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Neu-Ulm

12.01.2021

Hochschule Neu-Ulm: Präsenzprüfungen trotz Corona stoßen auf Unverständnis

Nach der Kritik einiger Studenten müssen sich Prüfungsteilnehmer nun nicht durch einen Schneesturm an die Hochschule zur Prüfung kämpfen.
Bild: Alexander Kaya

Plus Trotz Corona sollen an der Hochschule Neu-Ulm die meisten Prüfungen vor Ort stattfinden, auch eine mit 280 Teilnehmern. Einige Studenten finden das unverantwortlich. So reagiert die Hochschulleitung.

Die Hochschule in Neu-Ulm ist normalerweise als digitaler Vorreiter in Bayern bekannt. Deutlich wurde das beispielsweise bei einem Besuch des bayerischen Wissenschaftsministers Bernd Sibler im April 2020. Dort lobte er die Hochschule für ihre digitalen Lehrangebote während der Corona-Pandemie. Umso erstaunlicher ist es für viele Studenten, dass die Prüfungen in diesem Semester größtenteils als Präsenzveranstaltung geschrieben werden sollen.

Studentin kritisiert, dass viele Teilnehmer in einem Raum sitzen sollen

Das versteht auch eine Studentin der HNU nicht, die sich an unsere Redaktion gewandt hat: „Wir haben uns alle gefragt, warum wir das mit den Online-Veranstaltungen im Frühjahr so gut hinbekommen haben und jetzt die Prüfungen mit mehreren Leuten in einem Raum abgehalten werden sollen.“

Technisch sei es für die Hochschule kein Problem, digitale Prüfungen abzuhalten. Nur etwa zehn Prüfungen, die teilweise diese Woche schon stattfinden, sollen laut der Studentin als Online-Prüfung abgehalten werden. Alle anderen, beispielsweise eine VWL-Prüfung mit 280 Teilnehmern, soll vor Ort stattfinden. Das bestätigt auch Prof. Julia Kormann, die Vizepräsidentin der HNU. Doch die Hochschule hat noch am Dienstag nachjustiert. Grund dafür ist unter anderem die Kritik aus Studentenkreisen, aber auch eine Umfrage, die die Studierendenvertretung (Stuve) der HNU kurzfristig auf die Beine stellte.

Studierendenvertretung organisiert Umfrage, die Ergebnisse überraschen

Innerhalb von 48 Stunden hat die Stuve die Umfrage zum Studium in der Corona-Zeit erstellt, bei der 2500 von den etwa 4000 Studenten der HNU teilgenommen haben. Nach einer Stunde waren es bereits 1000 Teilnehmer, berichtet Ünsal Mutlu, Sprecher der Stuve. Die Ergebnisse waren überraschend: Über die Hälfte der Teilnehmer hat eine Anreise von mehr als 20 Kilometern zur Hochschule. Das bekräftigt die Sorge der Studentin, die sich an die Neu-Ulmer Zeitung wandte: „Studenten aus den unterschiedlichsten Landkreisen Deutschlands reisen zur Prüfung an.“

Ein anderer Student schreibt: „Meine Freunde/Familie arbeiten seit Monaten am Limit. Lassen ihre Kinder zu Hause und Geschäfte geschlossen. Wenn die HNU zur Prüfung lädt, die Wohnheime, WGs und Busse wieder voll macht und die Mensa öffnet, bedeutet dies, dass die Werte steigen.“ In der Umfrage der Stuve zeigt sich, dass die Meinung der HNU-Schüler gespalten ist: 40 Prozent der Teilnehmer stimmten dafür, Präsenzprüfungen abzuhalten, 60 Prozent waren dagegen. Eindeutiger war jedoch das Gefühl, nicht gut genug durch das Onlinesemester vorbereitet zu sein: Etwa 75 Prozent fühlen sich nicht gewappnet.

Die Hochschulleitung reagiert auf die Kritik. Vizepräsidentin Kormann findet die Vorwurfshaltung aus den Reihen der Studenten schade, kann aber viele Bedenken verstehen. „Die Umfrage der Stuve gleicht wirklich einer Meisterleistung.“ Die Leitung diskutiere jetzt, welche Alternativen angeboten werden können. Fest steht laut Kormann, Stand Dienstag: Für Schüler, die aus diversen Gründen an keiner Präsenzveranstaltung teilnehmen können, gibt es eine Online-Möglichkeit. Auch die Art der Prüfung kann durch den Dozenten nachjustiert werden. Und: Wer durch Corona psychische oder auch familiäre Ängste und Sorgen hat, kann sich noch für die Prüfung abmelden.

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