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Roggenburg

19.10.2019

Hohe Auszeichnung für 20 Jahre Hilfe in Kenia

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Botschafterin Annett Günther (mit rosa Schal) überreichte Gudrun Dürr (rechts daneben) am Mittwochabend in Nairobi das Bundesverdienstkreuz.
Bild: Deutsche Botschaft Nairobi

Plus Im Oktober 1999 verließ Gudrun Dürr Ingstetten und ging nach Afrika. Nun trägt sie als Anerkennung für ihr Engagement das Bundesverdienstkreuz.

Der Zeitpunkt für die Auszeichnung hätte kaum besser liegen können: Vor 20 Jahren verließ Gudrun Dürr mit ihrem Mann Edmund den Roggenburger Ortsteil Ingstetten, um ein Hilfsprojekt in Kenia aufzubauen. Bekanntlich ist sie ganz dortgeblieben. Am Mittwochabend hat Dürr für ihr langjähriges Engagement das Bundesverdienstkreuz in der deutschen Botschaft in Nairobi erhalten. Botschafterin Annett Günther gratulierte und sagte über die 60-Jährige: „Seit nunmehr über 20 Jahren setzt sie sich mit Leidenschaft und Herzenswärme mit dem Verein Projekt Schwarz-Weiß für die Bedürfnisse von kenianischen Kindern und Jugendlichen in Not ein.“

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Die Auszeichnung sei sehr überraschend für sie gekommen, erzählt Gudrun Dürr in einem Telefonat mit unserer Redaktion. „Ich freue mich natürlich sehr darüber.“ Nett und familiär sei die kleine Feier in der deutschen Botschaft gewesen, an der unter anderem auch ihre Kinder Denise und Pascal teilgenommen haben. Für den Großteil der Familie ist Kenia zur Heimat geworden. Dürrs älterer Sohn Marcel bleibt in Ingstetten und ist dort Ansprechpartner für das Projekt. Er unterstützt die Vereinsarbeit in seiner Freizeit.

1997 gründete die Familie Dürr den Verein "Projekt Schwarz-Weiß"

Sie fühle eine unbeschreibliche Zufriedenheit, erzählt Gudrun Dürr. „Ich bin dankbar, dass ich diesen Schritt damals gemacht habe.“ Bei einem Urlaub an der Südküste Kenias im Jahr 1996 wurde die Familie auf viele bettelnde Kinder aufmerksam und beschloss, zu helfen. 1997 gründete sie den Verein "Projekt Schwarz-Weiß", im Oktober 1999 flog die Familie erneut nach Kenia, um auf einem gekauften Grundstück in Msambweni südlich von Mombasa ein Kinderdorf aufzubauen. Der Ort liegt in einer der ärmsten Regionen des Landes, Wohnheime für Kinder gab es damals nur ganz wenige. Ursprünglich wollte die Familie nur drei Monate bleiben, doch die Zeit reichte nicht aus, um alle Behördengänge und Formalitäten vor Ort zu erledigen. „Ich bin nicht mehr zurück nach Deutschland, weil ich gemerkt habe: Es wird nicht weitergehen, wenn ich gehe“, sagt Dürr.

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Dank der Unterstützung vieler Sponsoren aus Deutschland hat sich das Hilfsprojekt im Laufe der Jahre weiterentwickelt. Bis heute wurden mehr als 70 Waisenkinder aufgenommen, der Verein hat eine Schule mit Kindergarten errichtet, in der mittlerweile mehr als 200 Kinder aus ärmsten Verhältnissen lernen können. Ein Farmprojekt zur teilweisen Selbstversorgung wurde ins Leben gerufen, ebenso eine Arbeits- und Ausbildungsstätte für das Schreinerhandwerk sowie eine Schneiderei. Im Oktober 2014 wurde das Niew View Medical Centre eröffnet. Wie Marcel Dürr berichtet, wurden dort 2018 rund 6100 Patienten behandelt, allein im ersten Halbjahr 2019 waren es bereits knapp 4400.

Witterungsbedingungen setzen den Gebäuden immens zu

Ziel des Vereins ist, den Menschen vor Ort ein eigenständiges Leben in ihrem Land zu ermöglichen und eine entsprechende Infrastruktur zu schaffen. „Mit insgesamt um die 80 Mitarbeitern sind wir einer der größten Arbeitgeber der Region“, erzählt Gudrun Dürr. Und die betreuten Kinder, ergänzt sie, sollen ein Zuhause haben, wo sie sich auch zu Hause fühlen. Drei im Kinderdorf aufgewachsene Kinder waren am Mittwochabend bei Dürrs Auszeichnung in der deutschen Botschaft dabei. „Alle drei haben eine Rede gehalten und gesagt, sie hätten bei uns eine wahnsinnig große Liebe gespürt“, erzählt die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes.

Ebenfalls erfreulich ist aus Sicht von Marcel Dürr, dass der Samen aufgeht, wie er sagt. Mwanascha, eines der ersten acht Kinder, die im Waisenhaus aufgenommen wurden, war vor zwei Jahren als Au Pair in Deutschland. Gerade mache sie eine Lehre im Günzburger Krankenhaus, erzählt Dürr.

In Msambweni gelte es nun, das bislang Erreichte zu bewahren. Denn die Witterungsverhältnisse mit salzhaltiger Luft und zeitweise sintflutartigen Regenfällen setzen den Gebäuden und Geräten immens zu. „Die Reparaturen verschlingen Unsummen“, sagt Gudrun Dürr. Zudem sind Neuanschaffungen wie ein dringend benötigter Schulbus oder ein Narkosegerät für die Klinik geplant. „Im Moment bauen wir auch eine neue Küche“, erzählt sie.

Weitere Infos über das Hilfsprojekt finden Sie auf der Internetseite des Vereins.

Frühere Artikel über den Verein Projekt Schwarz-Weiß lesen Sie hier:

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