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Justiz

29.01.2019

Imbiss-Messerstecher muss hinter Gitter

Verkorkst auf ganzer Linie: In einem Schnellrestaurant wollte ein junger Mann an Geld für seine Sucht kommen

Ein drogensüchtiger und alkoholkranker 29-jähriger Wohnsitzloser ist am Montag wegen versuchten Mordes vom Ulmer Schwurgericht zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Er hatte ein Fast-Food-Lokal in der Innenstadt am späten Abend überfallen und auf einen Bediensteten mit seinem mitgeführten Messer eingestochen. Wie durch ein Wunder überlebte der wehrlose Mitarbeiter die lebensgefährlichen Attacken mit nur leichten Verletzungen. Ziel des Mannes war, die Kasse des Schnellrestaurants zu plündern, um seinen Drogennachschub zu finanzieren.

Das Schwurgericht ging bei seinem relativ geringen Strafmaß (Höchststrafe lebenslänglich) von verminderter Schuldfähigkeit des Täters aus, der zum Zeitpunkt des Raubüberfalls am 17. Mai vergangenen Jahres mit 1,8-Promille-Alkohol im Blut und einem Drogencocktail zugedröhnt war.

Im Verlauf der dreitägigen Verhandlung war der Verdacht aufgekommen, dass der Räuber im Auftrag einer berüchtigten Motorradgang gehandelt haben könnte, die in einer ebenso berüchtigten Ulmer Bar verkehrte, wo sich auch der Angeklagte mit Rauschgift und hochprozentigem Alkohol versorgte. Doch dafür gab es, so der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung, keine konkreten Anhaltspunkte.

Vielmehr habe der 29-jährige, mehrfach Vorbestrafte mit diesem Raubüberfall seine Sucht finanzieren wollen, die ihn auch an diesem Abend mangels Geld an den Rand des Wahnsinns brachte. Sorgfältig bereitete er den Überfall vor. Vor dem Seiteneingang des Lokals zog er sich eine Strumpfmaske über den Kopf, sodass er von den laufenden Videokameras nicht identifiziert werden konnte und versteckte ein Messer in seiner Jackentasche. Mit schnellen Schritten ging er zur Theke des Imbisses. Als ein Angestellter auf ihn ahnungslos zuging, zog der Angeklagte blitzschnell das Messer aus der Tasche und stach mehrfach in Richtung Oberkörper und Hals zu.

„Der Angegriffene kämpfte um sein Leben“, betonte die Staatsanwältin nach dem Ende der Beweisaufnahme in ihrem Plädoyer. Sie forderte eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und neun Monaten. Auch das Gericht sprach in seiner Urteilsbegründung von einem großen Glück für den Angegriffenen, der die lebensgefährlichen Messerstiche in Richtung Hals, Oberkörper und einmal bei einem Gerangel auf dem Boden in den Rücken abwehren konnte.

Die körperlichen Wunden sind heute verheilt, aber die psychische Belastung wirkt noch heute nach, betonte der Richter: „Es war ein hochgefährlicher Angriff.“ In der Kasse lagen zwischen 600 und 1000 Euro, doch der Täter musste mit leeren Händen flüchten und konnte später aufgegriffen werden. Er hatte nach einer abgesessenen Haftstrafe zunächst Unterkunft in einem Bewährungsheim gefunden, lebte aber nach Regelverstößen gegen die Hausordnung auf der Straße.

Jetzt wartet eine zweijährige Therapie in einer Entzugsklinik auf den Verurteilten und der Vorsitzende des Schwurgerichts stellte dem 29-Jährigen in Aussicht, bei Erfolg der Behandlung nach drei Jahren Haft entlassen zu werden. „Es ist spät, aber nicht zu spät für Sie“, gab er dem leichenblassen Mann mit auf den Weg in die Haftanstalt.

Der Verteidiger hatte für seinen Mandanten ein wesentlich geringeres Strafmaß gefordert, weil kein Mordmerkmal erfüllt worden sei: Weder Heimtücke noch Habgier. Begangen habe der Angeklagte diese Tat im Vollrausch, sodass er deswegen zu einer Haftstrafe von dreieinhalb Jahren zu verurteilen sei.

Der Verteidiger verwies in seinem Plädoyer auf das schriftliche Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen, der eine Schuldunfähigkeit seines Mandanten nicht ausschließen wollte.

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