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Projekt

06.12.2017

Holzheim erwärmt sich für Fernwärme

Können die Bürger bald Heizenergie aus der Biogasanlage beziehen? Experten referierten bei einer Informationsveranstaltung über ihre Erfahrungen – und wie der Bau realisiert werden könnte

Ein Fernwärmenetz für die 1900-Seelen-Gemeinde ist keine Utopie mehr. Das wurde am Montagabend bei einer sehr gut besuchten ersten Informationsveranstaltung im Schützenheim deutlich. Auch zahlreiche konkrete Fragen an die Referenten lassen auf ein lebhaftes Interesse schließen.

Das bekundeten ganz zum Schluss des fast dreistündigen Gedankenaustausches auch die Betreiber der örtlichen Biogasanlage, Armin Frank und Stefan Schweigart. „Wir beschäftigen uns schon seit längerer Zeit mit einer sinnvollen Nutzung der Abwärme unserer Anlage“, berichtete das Duo. „Vor allem aber wollten wir den richtigen Zeitpunkt dafür finden.“ Der sei aus ihrer Sicht jetzt da.

Was die beiden versierten Referenten des Abends bestätigten. „Der Zeitpunkt für den Einstieg wäre jetzt ideal“, befand Hannes Geitner vom Landwirtschaftsamt Nördlingen und begründete dies insbesondere mit der hohen staatlichen Förderung. Damit eröffneten sich den angeschlossenen Haushalten auf Jahre hinaus ebenso günstige wie kalkulierbare Energiekosten, unabhängig von Ölkrisen oder sonstigen Unwägbarkeiten. „Auf jeden Fall ist Fernwärme wesentlich preisgünstiger als Öl, Pellets, Hackschnitzel oder Scheitholz“, sagt der Experte, der in den vergangenen Jahren bereits zahlreiche vergleichbare Projekte vorbereitet und begleitet hat: Im Landkreis Donau-Ries etwa, wo Geitner zufolge inzwischen fast 14 Millionen Liter Heizöl jährlich eingespart werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist für ihn: „Der Wert jedes Gebäudes steigt mit einem verlässlichen und günstigen Energieträger und damit wird auch das Dorf insgesamt aufgewertet.“

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Voraussetzung für einen erfolgreichen Betrieb des Netzes sei allerdings eine hohe Anschlussdichte: „Insofern funktioniert dies nur, wenn genügend viele Menschen mitmachen.“ Überdies müsse sich das Projekt „für alle lohnen“. Denn: „Netze scheitern nicht an Technik oder fehlender Wirtschaftlichkeit, sondern an menschlichen Faktoren.“

Beispiele dazu gebe es, so der Fachmann, „hier sind nicht nur bis ins Detail durchgerechnete Vorhaben geplatzt, sondern danach auch ganze Dörfer zerstritten gewesen“. Für das Gegenteil steht Stoffenried, ein Ortsteil der Gemeinde Ellzee im Kreis Günzburg, wie Konrad Rittler ebenso leidenschaftlich wie kompetent erläuterte.

Er ist dort Vorsitzender des Vereins, der das Netz in den vergangenen Jahren schrittweise ausgebaut hat und betreibt. „Denkbar wäre aber auch eine Genossenschaft als Träger, alle Lösungen haben Vor- und Nachteile“, so Rittler. Die Resonanz im Ort sei ungemein positiv, „Differenzen gibt es nur mit Leuten, die nicht oder noch nicht angeschlossen sind“.

Die hohe Akzeptanz resultiere nicht nur aus den günstigen Energiekosten für alle Beteiligten. „Ebenso wichtig ist das Mitspracherecht“, sagte Rittler. Über die Wärmepreise etwa werde jährlich neu abgestimmt. „Das stärkt das Wir-Gefühl.“ Nicht zuletzt deswegen habe man den letzten Bauabschnitt zu einem großen Teil in Eigenregie realisieren können.

„Es sind schwierige ein bis zwei Jahre mit viel Arbeit“, sagte Rittler den Holzheimern, „aber dann ist man froh über das gelungene Werk“. Die Betreiber der Biogasanlage, die damit seit Herbst 2011 Strom ins Netz einspeisen, wollen jetzt erst einmal das Ergebnis einer schriftlichen Umfrage abwarten. Sie ist am Montag angelaufen und soll mit Unterstützung der Gemeinde das konkrete Interesse im Ort ausloten.

Auf dieser Basis hat Experte Hannes Geitner eine erste Kosten- und Wirtschaftlichkeitsberechnung angeboten. Erst anhand konkreter Zahlen müssten sich Interessierte verbindlich für einen Anschluss entscheiden. „Holzheim entstehen damit bis zur Gründung eines Vereins oder einer Genossenschaft keinerlei Kosten“, erklärte der Mann vom Landwirtschaftsamt und sicherte „eine saubere, neutrale sowie fachlich korrekte Beratung“ zu.

Bürgermeisterin Ursula Brauchle begrüßt die Überlegungen: „Klimaschutz ist nicht nur ein Thema auf Bundesebene, sondern auch im Kleinen notwendig.“ Das Projekt könne dazu beitragen. „Es wäre eine schöne Sache.“

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