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10.07.2010

Immer mehr Bürger liefern Strom

Immer mehr private Solaranlagen speisen Strom ins Netz. Foto: A. Brücken
Bild: A. Brücken

Weißenhorn In der Krise sparen Bürger und Unternehmer Strom: Im Jahr 2009 ist der Umsatz des Elektrizitätswerkes Weißenhorn AG (EWAG) um zehn Prozent zurück gegangen, sagt Geschäftsführer Günter Botzenhardt. Zugleich speisen immer mehr Bürger Energie aus eigenen Solarkraftwerken ins Netz - deshalb muss der Betreiber bald aufrüsten. Heuer will die EWAG noch 50 000 Euro investieren. Bei einer Bilanz sprach Vorstandsvorsitzender Bernhard Palm von einer "großen Herausforderung".

Insgesamt habe sich die EWAG in einem "schwierigen Umfeld gut behauptet". Das Unternehmen erzielte einen Umsatz von 10,7 Millionen Euro, der Jahresüberschuss betrug rund 389 000 Euro. Die Kundenzahl sei mit rund 5100 Privat- und 63 Industriekunden gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert geblieben. Die EWAG hat im vergangenen Jahr die Bereiche Netz und Vertrieb getrennt und ihre Stromnetze in die neu gegründete Tochtergesellschaft Verteilnetze Energie Weißenhorn GmbH & Co. KG (VNEW) ausgelagert. Die Netzgesellschaft führt die Geschäfte seit 1. Januar 2010.

Auch die Stromnetze der zehn Teilorte Weißenhorns wurden in den VNEW überführt. Zuvor wurden sie von der Lechwerke AG (LEW) betrieben. Das Augsburger Unternehmen übernahm einen Gesellschaftsanteil an der VNEW in Höhe von 25,1 Prozent. Die Anzahl der Kunden bei der Verteilnetze GmbH stieg im Verlauf des Jahres 2009 von 5100 auf über 7500. Eine gute Nachricht für die Aktionäre: Nachdem die Dividende sechs Jahre lang kontinuierlich rückläufig war, erhöhte sich der Gewinn je Aktie von einem Euro auf 1,50.

Zugleich wurde weniger Strom verkauft: Durch die Wirtschaftskrise ging die Stromabgabe an Industriekunden um 14,9 Prozent und bei den Privatkunden um 6,6 Prozent zurück. Insgesamt gaben die EWAG rund 63,8 Millionen Kilowattstunden ab.

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Die Bundesregierung wolle den Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung bis 2020 auf 30 Prozent erhöhen, so Bernhard Palm. Im Gebiet der Verteilnetze Energie GmbH sind derzeit rund 305 private Fotovoltaikanlagen in Betrieb. Im laufenden Jahr rechnet Palm mit 200 neuen Kraftwerken. Der Zuwachs stelle die AG vor Herausforderungen: Die eingespeisten Mengen seien nicht vorhersehbar, da sie aufgrund der Witterung stark schwankten. Der Betreiber müsse sein Netz deshalb auf eine maximale Einspeisemenge auslegen, damit es nicht zu Überlastungen komme.

Demnächst sollen zusätzliche Leitungen und Umspannstationen entstehen. Die Kosten dafür sind nach Angaben von Günter Botzenhardt noch unklar. Bis Ende 2010 will die EWAG offenbar bereits 50 000 Euro ins Netz stecken. Eine notwendige Investition: "Der Solar-Boom dauert an". Der Staat schraube die Fördergelder zwar zurück, zugleich fielen aber die Anschaffungskosten - also investierten die Bürger weiter in grüne Energie. Aus diesem Grund arbeiten Netzbetreiber an sogenannten intelligenten Netzwerken. Die Idee: Wenn viel Strom erzeugt wird, sollte er gleich verbraucht werden können - etwa durch das Laden von Elektroautos. Das Problem: Die Zahl der Fotovoltaikanlagen nimmt viel schneller zu, als die der E-Fahrzeuge. Vorstandsvorsitzender Palm: "Dies ist für alle Netzbetreiber die größte Herausforderung dieses Jahrhunderts."

In Weißenhorn seien die Mitarbeiter durch das große Interesse an Solaranlagen derzeit bis an die Belastungsgrenze gefordert. (az/caj)

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