 6., 7., 20. und 21. Februar. Führungen für Erwachsene finden am 13. und 14. Februar statt. Beginn ist immer um 18 Uhr. Treffpunkt im Hans-Krebs-Weg am Eingang zu den Gewächshäusern des Botanischen Gartens, Anmeldung an fuehrungen-botgart@uni-ulm.de.

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